Südafrika steht an einem Wendepunkt

(lifePR) ( Baltimore, Maryland, )
Seit 2009 sind die Wachstumsaussichten für Südafrika in einer Abwärtsspirale und eine Reihe struktureller Herausforderungen scheinen die mittelfristigen Aussichten zu belasten. „Dazu gehören eine erodierende Produktionsbasis, Korruption in staatlichen Unternehmen (SOEs), verschlechterte Bildungsstandards und ein hohes Maß an wirtschaftlicher Ungleichheit“, sagt Oliver Bell, Portfolio Manager, Middle East & Africa Equity Strategy bei T. Rowe Price. Da die negative Stimmung überwiegend in die Märkte eingepreist wurde, sei die Möglichkeit eines wirtschaftlichen Aufschwungs allerdings so stark wie schon lange nicht mehr. Das reale jährliche BIP-Wachstum Südafrikas lag in den vergangenen zehn Jahren durchschnittlich bei nur 1,5 Prozent, wohingegen der weltweite Durchschnitt 3,4 Prozent betrug. In den kommenden Monaten könnte das Wachstum allerdings vor allem von Reformen und der institutionellen Stärke getrieben werden. „Fortschritte wurden bereits in der Bekämpfung von Korruption, dem Führungswechsel in wichtigen Institutionen und der Anpassung falsch verwendeter Staatsmittel erzielt. Die Wirtschaftsreformen reichen von der Gewährleistung politischer Sicherheit für Bergbauunternehmen und der Wettbewerbssteigerung im Hafenterminalsektor über die Strukturüberprüfung der Stromnetze des Landes bis hin zur Erweiterung der Finanzierungsmöglichkeiten für kleinere Unternehmen“, sagt Bell.

Während das Sentiment bezüglich Südafrika in hohem Maße von breiteren globalen Bewegungen und Entwicklungen in den Schwellenländern abhänge, gebe es dennoch genügend „Selbsthilfepotenzial“, um die schwerwiegendsten Probleme abzufedern. Deutliche Fortschritte bei der Korruptionsbekämpfung auf Regierungs- und SOE-Ebene bedeuteten, dass zum ersten Mal seit Jahren neue Führungskräfte potenzielle Verbesserungen bewirken könnten.

Fokus auf inländisch orientierte Unternehmen
Ein Trend, der sich für Beteiligungen als förderlich erwiesen habe, sei die Formalisierung von Arzneimittel-Einzelhändler. Die Penetration bleibe mit 45 Prozent zwar relativ niedrig, aber die dominanten Player gewönnen zunehmend mehr Marktanteile – und das in einer Branche, die hohe Eintrittsbarrieren habe. „Zwei Beispiele sind Clicks und Dis-Chem, die in diesem defensiv ausgerichteten Sektor weitere Marktanteile gewinnen könnten, während sie gleichzeitig vom diskretionären Segment profitieren könnten, welches vielfältige Einkommensmöglichkeiten besitzt – beispielsweise Kosmetik“, meint Bell. Clicks beispielsweise habe sich auf die Steigerung des Kundenkomforts, der Differenzierung und der Personalisierung konzentriert. Da sich in den kommenden Jahren Verbesserungen in der Rendite und dem freien Cash-flow einstellen könnten, böte Clicks eine interessante Anlagemöglichkeit.

Ein weiteres interessantes Unternehmen sei der Lebensmitteleinzelhändler Shoprite. Gegenwind habe das Unternehmen durch Streiks, eine schwerfällige Implementierung der Software SAP, eine Abwertung in Angola und von negativen Währungseffekten bekommen. Diese Faktoren nähmen nun ab, sodass sich das Unternehmen gut im Markt positionieren könnte. Shoprite werde vermutlich von einer Verbesserung der wirtschaftlichen Situation und einem Anstieg des Verbrauchervertrauens profitieren. Die Fundamentaldaten des Unternehmens scheinen positiv zu sein und Gewinne könnten somit wieder generiert werden.

Glauben an den Bankensektor
„Südafrikanische Banken sind nach wie vor stark. Grund dafür ist die Einbettung in einen soliden institutionellen Rahmen, der von einer angesehenen Zentralbank und einem starken Fiskus getragen wird. Die viertgrößte südafrikanische Bank, Nedbank, liefert starke Gewinne pro Aktienwachstum“, so Bell. Getrieben wurde dies von einem moderaten Anstieg der Nettozinsspanne und einem verbesserten Anlagenmix. Nedbank habe ein mittelfristiges Kosteneffizienzprogramm implementiert, was in den kommenden Quartalen Früchte tragen sollte. Die Bank scheine eine klare Strategie zu verfolgen und weise eine starke Marktpositionierung auf.

Die größte Retailbank des Landes, ABSA, werde vermutlich bis zur Bekanntgabe der ersten Halbjahresergebnisse einen neuen CEO einführen. Darüber hinaus werde eine verbesserte Eigenkapitalrendite für das aktuelle Jahr sowie ein Wachstum von 18 bis 20 Prozent für 2020 erwartet. Diese Faktoren dürften die Kursgewinne stützen.

Entwicklungen, die zu einem Wendepunkt führen könnten
Die folgenden drei Schlüsselfaktoren könnten die Gewinne erhöhen.


Der erste Faktor seien die nationalen Wahlen im Mai. Diese Wahl werde vermutlich die amtierende Partei des Afrikanischen Nationalkongresses (ANC) unter der Führung von Cyril Ramaphosa gewinnen, was den laufenden Reformen einen neuen Impuls verleihen könnte. Ein Sieg Ramaphosas würde für weitere Reformumsetzungen sprechen, das Vertrauen der Unternehmen und Verbraucher stärken und ausländische Direktinvestitionen anziehen. 
Der zweite Faktor beziehe sich auf Entscheidungen der Regierung bezüglich der Verschuldung, der überlasteten Netze und der Stromausfälle des staatlichen Stromversorgers Eskom. Bedingt durch die Größe des Unternehmens und die wirtschaftliche Bedeutung könnte die Entscheidung Einfluss auf die Wachstumsaussichten nehmen. Wie die Regierung mit diesem Thema umgehe, werde großen Einfluss auf die Stimmung der Gesamtwirtschaft haben.
Der dritte Faktor hänge von der Zentralbank ab. Es bestehe die Möglichkeit, dass die Zentralbank die Zinsen in den kommenden zwölf Monaten senke, da die Inflation unter ihrem Zielwert liege. Dies könnte Wachstumsimpulse liefern, da das Vertrauen der Unternehmen und Verbraucher verbessert würde.


Klares Mandat für Reformen
Auch wenn die strukturellen Fragen in der Wirtschaft noch einige Zeit ungelöst bleiben könnten, gebe es Anzeichen für weitere Fortschritte. Zentral wichtig sei der Wahlausgang und die Möglichkeit Ramaphosas seine Politiken durchzusetzen. „Wenn die Staats- und Regierungschefs des Landes in der Lage sind, die vorgeschlagenen Reformen umzusetzen, würde dies einen günstigen Zeitpunkt für Investments in national ausgerichtete Unternehmen bieten. Diese würden von einem verbesserten wirtschaftlichen Umfeld profitieren“, schließt Bell.
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