Keine Gifte in heimischen Wäldern!

NABU-Stellungnahme gegen den Einsatz von "Karate Forst" / Wie ernst ist dem Land der Insektenschutz? / Waldumbau zu lange vernachlässigt

(lifePR) ( Potsdam, )
Der NABU Brandenburg wehrt sich entschieden gegen die geplante Ausbringung des hochgiftigen Totalinsektizids „Karate Forst“, welches der Landesforstbetrieb Brandenburg für 8.000 bis 9.000 Hektar Waldfläche angekündigt hat.

Dabei wird das Mittel aus Hubschraubern heraus in Baumkronen versprüht und soll auch an Waldrändern und in Ortsrandlagen (1oo Meter hat die Forst zugesichert) ausgebracht werden. Waldrandbereiche sind allerdings wichtige Habitatstrukturen für Insekten, Vögel und Kleinsäuger.

Zwei Tage lang werden die Wälder dann für Menschen gesperrt. 56 Tage nach dem letzten Sprüheinsatz dürfen keine Waldfrüchte, Kräuter und Pilze in den Wäldern gesammelt werden. Falls es in dieser Zeit nicht oder nicht viel regnet, dürfte sich diese Frist noch verlängern.

Die Bekämpfungsmaßnahme gilt vornehmlich der Nonne, einer Nachtfalterart, deren Raupen sich von den Nadeln der Kiefern ernähren. Wie die Bezeichnung des Totalinsektizids schon erahnen lässt, vernichtet es aufgrund seiner neurotoxischen Wirkung viele im Gebiet vorkommenden Insekten. Auch jene Insekten, die als natürliche, räuberische und parasitierende Regulatoren der Nonne in Wäldern vorkommen. Die vorgeschobene Rechtfertigung der Forst für die Vergiftungsaktion, damit die ökologische Funktion des Waldes aufrecht zu erhalten, ist dabei mehr als fraglich. Denn: Wie ist eine ökologische Funktion sicher zu stellen, wenn natürliche Bestäuber, Gegenspieler der Schädlinge, und letztendlich Nahrungsgrundlage für Vögel, Fledermäuse und Insekten vernichtet werden?
„Angesichts des derzeitigen Insektensterbens und mit dem Hintergrund des vom Umweltministeriums einberufenen Insektengipfels, scheinen die Bemühungen des Landes um eine insektenfreundlichere Ausrichtung ad absurdum geführt,“ sagt Ökotoxikologe und NABU Waldexperte, PD Dr. Werner Kratz. „Man kann nicht glaubhaft vermitteln, dass einerseits mit Blühstreifen dem Insektenrückgang entgegengewirkt werden soll, und andererseits auf landeseigenen Waldflächen Totalinsektizide in Größenordnungen zur Anwendung kommen, um Holzerträge zu sichern.“

Brandenburgs monotone Kiefernwälder sind insbesondere durch die sich verstärkenden Auswirkungen des Klimawandels betroffen. Dürre, Hitze und auch zunehmende versauernde Nährstoffeinträge in die Waldböden machen der Brandenburger Kiefer schon seit langem zu schaffen. Mit abnehmender Widerstandskraft steigt somit auch die Anfälligkeit für Schadinsekten.

„Ein selbst gemachtes Problem,“ wie der Ökotoxikologe und NABU Waldexperte, Werner Kratz, feststellt. „Seit Jahren wurde in Brandenburg der Umbau der Wälder zu resistenteren Laubmischwäldern vernachlässigt und durch wenig weitsichtige Pflanzungen die Ausbeutung der Natur vorangetrieben. Hier ergibt sich nun die Chance auf großer Fläche Natur zuzulassen und das Absterben der Kiefernplantagen in Kauf zu nehmen, um dann großräumig Mischwälder aufzuforsten.“ so Kratz weiter. Jetzt muss das Ministerium zeigen, wie ernst es ihm mit dem Schutz der Insekten ist. Denn eins ist klar, Abhilfe vor Massenvermehrungen durch Schädlinge werden die geplanten Sprüheinsätze nur kurzfristig bringen. Hier gilt es, das natürliche ökologische Gefüge wiederherzustellen und Gegenspieler der Schädlinge zu fördern, um damit langfristig den Wald zu schützen.

Durch das bayrische „Volksbegehren Artenvielfalt - Rettet die Bienen“, bei dem innerhalb weniger Wochen 1,7 Mio. Unterschriften zur Rettung der Bienen zusammenkamen, hat sich auch in Brandenburg das Bewusstsein für die Nöte der kleinen Nützlinge erweitert. Besonders die Anwohner in den Waldsiedlungen um das zu behandelnde Gebiet sowie betroffene Privatwaldbesitzer machen nun mobil und wollen diese Maßnahme nicht so einfach über ihre Köpfe hinweg über sich ergehen lassen. Der NABU Brandenburg unterstützt sie dabei und hat das Besprühen der Waldflächen in seinen aktuellen Stellungnahmen zum Gifteinsatz in Teltow-Fläming und Potsdam-Mittelmark abgelehnt. Schon seit Jahren prangert der NABU das Vorgehen der Forst zum Einsatz chemischer Bekämpfungsmittel gegen Schädlinge wie Nonne, Eichenprozessionsspinner und Co. an und weist darin immer wieder auf den dringend notwendigen Waldumbau hin.

Dabei ist der Einsatz des Mittels „Karate Forst“ nicht nur für die Insekten, sondern auch für kleine Säugetiere und Menschen nicht unbedenklich. So weist der Hersteller selbst auf die akute inhalative Toxizität für Kleinsäuger bei geringen Mengen hin, die für Ratten bereits belegt ist. Wie sich dieser Sprühnebel auf andere geschützte Tierarten wie beispielsweise Fledermäuse auswirkt, ist noch nicht abschließend erforscht. Hinweise aus diversen Forschungsvorhaben lassen aber daraus schließen, dass durch das Abtöten der Insekten zumindest Vögeln und ihren Jungtieren die Nahrungsgrundlage entzogen wird. Und das in einer Zeit, wo für die Aufzucht der Jungen erhöhte Nahrungsmengen gebraucht werden.

Aber auch für den Menschen selbst kann keine Unbedenklichkeit des Mittels bescheinigt werden. So gehört das im Mittel Karate enthaltene Lambda-Cyhaloththrin zu einer Wirkstoffgruppe, die auch das menschliche Nervensystem angreift.
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