Montag, 18. Dezember 2017


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Fraunhofer: Merkel soll Energieministerium einrichten

Iwes-Chef fürchtet Zusammenbruch der Energiemärkte

Berlin/Kassel, (lifePR) - Bundeskanzlerin Angela Merkel sollte zur schnelleren Umsetzung der Energiewende Kompetenzen aus dem Wirtschafts- und dem Umweltministerium abziehen und in einem neuen Energieministerium bündeln. Das fordert das Fraunhofer-Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik (Iwes), eines der wichtigsten Forschungsinstitute in Deutschland, das sich mit der Energiewende beschäftigt. "Wir brauchen eine einzige Schaltzentrale, die am besten im Bundeskanzleramt angesiedelt wäre. Hier müssen die Fäden zusammen laufen", sagte der Kasseler Iwes-Leiter Prof. Jürgen Schmid den am Freitag erscheinenden VDI nachrichten. "Oder die Bundeskanzlerin muss ein Energieministerium einrichten und den anderen Ministerien die Kompetenzen in diesem Bereich entziehen. Herr Altmaier jedenfalls - so sehr ich ihn schätze - hat keine Chance, diese Aufgabe alleine zu lösen."

Grund für die radikale Forderung: Das Fraunhofer-Institut fürchtet explodierende Kosten und ein Zusammenbrechen des Energiemarktes, weil die Expansion der erneuerbaren Energien nicht genug gesteuert werde. "Ein großes Risiko sind die Kosten. Sie laufen vor allem auf dem Gebiet der Stromerzeugung aus dem Ruder, weil die Märkte sich viel schneller entwickelt haben als die Bundesregierung dies erwartet hat. Wenn die Kostenschere sich noch weiter öffnet und die politischen Rahmenbedingungen sich aus einer Panik heraus abrupt ändern, drohen die Märkte zusammen zu brechen." Der Iwes-Chef verweist auf Spanien, wo die Förderung von Wind- und Sonnenenergie sogar abrupt eingestellt wurde.

Das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) stoße jetzt an seine Grenzen, "weil die Marktvolumina nicht mehr beherrschbar sind", so Schmid. "Wir haben im Moment ein System, das jedem Kraftwerksbauer erlaubt, ein Kraftwerk beliebiger Größe an die Stelle seiner Wahl zu setzen. Das kann nicht funktionieren." Der Iwes-Chef fordert deshalb "eine Volumensteuerung, die regionale Aspekte und die Lage der Verbrauchszentren berücksichtigt".

Gleichzeitig hat das Iwes berechnet, dass bei einer guten Steuerung die Mehrkosten der Energiewende vergleichsweise gering sind. "Der Schnittpunkt liegt im Jahr 2025. Dann haben wir Kostengleichheit mit den Konventionellen erreicht. Bis dahin müssen wir etwa 200 Mrd. € in die Quellen investieren und 30 Mrd. € in Netze und Speicher", sagte Schmid. "Die Mehrkosten liegen aber zu keinem Zeitpunkt höher als 8 % der jetzigen Kosten für unseren Stromkonsum. Ab 2025 wird es dann billiger."

Das Interview finden Sie im Wortlaut unter www.vdi-nachrichten.com/Schmid

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