Französischer Rotwein aus dem Elbtal

Schloss Wackerbarth testet das Potenzial neuer Rotweinsorten für das Weinbaugebiet Sachsen

(lifePR) ( Radebeul, )
Das Weinland Sachsen kann zu den Gewinnern des Klimawandels gehören und damit seine jüngste Erfolgsgeschichte weiter fortsetzen. In den zurückliegenden 30 Jahren entwickelte sich der Weinbau im Freistaat sehr dynamisch und positiv: Gegen den gesamtdeutschen Trend wuchs die Rebfläche seit der Jahrtausendwende von 409 auf über 500 ha (+ 23 Prozent). Die Zahl der Haupterwerbswinzer stieg seit 2010 von 21 auf 38 Betriebe; die Anzahl der Nebenerwerbswinzer verdreifachte sich im gleichen Zeitraum und beträgt heute 42 Betriebe. Mit dieser Entwicklung einhergeht jedoch ein Rückgang der sächsischen Kleinwinzer von 2.539 in 2010 auf 1.638 in 2020 (- 36 Prozent). Trotzdem sind an der Sächsischen Weinstraße auf einer Fläche von nur etwa 0,5 Prozent der gesamtdeutschen Rebfläche (103.000 Hektar) noch immer etwa 20 Prozent aller Hobby- und Freizeitwinzer Deutschlands aktiv. 96 Prozent der sächsischen Winzer bewirtschaften demnach Parzellen mit einer Rebfläche von unter 2.000 m². Diese besondere Struktur der Winzerschaft ist deutschlandweit ebenso einzigartig wie die große Rebsortenvielfalt auf kleinstem Raum: In den Weinbergen zwischen Pirna und Diesbar-Seußlitz wachsen 66 verschiedene Sorten. Sachsen ist dabei noch ein Weißweinland: Während Rotweine in Deutschland insgesamt auf rund einem Drittel der Rebfläche wachsen, sind rote Trauben im Elbtal nur auf 18 Prozent der Weinberge zu finden. Doch dies wird sich durch den Klimawandel ändern. So zeigen die Geschichtsbücher, dass früher in den hiesigen Breitengraden weitere Rebsorten zu finden waren, darunter auch Rotweinsorten wie Gamay. Diese könnten schon bald eine Renaissance im sächsischen Weinbau erhalten.

Der Klimawandel als Chance
Bereits heute sehen die Winzer die ersten Folgen des weltweiten Klimawandels im Elbtal: Es wird wärmer und sonniger. Die Durchschnittstemperatur im Raum Dresden/Radebeul stieg im Vergleich zum langjährigen Mittel (1981 bis 2010) in den zurückliegenden fünf Jahren (2015 bis 2020) von 9,4 auf 10,7 °C; die Sonnenscheindauer erhöhte sich im gleichen Zeitraum von 1.660 auf 1.920 Sonnenstunden. Damit gehört die Sächsische Weinstraße schon heute zu den sonnenreichsten Regionen Deutschlands. Mit dem Klimawandel ist zudem eine Verschiebung der Weinbauzonen auf der Nordhalbkugel weiter nordwärts prognostiziert. Die sächsischen Winzer profitieren davon unter anderem durch eine Erweiterung der für den Weinbau geeigneten Flächen im Freistaat oder den Anbau neuer Rebsorten. Gleichzeitig müssen sie aber auch mit immer häufiger auftretenden Witterungsextremen wie Hitzewellen, lokalen Starkregenfällen oder Hagel rechnen.

„Um unsere Weinberge fit für die Zukunft zu machen, befassen wir uns seit mehreren Jahren intensiv mit dem Klimawandel, seinen Herausforderungen, aber auch Chancen für das Weinbaugebiet Sachsen“, erklärt Sonja Schilg, die Geschäftsführerin von Schloss Wackerbarth. „Neben der steigenden Bedeutung einer naturnahen und nachhaltigen Bewirtschaftung unserer Rebflächen gehört dazu auch die Auswahl geeigneter Rebsorten. Vor allem Rotweine werden von den klimatischen Veränderungen profitieren, ihre Bedeutung wird steigen. In unseren Weinbergen könnten bald weitere Spitzenrotweine reifen, wie wir sie heute aus dem Beaujolaise oder Burgund kennen“, so Sonja Schilg. „Mit einem Versuchsanbau auf dem Johannisberg in Radebeul sowie einer Neupflanzung auf der Seußlitzer Heinrichsburg wollen wir in diesem Jahr einen Impuls für den sächsischen Rotwein geben und dabei das Potenzial weiterer Rebsorten wie Gamay für das Gebiet praktisch testen. Auch damit erfüllen wir die Mission des Sächsischen Staatsweingutes, die Weinkulturlandschaft im Elbtal zu sichern und zu fördern.“

Investitionen in die sächsische Weinkulturlandschaft
Im Auftrag des Freistaates Sachsen übernahm die Sächsische Staatweingut GmbH mit ihrer Neugründung im Jahr 1999 insgesamt 25.000 m² sanierungsbedürftiger Trockenmauern im Elbtal und damit den höchsten Anteil an Steillagen und Terrassenweinbergen aller sächsischen Winzer. Seit 2002 investierte die Sächsische Staatsweingut GmbH 2,6 Millionen Euro in die Erneuerung von 5.400 m² Trockenmauern, vor allem im Goldenen Wagen und im Wackerbarthberg. Das gesamte Investitionsvolumen zur vollständigen Sanierung aller freistaatlichen Steillagen und Terrassenweinberge schätzen Fachleute auf über 10 Millionen Euro. Neben der Sanierung seiner Trockenmauern modernisierte die Sächsische Staatsweingut GmbH seit 1999 auch 58 Hektar unwirtschaftlicher DDR-Weinberge auf der Seußlitzer Heinrichsburg, in Weinböhla und in Radebeul. Die Kosten dafür belaufen sich auf weitere 1,45 Millionen Euro.

