Mittwoch, 13. Dezember 2017


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"Globalisierung Schuld an Niedrigzinsen?" - der aktuelle Neuwirth Finance Zins-Kommentar

Starnberg, (lifePR) - Schon länger wird nach einem Sündenbock für das Niedrigzinsumfeld gesucht und oft wird dabei in Deutschland mit dem Finger auf die Europäische Zentralbank (EZB) gezeigt. Die wiederum verweist regelmäßig auf die instabile Inflationsrate in der Eurozone und begründet damit ihre geldpolitischen Maßnahmen. Doch warum zieht das Preisniveau trotz ökonomischer Erholung und sinkender Arbeitslosenquote nicht an? Ein Erklärungsansatz beschäftigt sich mit stagnierenden Löhnen als Ursache dieser Entwicklung. Erfahren Sie in der heutigen Ausgabe des Zinskommentars, inwiefern sich Globalisierung und Technisierung auf die Löhne hierzulande auswirken und weshalb die Phillips-Kurve noch ihre Gültigkeit besitzt.

Markt-Monitoring und Ausblick

Kurzfristiger Zins: Der 3-Monats-Euribor steht unverändert bei - 0,329%. Ein leichtes Abfallen in Richtung -0,4 % halten wir nach wie vor für sehr wahrscheinlich. Dies ist der aktuelle Stand der Einlagenfazilität der EZB.

Langfristiger Zins: Der 10jährige SWAP-Satz hat sich ebenfalls nicht verändert und liegt nach wie vor bei 0,79 %. Wir erwarten weiterhin niedrige SWAP-Sätze zwischen 0,20% - 1,00%.

Globalisierung Schuld an Niedrigzinsen?

Ein ökonomischer Grundsatz besagt, dass infolge sinkender Arbeitslosenzahlen die Verhandlungsmacht der Arbeitnehmer gestärkt wird und somit die Löhne steigen. Die Entlohnung der Arbeitnehmer ist ein wichtiger Kostenfaktor für Unternehmen und damit entscheidend für die Preisentwicklung. Die Arbeitslosenquote liegt in der Eurozone derzeit bei ca. 9 Prozent und bewegt sich damit wieder fast auf Vorkrisenniveau. Die Löhne hingegen stagnierten zuletzt und reagierten nicht auf die Erholung des Arbeitsmarktes. Das Prinzip geht zurück auf den Ökonomen Alban Phillips, der den negativen Zusammenhang zwischen Löhnen und Arbeitslosenquote mit Daten aus Großbritannien belegen konnte.

Immer wieder ist die Rede davon, dass dieser Grundsatz in den letzten Jahren seine Gültigkeit verloren hat. Wie bereits erwähnt, wirken die Löhne dabei hemmend auf die Preise. Doch liegt die Inflation tatsächlich bei derzeitiger Arbeitslosenquote unter dem Normaltrend? Für die Währungsunion scheint die sog. erweiterte Phillips-Kurve zunächst einmal nicht wirklich außer Kraft gesetzt zu sein (Vgl. Abbildung). Denn die Trendlinie verläuft immer noch negativ. Jeder Datenpunkt beschreibt die Inflationsrate und Arbeitslosenquote für jeden Monat der letzten zwölf Jahre. Der orange eingefärbte Datenpunkt steht für den Monat September 2017. Mit einer Inflationsrate von 1,5 Prozent und einer Arbeitslosenquote von ca. 9 Prozent liegen wir leicht unter dem Normaltrend. Das könnte auf eine vergleichswiese zu geringe Inflation hinweisen. Jedoch befinden wir uns in Relation zu vielen anderen Datenpunkten recht nah an der Trendlinie. Damit ist der Wirkungskanal über den Arbeitsmarkt die Inflation anzukurbeln nicht wirklich außer Kraft gesetzt. Zumindest für die Eurozone.

Dennoch stagnieren die Löhne und das ist grundsätzlich schlecht für die Preisentwicklung. Ein Grund für die stagnierenden Löhne könnte die zunehmende Mobilität und die Vernetzung der Arbeitskräfte sein. Inzwischen können Unternehmen auch komplexere Dienstleistungen ins billigere Ausland verlagern. Das setzt Arbeitnehmer hierzulande unter Druck. Auch wirkt sich die Digitalisierung zunehmen negativ auf die Löhne aus. Die Angst der Arbeitnehmer durch langfristig billigere Roboter ersetzt zu werden, erschwert die Forderung nach höheren Löhnen. Eine fast vollständige Preistransparenz sorgt für immer mehr Preiskämpfe auf vielen Märkten wie z.B. der Luftfahrt. Außerdem ist eine Arbeitslosenquote von 9 Prozent noch lange keine Vollbeschäftigung. Zudem arbeiten noch zu viele Menschen in Teilzeit, denn hier sind selten Lohnzuwächse zu verzeichnen. Erhalten Arbeitnehmervertretungen und Gewerkschaften mehr politischen Rückenwind und werden mehr hochqualifizierte Arbeitsplätze geschaffen, können die Löhne wieder stärker reagieren und die Inflation wieder ihrem Ziel von zwei Prozent näherbringen. Diese Tatsache ist eine weitere Erklärung für die Niedrigzinsphase, die weiterhin anhalten wird.

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