Sonntag, 24. September 2017


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Norwegens Kohle-Divestment: Vorbild für Allianz und Deutsche Bank

Sassenberg, (lifePR) - Heute wird das Parlament in Oslo den weitgehenden Ausstieg des norwegischen Pensionsfonds aus Kohle-Anlagen beschließen. Die Entscheidung betrifft alle Bergbaufirmen und Energieerzeuger im Portfolio, deren Kohleanteil bei 30 Prozent oder höher liegt. Nach einer aktuellen urgewald-Analyse hat der Schritt voraussichtlich die Umschichtung von Anlagen in Höhe von 7,7 Mrd. Euro (67,2 Mrd. Norwegische Kronen) und den Ausschluss von 122 Unternehmen aus der Kohleindustrie zur Folge. Betroffen sind mit E.ON, RWE und Vattenfall auch drei der größten Energieversorger Deutschlands.

Bereits in den vergangenen Monaten sind Kohle-Anlagen stark unter Druck geraten. Neben dem einflussreichen Rockefeller-Brothers-Fonds haben auch die Bank of America und die französische Bank Crédit Agricole ein Divestment aus Kohle bzw. fossilen Energieträgern beschlossen. Der Schritt Norwegens ist allerdings das bislang größte einzelne Kohle-Divestment und dürfte die Finanzwelt nachhaltig beeinflussen. „Der 800-Milliarden-Euro schwere Fonds hat in der Vergangenheit immer wieder Investoren zum Umdenken gebracht. Große deutsche Kohlefinanziers wie Allianz und Deutsche Bank sollten sich ein Beispiel an den Norwegern nehmen und nachziehen“, sagt Heffa Schücking, Geschäftsführerin der Umweltorganisation urgewald.

Obwohl sich der Versicherungskonzern Allianz für seinen Einsatz beim Thema Klimaschutz rühmt, gehört er weiterhin zu den großen Kohleinvestoren der Welt. „Wenn Allianz es mit dem Motto ‚Zukunft sichern‘ ernst meint, reicht es nicht aus, einseitig auf die Förderung Erneuerbarer Energien zu setzen. Der Konzern sollte einen klaren Schnitt bei seinen Kohle-Anlagen machen“, sagt Schücking. Der Großkonkurrent Axa zeigt, dass es geht. Der französische Konzern will laut jüngster Ankündigung der Kohleindustrie 500 Mio. Euro entziehen.

Die Deutsche Bank nimmt laut dem Bericht „Banking on Coal 2014“ weltweit Platz 10 der bedeutendsten Kohlefinanzierer ein. „Der Vorstand behauptet immer wieder, die Bank wolle zum Klimaschutz beitragen. Tatsächlich hat sie hier bislang komplett versagt. Investoren wie Norwegens Pensionsfonds oder Crédit Agricole sollte sie sich zum Vorbild nehmen und endlich verantwortlich handeln“, sagt Katrin Ganswindt, Kohle-Campaignerin bei urgewald. Sie ergänzt: „Beginnen könnte die Bank mit einem Ausschluss von US-Bergbaufirmen, die Kohle mit der desaströsen Methode Mountaintop Removal fördern.“ Auch hierfür gibt es mit ING aus den Niederlanden oder Barclays aus Großbritannien prominente Vorbilder.

Am Wochenende diskutieren die G7-Staaten über ihre Strategie für die Klimaverhandlungen in Paris. Doch politische Entscheidungen allein werden nicht reichen, damit das Zwei-Grad-Ziel für die Klimaerwärmung noch erreicht wird. Die Finanzwirtschaft muss ihren Teil dazu beitragen. Nichtregierungsorganisationen haben daher den „Paris Pledge“ formuliert. Damit können sich Banken und Investoren vor dem Klimagipfel Ende des Jahres verpflichten, der Kohleindustrie das Geld zu entziehen. An Vorbildern mangelt es nicht mehr. „Norwegens Schritt ist ein starkes Zeichen für ein ambitioniertes Klimaabkommen. Verantwortliche Klimapolitik geht nur zusammen mit verantwortlicher Geldanlage“, sagt Schücking.

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