James-Simon-Galerie: Nah am Leben. 200 Jahre Gipsformerei

30.8.2019 - 1.3.2020

(lifePR) ( Berlin, )
.
AUSSTELLUNGSVORSCHAU online: www.smb.museum/presse/pressemitteilungen/detail/
Museumsinsel Berlin, James-Simon-Galerie
Bodestraße, 10178 Berlin
Mo, Di, Mi, Fr, Sa + So 9.30 – 18.30 Uhr, Do 9.30 – 20.30 Uhr

Nah am Leben. 200 Jahre Gipsformerei
30. August 2019 – 1. März 2020
Eine Sonderausstellung der Staatlichen Museen zu Berlin
Pressevorbesichtigung: Donnerstag, 29. August 2019, 11 Uhr
Eröffnung: Donnerstag, 29. August 2019, 19 Uhr

Anlässlich ihres 200-jährigen Jubiläums zeigt die Gipsformerei als älteste Einrichtung der Staatlichen Museen zu Berlin erstmals eine umfassende Präsentation ihrer Bestände – als Eröffnungsausstellung in der am 13. Juli 2019 eröffnenden James-Simon-Galerie. Die weltweit größte noch existente Museumsformerei verfügt über ein mehrere Tausend Stücke umfassendes Konvolut historischer Gussformen und Modelle, die auf Werke aller Epochen und Weltkulturen zurückgehen. Mit rund 200 Exponaten widmet sich die Ausstellung dem Thema der Lebend- und Naturabformung und verdeutlicht, wie „nah“ der Gipsabguss dem Leben kommen kann. Anhand einer „Gipsspur“, die sich über die gesamte Museumsinsel Berlin zieht, werden die engen Verknüpfungen der Gipsformerei mit den Skulpturenbeständen der Staatlichen Museen zu Berlin erfahrbar.

Die Ausstellung „Nah am Leben. 200 Jahre Gipsformerei“

Das Abformen von Gegenständen in Gips oder anderen Gieß- und Abformmassen ist eine Kulturtechnik, die zu den ältesten bildnerischen Mitteln der Menschheit gehört. Durch den Direktkontakt mit dem abgeformten Gegenstand gilt die Abformung als authentisch und wirklichkeitsnah. In der Kunst- und Bildhauereigeschichte Europas und Nordamerikas, die sich vom Altertum bis in die Gegenwart an der Darstellung des „echten“ Lebens abgearbeitet hat, ist das Abformen und Abgießen deshalb seit jeher ein beliebtes künstlerisches Verfahren. Der Allgegenwärtigkeit dieser Praxis zum Trotz wurden Skulpturen, die qua Abformung entstanden sind, jedoch traditionell mit einem Negativurteil versehen und bis in die Moderne hinein als Nicht-Kunst disqualifiziert.

In fünf thematischen Sektionen geht die Ausstellung der Idee nach, dass die Abformung dem Leben (und dem Tod) buchstäblich am nächsten kommt. Sie macht die tragende Bedeutung der Abformung in der Geschichte der Bildhauerei deutlich und weicht Grenzlinien zwischen Kunst, Nicht-Kunst, Handwerk und Wissenschaft auf. Gezeigt werden alle Arten von Abgüssen, aber auch Gemälde, Bücher, Druckgrafiken, Fotografien und Videos. Von Tierabgüssen über Totenmasken von Geistesgrößen des 19. Jahrhunderts, Körperteilmodelle aus der Künstlerausbildung und den sensiblen Sammlungsbestand von Menschenabgüssen aus kolonialen Kontexten wird der Bogen zu prominenten Werken von Donatello, Auguste Rodin oder Marcel Duchamp geschlagen, die (vermeintlich) mit Hilfe von Körperabformungen entstanden sind.

