Die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden restituieren Moritz von Schwinds "4. Szene der Lachnerrolle" aus dem Bestand des Kupferstich-Kabinetts

(lifePR) ( Dresden, )
Die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) restituieren die Zeichnung „4. Szene der Lachnerrolle“ aus dem Bestand des Kupferstich-Kabinetts an die Nachfahr*innen von Dr. Henri Hinrichsen (1868–1942).

Im Rahmen des „Daphne-Projektes“ der SKD wird ein Bestand von rund 1.400 grafischen Arbeiten aus dem sogenannten „Sonderauftrag Linz“ untersucht. Durch die Tätigkeit der Galeriedirektoren Hans Posse und Hermann Voss als Sonderbeauftragte war Dresden seit 1939 eng mit der Beschaffung von Kunstwerken für das von Adolf Hitler geplante „Führermuseum“ verknüpft. Ein kleiner Teil der für diesen „Sonderauftrag“ zusammengetragenen Werke verblieb 1945 kriegsbedingt in Dresden.

Zu den seither in der Verwahrung der SKD befindlichen Kunstwerken gehört auch eine Federzeichnung auf Pauspapier. Sie stellt in nahezu genauer Entsprechung die 4. Szene einer Bildrolle dar, die der Künstler Moritz von Schwind (1804–1871) 1862 für seinen Freund Franz Lachner (1803–1890), Hofkapellmeister in München, anlässlich seines im vorausgegangenen Jahr gefeierten 25-jährigen Dienstjubiläums zeichnete. Diese Rolle befindet sich seit 1930 in der Städtischen Galerie im Lenbachhaus, München.

Bei der restituierten Zeichnung handelt es sich um „Lachners Liebesleben. (Das 4. Stück der Lachnerrolle.)” und damit um jenes Blatt, das 1912 als eigenhändige Nachzeichnung Schwinds auf einer Auktion des Kunstantiquariats C. G. Boerner in Leipzig versteigert wurde. Dort erwarb es der in Leipzig lebende jüdische Verleger Dr. Henri Hinrichsen (Verlag C. F. Peters). Nach der „Arisierung“ und dem Zwangsverkauf des Verlages 1938/39 wurde Hinrichsen inhaftiert und Kunstwerke aus seiner Sammlung beschlagnahmt. Um die Emigration der Familie finanzieren zu können, erbat Hinrichsen die Zustimmung der Behörden zum Verkauf. Im Oktober 1940 erwarb der Kunsthändler Hildebrandt Gurlitt die Zeichnung Schwinds; der Kaufpreis wurde auf ein Sperrkonto gezahlt und stand für Hinrichsen damit nicht zur freien Verfügung. Die Familie konnte sich nicht mehr in die Emigration retten – Henri Hinrichsen wurde 1942 nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.

Dank der im „Kunstfund Gurlitt“ befindlichen Geschäftsunterlagen Hildebrandt Gurlitts gelang es, den weiteren Weg des Werkes zu rekonstruieren. Im März 1944 verkaufte der Kunsthändler das Blatt an den „Sonderauftrag Linz“. Aufgrund der Kriegsgefahr wurde das Werk mit den Beständen des Kupferstich-Kabinetts nach Schloss Weesenstein ausgelagert und verblieb auch nach dem 8. Mai 1945 in Dresden. Eine zweite von Gurlitt aus der Sammlung Hinrichsen erworbene Zeichnung wurde Anfang des Jahres durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) an die Erb*innen übergeben.

Da das Kunstwerk unter verfolgungsbedingtem Druck veräußert wurde, restituieren die SKD die Zeichnung an die Nachfahr*innen von Dr. Henri Hinrichsen im Sinne der Grundsätze der „Washingtoner Konferenz über Vermögenswerte aus der Zeit des Holocaust“ von 1998 sowie der „Erklärung der Bundesregierung, der Länder und der kommunalen Spitzenverbände zur Auffindung und zur Rückgabe NS-verfolgungsbedingt entzogenen Kulturgutes, insbesondere aus jüdischem Besitz“ vom Dezember 1999.
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