Dienstag, 21. November 2017


  • Pressemitteilung BoxID 319715

Beruf und Berufung: Ärzte wünschen sich mehr Zeit für ihre Patienten

Ärztemonitor: Befragung von 11.000 Niedergelassenen

Berlin, (lifePR) - Der NAV-Virchow-Bund und die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) haben die Ergebnisse einer großen repräsentativen Ärztebefragung vorgestellt. Das Institut für angewandte Sozialwissenschaften infas interviewte für den sogenannten Ärztemonitor telefonisch rund 11.000 niedergelassene Haus- und Fachärzte sowie Psychotherapeuten.

Der Ärztemonitor zeige, dass trotz einer starken Arbeitsbelastung insgesamt eine hohe Arbeitszufriedenheit herrsche, erklärte Dr. Andreas Köhler, Vorstandsvorsitzender der KBV, bei der Präsentation der Ergebnisse in Berlin.

Der Aussage "Meine Arbeit macht mir Spaß" stimmen 53 Prozent der Befragten "voll und ganz" und 40 Prozent "eher" zu. Nur 6 Prozent stimmen "eher nicht", 1 Prozent stimmt "ganz und gar nicht" zu. Die Zufriedenheitsaussagen sind bei Psychotherapeuten besonders ausgeprägt. "Ausgebrannt" fühlen sich dagegen 9 Prozent "voll und ganz", 20 Prozent stimmen dem "eher zu". 42 Prozent sagen, sie seien "eher nicht" ausgebrannt, bzw. 28 Prozent "ganz und gar nicht".

Die Arbeitsbelastung der Ärzte sei insgesamt hoch, sagte Köhler. "Im Schnitt arbeiten Haus- und Fachärzte über 55 Stunden in der Woche. Dabei behandeln Fachärzte mehr als 40 Patienten am Tag, Hausärzte sogar mehr als 50", so der KBV-Vorstandsvorsitzende.

Besonders gravierend: Zwei von drei Ärzten gaben in der Befragung an, sie hätten nicht ausreichend Zeit für ihre Patienten. Von den durchschnittlich 55 Stunden Wochenarbeitszeit entfällt bei den Hausärzten etwas über die Hälfte der Zeit, nämlich 60 Prozent, auf Patientensprechstunden. Die Fachärzte können 62 Prozent direkt den Patienten widmen. Beruf und Privatleben sieht die Mehrzahl als nicht oder nur eingeschränkt vereinbar.

"Die Verwaltungsarbeit macht den zweitgrößten Anteil an der Gesamtarbeitszeit aus. Ärzte brauchen wieder Freiräume, um für ihre Patienten da sein zu können. Das Motto muss lauten: versorgen statt verwalten!", forderte Köhler.

"Trotz der schwierigen Rahmenbedingungen ist dieser Berufsstand im Großen und Ganzen ein durchaus zufriedener", resümierte der KBV-Vorstandsvorsitzende. "Vor allem ist es einer, der seinen Selbstwert nicht nur aus materiellen Aspekten zieht, wie uns fälschlicherweise immer wieder vorgeworfen wird."

Dr. Dirk Heinrich, Bundesvorsitzender des NAV-Virchow-Bundes, präsentierte Zahlen zur wirtschaftlichen Zufriedenheit. "43 Prozent mit dem Einkommen unzufriedene Ärzte sollten uns aufhorchen lassen. Es besteht offenbar ein enger Zusammenhang zwischen einer unzufriedenen Haltung und hoher Arbeitsbelastung, großen Patientenzahlen und nicht-kooperativer Praxisformen", erklärte Dr. Heinrich. "Wir müssen weg von den hohen Fallzahlen in den Praxen und kooperative Formen fördern", forderte Dr. Heinrich. Die Effekte der geänderten Honorarverteilung aus jüngster Zeit zeigten eine überdurchschnittliche Zufriedenheit der Befragten im Osten und eine etwas schlechtere Stimmung bei den Fachärzten. "Hier muss eine zukünftige Honorarreform ansetzen", so Dr. Heinrich.

Als weitere Konsequenz aus der Befragung zog Dr. Heinrich den Schluss: "Die Arbeitsbedingungen niedergelassener Ärzte müssen verbessert werden. Dazu zählt, dass Kooperationen attraktiver und die Ärztenetze gefördert werden. Immerhin arbeiten heute schon über ein Viertel der niedergelassenen Haus- und Fachärzte (26 Prozent bzw. 27 Prozent) in vernetzten Strukturen. Von den heute noch nicht vernetzten Ärzten kann sich mehr als die Hälfte vorstellen, sich in der Zukunft einem Ärztenetz anzuschließen."

KBV und NAV-Virchow-Bund wollen den Ärztemonitor zeitnah wiederholen, um auch die Entwicklung der Selbsteinschätzung der niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten dokumentieren zu können.

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV):

Die KBV vertritt die politischen Interessen der rund 153.900 niedergelassenen und ermächtigten Ärzte und Psychotherapeuten auf Bundesebene. Sie ist der Dachverband der 17 Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen), die die ambulante medizinische Versorgung für 70 Millionen gesetzlich Versicherte in Deutschland sicherstellen. Die KBV schließt mit den gesetzlichen Krankenkassen und anderen Sozialversicherungsträgern Vereinbarungen, beispielsweise zur Honorierung der Ärzte und zum Leistungsspektrum der gesetzlichen Krankenkassen. Die KVen und die KBV sind als Einrichtung der ärztlichen Selbstverwaltung Körperschaften des öffentlichen Rechts. Mehr Informationen im Internet unter: www.kbv.de

NAV-Virchow-Bund, Verband der niedergelassenen Ärzte Deutschlands e.V.

Der NAV ist ein freier ärztlicher Verband, der die Interessen aller niederlassungswilligen, niedergelassenen und ambulant tätigen Ärztinnen und Ärzte aller Fachgebiete auf Bundes- und Landesebene vertritt. Er vertritt die Interessen dieser Arztgruppe gegenüber den Parlamenten, den Regierungen, den Parteien, Behörden und allen anderen Organisationen und Institutionen in Deutschland. Mehr Informationen im Internet unter: www.nav-virchowbund.de.

Diese Pressemitteilungen könnten Sie auch interessieren

Ruanda: Adventisten für gesellschaftliches Engagement gewürdigt

, Medien & Kommunikation, Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Deutschland / Süddeutscher Verband KdöR

Die Mitglieder der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Ruanda sind von einem Regierungsvertreter für ihren Einsatz für die Gesellschaft...

Pirelli Deutschland erweitert Gesundheitsmanagement Kooperation mit Caritasverband Darmstadt

, Medien & Kommunikation, Pirelli Deutschland GmbH

Die Pirelli Deutschland GmbH, Breuberg, und der Caritasverband Darmstadt e.V. haben am vergangenen Freitag einen Kooperationsvertrag unterzeichnet....

Riese & Müller mit neuem Head of Supply Chain Management

, Medien & Kommunikation, Riese & Müller GmbH

Das Mobilitätsunternehme­n Riese & Müller stellt sich breiter auf und besetzt die neu geschaffene Schlüsselposition des Head of Supply Chain...

Disclaimer