Die Ausstellung erschließt den Bestand der Gipsformerei querschnittsartig und stellt ihm Objekte aus den anderen Sammlungen der Staatlichen Museen zu Berlin sowie herausragende Leihgaben u.a. aus dem Kunsthistorischen Museum Wien, dem Kunstmuseum Göteburg, dem Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main oder den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden gegenüber. Eine zentrale Rolle spielen zeitgenössische Werke von George Segal, Donald Lokuta, Allan McCollum, Asta Gröting, Teresa Margolles, Liane Lang, Pauline M’barek oder Maria Volokhova, anhand derer die Emanzipation des Abgusses vom technischen Hilfsmittel zum eigenständigen Kunstwerk nachvollzogen werden kann.

Anhand von Schwerlastregalen überführt „Nah am Leben“ die Werkstatt-situation der Gipsformerei in den Ausstellungsraum. In einem Prologbereich informiert die Ausstellung über die Geschichte der Gipsformerei sowie die traditionellen, bis zum heutigen Tag angewendeten Handwerkstechniken. In Form von ausgesuchten Interventionen durch die Dauerausstellungen der Museumsinsel Berlin wird gezeigt, dass die Gipsformerei eine Art „3D-Archiv“ der Skulpturenbestände der Staatlichen Museen zu Berlin ist. Zugleich verweisen die Interventionen auf die Wurzeln der Gipsformerei, die eng an die Gründung der Königlichen Museen gebunden ist. Zur Ausstellung erscheint eine Publikation im Prestel-Verlag.

Die Gipsformerei der Staatlichen Museen zu Berlin

Als weltweit größte, noch heute aktive Kunstmanufaktur ihrer Art verfügt die Gipsformerei der Staatlichen Museen zu Berlin über ein mehrere Tausend Stücke umfassendes Konvolut von Formen, Master- und Malmodellen. Seit 200 Jahren fertigt sie hochwertige Kunstrepliken aus lokalen, überregionalen und internationalen Museen an. Zum Bestand gehören über 7.000 Abformungen von Originalkunstwerken aus nahezu allen Epochen und Weltkulturen, die auf Wunsch gefertigt werden können. Unter ihnen befinden sich neben vielen Arbeiten unbekannter Meister Formen und Abgüsse von über 400 bekannten Künstler*innen aus der Antike bis zur Neuzeit. Eine besondere Bedeutung für die Gipsformerei haben die Arbeiten der klassizistischen Bildhauer Johann Gottfried Schadow, Schöpfer der Quadriga auf dem Brandenburger Tor und Begründer der Berliner Bildhauerschule, und seinem Schüler Christian Daniel Rauch, erster Gründungsdirektor der Museumsinstitution.

Die Gipsformerei, 1819 durch König Friedrich Wilhelm III. als „Königlich Preußische Gipsgussanstalt“ gegründet, gehört seit 1830 zu den Königlichen, heute Staatlichen Museen zu Berlin. Damit ist sie deren älteste Institution. Ihre Gründung war nur eine von zahlreichen Initiativen des Staates Preußen zur Stärkung von Kunst, Wissenschaft und Industrie.  Da in der Zeit des Klassizismus die Nachfrage nach antiken Werken stark gestiegen war und Gipsabgüsse zu jener Zeit teuer aus Italien importiert werden mussten, erhoffte der Staat sich mit der Herstellung von Abgüssen eine neue Einnahmequelle zu erschließen. Ihr erster Leiter war Christian Daniel Rauch, der bedeutendste klassizistische Bildhauer in Preußen.

In den ersten Jahrzenten war die Königlich Preußische Gipsgussanstalt noch Teil der Rauch‘schen Werkstatt und hatte keinen eigenständigen Produktionsort. Nach Umzügen in das Souterrain des Alten Museums und in das Königliche Gießhaus in der Münzstraße wurde 1891 der eigens für die Gipsformerei errichtete Neubau in der Charlottenburger Sophie-Charlotten-Straße bezogen. Hier befinden sich seitdem Formwerkstatt, Malerateliers und die Lager für die historischen Formen und Modelle.

