Dienstag, 21. November 2017


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Presseinformation zur Erwerbung des Gemäldes Atelierszene (1910/11) verso Steine (1939) von Erich Heckel

Dresden, (lifePR) - Das Albertinum ist um ein Hauptwerk von Erich Heckel (1883 – 1970), einer der bedeutendsten Vertreter des deutschen Expressionismus und Mitbegründer der Künstlergruppe „Brücke“ in Dresden, reicher. Seit acht Jahren, 2009, war das Gemälde „Atelierszene“ (1910/11) als Leihgabe zu sehen. Nun konnte es für Dresden gesichert werden. Die Erwerbung des Gemäldes verdankt sich dem engagierten Zusammenwirken vieler Förderer: der Unterstützung der Bundesrepublik Deutschland, vertreten durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, der Kulturstiftung der Länder, der Ernst von Siemens Kunststiftung, der Ostdeutschen Sparkassenstiftung gemeinsam mit der Ostsächsischen Sparkasse Dresden, sowie des Freistaates Sachsen.

Die Erwerbung ist von besonderer Bedeutung für das Albertinum, weil bislang kein so stilistisch prägnantes Gemälde eines Mitglieds der „Brücke“, das die radikal vereinfachte, expressionistische Formensprache der Künstlergruppe aus der Zeit von 1910 bis 1911 zeigt, zum Bestand gehörte. Von der Hand Heckels existieren zudem nur wenige Gemälde, in welchen die vom Holzschnitt inspirierte Linienbetonung und die Flächigkeit der Figuren in einer so formalen Konsequenz ausgeführt sind. Mit der „Atelierszene“ ist zugleich ein bemerkenswertes Stillleben aus einer späteren Werkphase von Heckel „Steine“ (1939) im Doppelpack erworben worden – es befindet sich auf der Rückseite. Im Jahr 1939 hatte der Künstler die Figurenszene verworfen, mit weißer Farbe überstrichen und umgedreht. Auf die so gewonnene Leinwand malte er das nahsichtig beobachtete Strandstilleben „Steine“.

Die Beurteilung von Gemälden ändert sich; was Heckel selbst 1939 weniger wichtig war, war später wieder von großer Bedeutung. Nach dem Tod des Künstlers gelangte das Gemälde aus dem Nachlass des Künstlers als Leihgabe zum Schleswig-Holsteinischen Landesmuseum Schloss Gottorf in Schleswig. Dort wurde die bis dahin verborgene „Atelierszene“ 1985/86 freilegt. So wurde die Leinwand mit dem querformatigen Stillleben gewendet und die hochformatige Atelierszene von da an erneut als die Vorderseite des Gemäldes präsentiert.

Mit der „Atelierszene“ gehört nun erstmals ein Bild zum Bestand des Albertinum, das jenen legendären Ort zeigt, an dem Erich Heckel und Ernst Ludwig Kirchner ihre Modelle und Freundinnen malten: Kirchners Atelier in der Berliner Straße 80 in Dresden-Friedrichstadt, einem geradezu mythischen Ort der avantgardistischen Kunstproduktion jener Jahre. Das Atelier Kirchners war mit selbst gestalteten Gegenständen eingerichtet, deren Ornamente die jungen Künstler außereuropäischen Kunst- und Gebrauchsgegenständen nachempfanden. Deren Formensprache empfanden sie als inspirierend und studierten sie in der vor allem auch im kolonialen Kontext stark gewachsenen Sammlung des Museums für Völkerkunde in Dresden.

Ein konsequent flächiger „Kollektivstil“ der „Brücke“, so nannten es die Kritiker damals, brach entschieden mit akademischen Konventionen und war eine Neuheit. Von Eingeweihten wurden solche Gemälde begrüßt, von vielen damals aber mit Kopfschütteln und Verwunderung quittiert. Heute gehören Gemälde wie Erich Heckels „Atelierszene“ zum Kanon der internationalen Kunstgeschichte. Die Neuerwerbung vervollständigt die dauerhafte Sammlungspräsentation um ein Werk herausragender Qualität.

