Mieterstrommodell in Kundenanlagen - zu Lasten der Allgemeinheit?

Entscheidung der BNetzA stärkt Solidargemeinschaft der Netzkunden

(lifePR) ( Bremen, )
Die Intention bei der Liberalisierung des Energiemarktes 1998/99 war u.a., dass jeder Stromkunde seinen Lieferanten frei wählen kann und dass eine Bundesbehörde rahmengebend die Gleichbehandlung aller Marktteilnehmer sicherstellt.

Auf der Basis der geschaffenen Regularien hat wesernetz, die zur swb-Gruppe gehörende Netzgesellschaft mit Sitz in Bremen und Bremerhaven, Anträge einer kommunal geführten Wohnungsbaugesellschaft für den Betrieb von zwei Kundenanlagen abgelehnt. Die wesernetz-Entscheidung wurde von der Bundesnetzagentur (BNetzA) in dieser Woche bestätigt und der vom Kundenanlagenbetreiber gestellte Missbrauchsantrag zurückgewiesen.

wesernetz misst der Entscheidung der Behörde insofern eine wichtige Bedeutung zu, als dass hier deutlich wird, dass die gesetzlichen Vorgaben, die das EnWG für Kundenanlagen vorsieht, in den beiden konkreten Fällen nicht mehr erfüllt waren. Für eine kleinere bauliche Einheit kann das Mieterstrommodell Sinn machen. Im entschiedenen Fall hatte wesernetz die Anträge der Energietochter einer Wohnungsbaugesellschaft 2015 abgelehnt, weil die Anlagen für etwa jeweils 500 Haushalte die Größe und Bedeutung eines eigenen Versorgungsnetzes aufwiesen.

Die Tatsache, dass die Zahl solcher Mieterstrommodelle, bei denen die Kundenanlagenbetreiber die dort angeschlossenen Haushalte direkt mit Strom beliefern wollen, stetig wächst, führt zu einer zunehmenden Aufspaltung der Stromkunden in Mieterstrom- und Normal-Kunden, was die "Solidargemeinschaft" aller Netzkunden unterläuft.

Kundenanlagen und Mieterstrom versus Solidarprinzip Kunden/Mieter innerhalb von Kundenanlagen können den dort in Eigenerzeugungsanalgen (z. B. BHKW oder Photovoltaikanlagen) produzierten Strom in der Regel zu attraktiven Konditionen direkt vom Kundenanlagenbetreiber beziehen. Möglich ist das nur deshalb, weil der Mieterstrom aufgrund der gesetzlichen Rahmenbedingungen begünstigt und damit im Ergebnis subventioniert wird. Wegen der Vermeidung diverser Steuern, Abgaben und Umlagen (Netzentgelte, Konzessionsabgabe, KWK-Umlage, § 19-Umlage,Offshore-Umlage, Stromsteuer) profitieren Mieter und Anlagenbetreiber.

Aus Sicht von wesernetz hat das Modell jedoch zwei Seiten: Auf der einen stehen die Vorteile für einige Kunden und die Erhöhung der Wirtschaftlichkeit der dezentralen Stromerzeugung, auf der anderen stehen die Nachteile für den Netzbetreiber und insbesondere all jene Kunden, die nicht die Möglichkeit haben, vom Mieterstrom zu profitieren. Das hat im Übrigen auch der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) in seiner jüngsten Stellungnahme zum Entwurf des neuen Mieterstromgesetzes dargelegt.

Während die entgangene Konzessionsabgabe und die Stromsteuer als Einnahmeausfall bei den Gemeinden oder den öffentlichen Haushalten fehlen, müssen die Netzkosten (nebst bundesweiter Umlagen) in der Folge des Mieterstrommodells auf weniger an Letztverbraucher gelieferte Kilowattstunden im selben Netzgebiet verteilt werden. Diese Kunden müssen damit die begünstigten Mieterstrommodelle über erhöhte Preise mit finanzieren.

wesernetz gehört bundesweit zu den Netzgesellschaften mit den niedrigsten Netzentgelten und wird sich weiterhin gegen eine durch Mieterstrommodelle verursachte Belastung der Allgemeinheit infolge einer Erhöhung der Netzentgelte und netzentgeltgekoppelter Umlagen stellen, da sie am Ende die Entsolidarisierung in der Energieversorgung bedeutet.
Für die oben stehenden Pressemitteilungen, das angezeigte Event bzw. das Stellenangebot sowie für das angezeigte Bild- und Tonmaterial ist allein der jeweils angegebene Herausgeber (siehe Firmeninfo bei Klick auf Bild/Meldungstitel oder Firmeninfo rechte Spalte) verantwortlich. Dieser ist in der Regel auch Urheber der Pressetexte sowie der angehängten Bild-, Ton- und Informationsmaterialien.
Die Nutzung von hier veröffentlichten Informationen zur Eigeninformation und redaktionellen Weiterverarbeitung ist in der Regel kostenfrei. Bitte klären Sie vor einer Weiterverwendung urheberrechtliche Fragen mit dem angegebenen Herausgeber. Bei Veröffentlichung senden Sie bitte ein Belegexemplar an service@lifepr.de.