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Pressemitteilung BoxID: 362888 (Nationalparkamt Müritz)
  • Nationalparkamt Müritz
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  • 17237 Hohenzieritz
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Waschbär im Visier

Nationalparkamt Müritz lehnt Bejagung ab

(lifePR) (Hohenzieritz, ) .
Hohenzieritz
Das Thema Waschbär sorgt aktuell verstärkt für Diskussionen. Aus Sicht des Nationalparkamts Müritz kann das "Problem Waschbär" jedoch kaum durch die Jagd auf den räuberischen Kleinbären gelöst werden.

"Eine jagdliche Regulierung widerspricht den Grundsätzen im Nationalpark und außerdem ist sie aussichtslos", erklärt Amtsleiter Ulrich Meßner. Deutlich machen dies Zahlen, die von der Arbeitsgruppe Wildtierforschung Tharandt der TU Dresden im Rahmen eines mehrjährigen wildbiologischen Forschungsprojektes im Müritz-Nationalpark erhoben wurden. Demnach wurden bis vor zwei Jahren, als der Waschbär auch im Nationalpark regulär bejagt wurde, jährlich weniger als fünf Prozent des Waschbärenbestandes erlegt. Die Forscher haben ermittelt, dass im Nationalpark derzeit etwa 1000 Waschbären leben. Um den Bestand nachhaltig zu reduzieren, müssten jährlich über 600 von ihnen geschossen werden - eine Zahl, die sich mit jagdlichen Mitteln keineswegs realisieren lässt. Ganz ähnlich verhält es sich mit der Situation im gesamten Bundesgebiet. Demnach begann 20 Jahre nach der ersten erfolgreichen Aussetzung am Edersee (Nordhessen) im Jahre 1954 in Deutschland die Bejagung des ursprünglich aus Nordamerika stammenden Neubürgers mit dem vorrangigen Ziel der Wiederausrottung. Im Jahre 1956 wurde amtlich "der rücksichtslose Abschuss aller zu Gesichte kommenden Waschbären angeordnet" und so stieg die Zahl auf mittlerweile über 67.000 erlegte Waschbären pro Jahr an. Doch statt eine Dezimierung zu erreichen, breitete sich in den vergangenen 70 Jahren der Kleinbär kontinuierlich aus und kommt mittlerweile in allen 16 Bundesländern vor. Laut einer Modellierung der Wissenschaftler von der TU Dresden müsste die aktuelle Jahresjagdstrecke um etwa 800 Prozent erhöht werden, damit der jagdliche Eingriff reduzierend wirkt. In Anbetracht dieser Zahlen dürfte sich auch die vom Kreisjagdverband Müritz e.V. angestrebte Kippung der vor zwei Jahren vom Landwirtschaftsministerium erlassenen Verordnung des Jagdverbots im Müritz-Nationalpark kaum als sinnvoll erweisen.

Lösungsansätze bietet dagegen ein präventives Konfliktmanagement, das von Wildbiologen der Gesellschaft für Wildökologie und Naturschutz e.V. auf der Grundlage jahrelanger Waschbärenforschung erarbeitet wurde. Dazu erstellt der Förderverein des Müritz-Nationalparks aktuell ein Faltblatt mit dem Titel "Wie schütze ich mein Haus und Grundstück vor Waschbären". Angefangen von Klettermanschetten zum Schutz von Obstbäumen bis hin zu für Tiere unzugängliche Kompostanlagen, können Schäden durch Waschbären präventiv verhindert werden. Umso schlechter die Lebensbedingungen für Waschbären in Wohnsiedlungen sind, umso stärker werden sie sich von den Menschen zurückziehen.

www.mueritz-nationalpark.de
www.projekt-waschbaer.de
www.diewaschbaerenkommen.de
www.waschbaerschutz.de