Donnerstag, 23. November 2017


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Roger Bordage, Präsident des Internationalen Sachsenhausen Komitees, verstorben

Oranienburg, (lifePR) - Am Samstag, den 5. August, ist der Präsident des Internationalen Sachsenhausen Komitees, Roger Bordage, nach schwerer Krankheit im Alter von 92 Jahren verstorben. Boradage war über Jahrzehnte in der französischen Amicale, dem Verband der französischen Sachsenhausen-Überlebenden, aktiv und seit 2010 Präsident des Internationalen Sachsenhausen Komitees. Seitdem war er auch Mitglied im internationalen Beirat der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten. Er war außerdem Mitglied im Förderverein der Gedenkstätte und des Museums Sachsenhausen e.V.

Roger Bordage war ein großartiger Freund, der die Entwicklung der Gedenkstätte seit den frühen 90-iger Jahren in engem Kontakt begleitete. Als ehemaliger Beamter der UNESCO hat der französische Überlebende wie kaum ein anderer die internationale Bedeutung der Gedenkstätte Sachsenhausen im Besonderen und der deutschen Erinnerungskultur im Allgemeinen unterstützt. Es war hauptsächlich seine Initiative, auf der hin das Europaparlament im Januar 1993 eine für die deutschen KZ-Gedenkstätten wegweisende Resolution beschloss. Es gelte, so hieß es darin, die authentischen Orte zu bewahren und keine Vermischung der historischen Phasen zuzulassen. Als Mitglied des Internationalen Beirats der Stiftung stand er stets mit Rat und Tat an der Seite der Gedenkstätte Sachsenhausen. Für seine Verdienste wurde der Commandeur de la légion d’honneur 2014 auch mit dem Verdienstorden des Landes Brandenburg ausgezeichnet.

Roger Bordage kämpfte als junger Mann gegen die deutsche Besatzung und gegen jede Form der Kollaboration mit dem NS-Regime. Beim Grenzübergang nach Spanien verhafteten ihn französische Polizisten. Sie lieferten ihn an die deutsche Gestapo aus, die ihn 1943 über das Zwischenlager Compiègne nach Sachsenhausen verschleppte. Hier kam er zur Zwangsarbeit in das Außenlager Heinkel und musste kurz vor der Befreiung der Häftlinge auch noch im berüchtigten Außenlager Klinkerwerk arbeiten. Er erlebte die Ermordung von jungen Kameraden, denen die SS Sabotage vorgeworfen hatte. Durch einen Arbeitsunfall am Güterbahnhof Oranienburg am Fuß verletzt, überstand er den Todesmarsch, der ihn bis in die Nähe von Parchim führte, dank der Solidarität seiner Kameraden nur unter großen Schmerzen. Zu seiner großen Freude konnte ihn bei seiner Heimkehr nach Paris seine Mutter wieder in die Arme schließen, um deren Schicksal als Mitglied der Résistance er während seiner gesamten Haftzeit sehr besorgt war.

Im Frankreich der Nachkriegszeit schloss Roger Bordage zunächst die Schule ab und begann ein Studium der Erziehungswissenschaften in New York. Er bewarb sich bei der UNESCO und ging in deren Auftrag über Jahrzehnte  als Sachverständiger für die Entwicklung des Erziehungswesens nach Südamerika, Afrika und Asien. In Argentinien lernte er seine Frau Beatrice kennen, mit der bis zu seinem Tod verheiratet war. Bis ins hohe Alter hinein reiste er über tausende von Kilometer hinweg, um im Kreise seiner Kinder und Enkel zu sein.

Nach dem Ende seiner Berufslaufbahn engagierte sich der KZ-Überlebende stärker in der französischen Amicale. Seine internationale Erfahrung, seine perfekten Sprachkenntnisse in Spanisch und in Englisch - ein wenig hatte er im KZ auch Russisch gelernt - und seine politischen Kenntnisse waren seinen beiden Vorgängern als Präsidenten des Internationalen Sachsenhausen Komitees, Charles Desirat und Pierre Gouffault,  sehr von Nutzen. Als sein enger Freund Pierre Gouffault verstarb, wurde er von den Präsidenten der unterschiedlichen nationalen Sachsenhausen-Komitees zum Präsidenten des ISK gewählt. Noch im April dieses Jahres leitete er souverän die jährliche Tagung des ISK und moderierte u. a. auch das Gespräch mit der neuen Staatssekretärin im Kulturministerium Dr. Gutheil. Seine ausgezeichneten Kontakte zu ausländischen Botschaftern in Berlin, freundschaftliche Beziehungen pflegte er vor allem zu den Botschaftern Frankreichs in Berlin, nutzte er, um die bleibende Bedeutung der Erinnerung an die NS-Verbrechen herauszustreichen. So begleitete er im Sommer 2016, bereits im Rollstuhl sitzend, die beiden Botschafter Frankreichs und Spaniens bei ihrem Besuch der Gedenkstätte Sachsenhausen trotz Temperaturen von mehr als 40 Grad Hitze. Obwohl bereits von seiner schweren Krankheit gezeichnet, kam er noch am 5. Mai dieses Jahres zur letzten Sitzung des internationalen Beirates. Dabei setzte er sich vor allem für den Ausbau der Gedenkstätte in Lieberose ein.

Stiftungsdirektor Günter Morsch würdigte den verstorben Präsidenten des ISK mit folgenden Worten: „Roger Bordage war ein überzeugter Europäer, dem der Aufschwung von ‚rechten‘ und nationalistischen Bewegungen nicht nur in Frankreich große Sorgen bereitete. Das brachte ihn jedoch nicht von seinem starken grundsätzlichen Geschichtsoptimismus und von seinem großen Vertrauen in die Demokratie ab. Sein Rat wurde auch von den Präsidenten der anderen internationalen Verbände gehört. Auch für mich persönlich war Roger Bordage nicht nur ein wichtiger Ratgeber und Gesprächspartner, sondern auch ein Freund, an den ich mit großer Dankbarkeit und Wärme denke. Die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten und die Gedenkstätte Sachsenhausen trauern um Roger Bordage, einen großen und liebenswerten Freund, einen inspirierenden Gesprächspartner, einen international erfahrenen, weltläufigen und großzügigen Unterstützer, einen starken entschiedenen Kämpfer für die Gedenkstätten und einen politisch klugen Ratgeber, dem wir nicht genug danken können. Die Gedenkstätte Sachsenhausen wird ihm stets ein ehrendes Gedenken bewahren.“

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