Monika Grütters, Staatsministerin für Kultur und Medien, sagt: „Erich Heckels „Atelierszene“ gilt zu Recht als eines der Hauptwerke des deutschen Expressionismus. Das Gemälde entstand 1910/1911 auf dem Höhepunkt der Künstlervereinigung „Brücke“, die Heckel 1905 mitbegründet hat. In seiner Formensprache und ausdrucksstarken Farbigkeit ist das Werk eines der besten Beispiele für den Brücke-Stil dieser Zeit, der durch eine Vereinfachung der Form, die Betonung der Flächen und die Verfremdung des Bildraums gekennzeichnet ist. Der Ankauf dieses Werks ist deshalb nicht nur für die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, sondern für die deutsche Museumslandschaft überhaupt ein großer Gewinn.“

Britta Kaiser-Schuster, Dezernentin der Kulturstiftung der Länder, sagt: „Erich Heckel zählt als Mitbegründer der Künstlergruppe Die Brücke, die 1905 in Dresden gegründet wurde, zu den zentralen Figuren des deutschen Expressionismus. In den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden war bisher kein Werk aus der Hochphase der bedeutenden Künstlergruppe vertreten. Dass die Kulturstiftung der Länder helfen konnte, diese seit der nationalsozialistischen Beschlagnahmungsaktion von 1937 klaffende Lücke zu schließen, freut uns sehr: Heckels ‚Atelierszene‘ ist nicht nur ein wichtiges Beispiel des reifen Expressionismus der Brücke, sondern hält zudem mit dem dargestellten Atelier E.L. Kirchners den zentralen Ort der Künstlergruppe fest.“

Martin Hoernes, Generalsekretär der Ernst von Siemens Kunststiftung, sagt: „In der nunmehr über 30-jährigen Fördertätigkeit hat sich die Ernst von Siemens Kunststiftung mehrfach für das Werk Erich Heckels engagiert. Nach Ausstellungsförderungen und der Erwerbung des Temperagemäldes „Am Neckar“ für das Stadtmuseum Tübingen,  ist es nun das Ölgemälde „Atelierszene“, das künftig in den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden einen Blick in das Künstleratelier erlaubt.“

Friedrich-Wilhelm von Rauch, Geschäftsführer der Ostdeutsche Sparkassenstiftung, sagt: „Der in Döbeln und Chemnitz aufgewachsene Brücke-Gründer Erich Heckel zählt zu den großen Künstlerpersönlichkeiten aus Sachsen. Die Ostdeutsche Sparkassenstiftung hat sich deshalb gern gemeinsam mit der Ostsächsischen Sparkasse Dresden und zusammen mit befreundeten Stiftungen auch für den Erwerb der ´Atelierszene` engagiert. Seit den 1990iger Jahren unterstützen Stiftung und Sparkasse die SKD bei Gemäldeankäufen, Ausstellungen und Projekten der kulturellen Bildung, seit 2006 ist die Sparkassen-Finanzgruppe fester Hauptförderer der Staatlichen Kunstsammlungen.“

Marion Ackermann, Generaldirektorin der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, sagt: „In der Atelierszene finden stilistische und inhaltlich-thematische Topoi des deutschen Expressionismus ihre Zuspitzung. Die Wechselwirkungen von europäischer und außereuropäischer Kunst, die man auch an diesem Bild studieren kann, zu reflektieren, sind für unsere Arbeit heute von großem Interesse.

Herzlich möchte ich dem Freistaat Sachsen wie auch den langjährigen Partnern und Unterstützern danken, die mit großem Einsatz ein stetes Wachsen der in Dresden so wichtigen Sammlung der Brücke Künstler ermöglichen und das Albertinum zu einem wichtigen Anziehungspunkt für Besucherinnen und Besucher und Fachleute aus aller Welt machen.“

Hilke Wagner, Direktorin des Albertinum, sagt: „In Dresden, in der Sammlung des Albertinum, fehlte bislang ein Werk aus der Hoch-Zeit der Brücke um 1910. Die Qualität des Bildes und die inhaltlichen Bezüge, die an diesem Gemälde ablesbar sind, bereichern unsere Sammlungspräsentation wesentlich. Der Expressionismus-Saal ist ein Herzstück des Albertinum.“

Eva-Maria Stange, Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst, sagt: „Ich freue mich sehr, dass es gelungen ist, in einer gemeinsamen Anstrengung unterschiedlicher öffentlicher und privater Träger und Stifter den Erwerb dieses Gemäldes zu ermöglichen, das nicht zuletzt aufgrund des abgebildeten Motivs in den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) einen guten Platz gefunden hat. Dieses gemeinsame Engagement für die Förderung der Künste, an der sich auch die SKD selbst sowie der Freistaat Sachsen beteiligen, hat sich bei uns zu einer begrüßenswerten demokratischen Selbstverständlichkeit entwickelt.“

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