Historie trifft auf Moderne
Auf dem Johannisberg in Radebeul, einer Steillage mit mineralischem Boden, pflanzen die Winzer von Schloss Wackerbarth heute auf einer Gesamtfläche von 1,3 Hektar insgesamt 6.500 Reben der Rebsorte Gamay. Schloss Wackerbarth ist das erste Weingut in Sachsen und auch eines der ersten Weingüter in ganz Deutschland, das diese französische Rebsorte in die hiesigen Weinberge zurückbringt. Auf der Seußlitzer Heinrichsburg in Diesbar-Seußlitz, auf einer 0,8 Hektar großen, frostgefährdeten Flachlage mit Löss-Lehm-Boden, reben die Radebeuler Winzer dagegen in dieser Woche 3.500 Pinotin-Reben neu auf. Diese moderne pilzwiderstandsfähige Rotweinsorte züchtete der Schweizer Rebenzüchter Valentin Blattner erst 1991 aus dem Spätburgunder. Die Rebsorte verspricht auch unter schwierigen klimatischen Bedingungen robuste Erträge. Bevor die jungen Rebstöcke in Radebeul und Diesbar-Seußlitz jedoch ihr volles Rotweinpotenzial zeigen können, ist Zeit und Geduld gefragt. In den ersten drei Jahren steht der Aufbau eines robusten und gesunden Rebstocks im Vordergrund. Erst im Weinjahr 2024 werden Wackerbarths Winzer voraussichtlich die ersten Rotweintrauben lesen können.

Von Frankreich bis in die Weinberge des Ostens
Die Geschichte der Rebsorte Gamay hat ihren Ursprung ebenso wie die Weintradition Sachsens im Wirken von weinbauerfahrenen Mönchen. Obwohl bereits um das Jahr 1000 n. Chr. von Rebstöcken im Elbtal berichtet wurde, gelten neben fränkischen Siedlern vor allem Zisterzienser und Benediktiner als die Weinbaupioniere Sachsens. Im 12. Jahrhundert legten sie im Raum Meißen den Grundstein für die über 850-jährige sächsische Weinbautradition. Doch nicht nur hier, sondern auch in anderen Weinregionen Europas leisteten sie einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung des Weinbaus, wie wir ihn heute kennen: Im französischen Burgund entdeckten die Mönche im 13. Jahrhundert die große Bedeutung des Terroirs für die Qualität des Weins. Sie pflegten und kultivierten außerdem neue Rebsorten wie Gamay, eine natürliche Kreuzung aus Pinot und der Rebe Gouais Blanc (Heinisch), die die Römer zuvor nach Frankreich gebracht hatten.

„Die römisch-katholische Kirche und ihre Klöster waren im Mittelalter entscheidende Förderer der Weinkultur – auch im Osten Deutschlands“, erklärt Master of Wine Janek Schumann. „Historische Untersuchungen liefern den Nachweis, dass die Rebe und Weinkultur vor allem von Mönchsgemeinschaften aus dem Westen in den Osten gebracht wurde. Es war ein großer Verdienst der Zisterzienser, dass sie neben ihrem Weinwissen auch Rebsorten, die sich in ihrem Stammsitz in Burgund bewährt hatten, in den deutschen Raum mitnahmen und hier erprobten. So gelangten Rebsorten wie Gamay von Frankreich aus bis in den Osten Deutschlands und in die Weinberge im heutigen Sachsen, Brandenburg und Saale-Unstrut.“

Zwischen den Weinregionen Europas entwickelte sich ein intensiver Wissenstransfer und Rebentausch. Doch während das Know-how der Mönche die Jahrhunderte unbeschadet überstand, verschwanden Rebsorten wie Gamay wieder aus den hiesigen Weinbergen. Nicht zuletzt die Reblaus zerstörte ab Ende der 1880er-Jahre auch in Sachsen große Teile der alten Rebbestände und brachte damit die hiesige Weinkultur nahezu zum Erliegen. Erst Anfang des 20. Jahrhunderts begann der Landwirtschaftsrat Carl Pfeiffer die Aufrebung und Wiederbelebung des sächsischen Weinbaus mit der zuvor neu eingeführten Propfrebe.

Gamay – die Leitrebsorte des Beaujolais
Gamay wurde erstmals im 14. Jahrhundert erwähnt und ist bis heute die Leitrebsorte im Beaujolais. Ihre französische Heimat erhielt der Rotwein durch einen Konflikt: Ende des 14. Jahrhunderts war der robuste Gamay im Burgund so beliebt, dass er dem heimischen Burgunder ernsthafte Konkurrenz machte. Um diesen zu schützen, verbot Philip der Kühne von Burgund kurzerhand den Anbau von Gamay in seinen Ländereien. Im angrenzenden Beaujolais galt dieses Verbot jedoch nicht. Hier gedieh die Gamay-Rebe sogar noch besser und entwickelte sich zur Leitrebsorte der Region. In den 1970er-Jahren entwickelte sich der Rotwein als „Beaujolais primeur“ und „Beaujolais nouveau“ zum Trend in Paris – wurde damit auch über die Grenzen Frankreichs hinaus bekannt. Typisch für junge Gamay-Weine ist ihre Fruchtigkeit, Eleganz und lebhafte Frische mit Aromen von Himbeeren und Kirschen. Gamay gedeiht wunderbar in „Cool Climate“-Regionen wie Sachsen, wächst heute außerhalb Frankreichs unter anderem auch in der Schweiz, in Italien, Südafrika oder Kalifornien.
 
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