Der Bestand der Gipsformerei wuchs parallel mit der Entwicklung der Berliner Museen. Jedes neue Sammlungsgebiet schlug sich über kurz oder lang in den Angebotslisten der Formerei nieder. Auch die Zusammenarbeit mit den Studiensammlungen der Akademie der Künste und mit Berliner Universitäten sowie Forschungsprojekte und -expeditionen der deutschen Archäologie, insbesondere im 19. Jahrhundert, führten zum Erwerb einmaliger Formen – darunter die Büste der Nofretete und Teile des Pergamon-Altars.

Die Abgüsse werden originalgetreu in sorgfältiger Handarbeit und mit seit Jahrhunderten überlieferten Fertigungsmethoden hergestellt. Ca. 500 Originale sind verschollen, zerstört oder nicht mehr im Originalzustand erhalten. Die Museumsrepliken bewahren den historischen Zustand zum Zeitpunkt der Abformung und können sich so vom heutigen Zustand der Originale unterscheiden. Sie stellen damit wichtige historische Quellen und Dokumentationsobjekte dar. Den überwiegenden Teil der Museumsrepliken werden aus historischen Formen gefertigt, die selbst Museumsobjekte sind und als solche gehandhabt sowie gepflegt werden.

Der Sonderausstellungsraum der James-Simon-Galerie

Die James-Simon-Galerie als zentrales Eingangs- und Servicegebäude für die Museumsinsel Berlin bildet neben der Archäologischen Promenade und dem vierten Flügel des Pergamonmuseums eines der wichtigen Elemente des Masterplans für die Museumsinsel Berlin. Neben den Funktionen Eingang, Dauerausstellung, Auditorium, Information, Kasse, Gastronomie, Shop, Audioguide, Garderobe und WC enthält die James-Simon-Galerie im Untergeschoss gleich neben dem Beginn der Archäologischen Promenade einen Sonderausstellungsraum mit 650 qm, der künftig allen Sammlungen der Staatlichen Museen zu Berlin für Wechselausstellungen zur Verfügung steht.

Auf Grund der sehr unterschiedlichen Objekte der verschiedenen Sammlungen war Flexibilität bei der Planung und Ausführung des Ausstellungsraumes oberstes Gebot: So kann der Raum unterteilt werden, um parallel zwei Kabinettausstellungen zu präsentieren. Bei den Strahlern kann die Lichtfarbe zwischen einem sehr warmen und einem recht kalten Weiß verändert werden, um jedes Objekt ins rechte Licht zu rücken. Darüber hinaus wurde für den Sonderausstellungsraum ein modulares Vitrinen-system sowie ein flexibles Stellwandsystem geschaffen, um möglichst vielseitige Präsentationen und Ausstellungen zu gewährleisten.

Nach dem Auftakt durch die Gipsformerei werden die nächsten Sonderausstellungen in der James-Simon-Galerie vom Museum für Vor- und Frühgeschichte und dem Ägyptischen Museum und Papyrussammlung realisiert.

Weiterführendes Informationsmaterial sowie hochauflösende Pressebilder stehen im Pressebereich der Webseite der Staatlichen Museen zu Berlin zur Verfügung: www.smb.museum/presse.
Für die oben stehenden Pressemitteilungen, das angezeigte Event bzw. das Stellenangebot sowie für das angezeigte Bild- und Tonmaterial ist allein der jeweils angegebene Herausgeber (siehe Firmeninfo bei Klick auf Bild/Meldungstitel oder Firmeninfo rechte Spalte) verantwortlich. Dieser ist in der Regel auch Urheber der Pressetexte sowie der angehängten Bild-, Ton- und Informationsmaterialien.
Die Nutzung von hier veröffentlichten Informationen zur Eigeninformation und redaktionellen Weiterverarbeitung ist in der Regel kostenfrei. Bitte klären Sie vor einer Weiterverwendung urheberrechtliche Fragen mit dem angegebenen Herausgeber. Bei Veröffentlichung senden Sie bitte ein Belegexemplar an service@lifepr.de.