Freitag, 17. November 2017


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Ohne Muskelkater mit viel Eifer im Moor

Warener Berufsschüler helfen bei Renaturierung im Nationalpark

Hohenzieritz, (lifePR) - "Muskelkater? Nö, haben wir nicht!", erwidert lachend Nico Frindt auf die Frage, wie er und sein Trupp den ersten Arbeitstag in den Mooren des Müritz-Nationalparks überstanden hat. Immerhin hat der 19-Jährige mit 25 weiteren Fachgymnasiasten und zwei Klassenlehrern von der Beruflichen Schule Müritz dabei schon eine Menge Material bewegt. Und zwar mit Muskelkraft per Schaufel, Spaten, Schubkarre und Harke. "Rund 70 Tonnen Kies wurden von den Schülerinnen und Schülern in die Grabenanschlüsse von Waldsöllen gestern gefüllt. Das sind rund 600 bis 700 volle Schubkarren", schätzt der Leiter des Reviers Waldsee, Peter Barofke. "Eine tolle Leistung", lobt er den Fleiß der freiwilligen Helfer aus Waren. Unter Anleitung von Nationalpark-Rangern arbeiten die Berufsschüler bis Donnerstag an fünf Stellen im Revier nahe des Dörfchens Goldenbaum. Dabei verlegen sie auch wasserdurchlässige Geotex-Fliesbahnen, um bei einem Anstieg des Wasserspiegels ein Abschwemmen des Füllmaterials zu verhindern.

Das dauerhafte Verschließen der Abflüsse von den Waldsöllen in die zahlreichen Entwässerungsgräben soll der Renaturierung der Moore im Nationalpark dienen. Deren vielerorts schwer zugängliche Lage schließt aber oft den Einsatz von Maschinentechnik in den sensiblen Schutzgebieten aus, weshalb die Muskelkraft der freiwilligen Helfer sehr willkommen ist.

"Die Gräben wurden vor etwa 300 Jahren ausgehoben, um aus den Mooren und Söllen auch in trockenen Zeiten ausreichend Wasser in den Grünower See zu leiten, damit die beiden damaligen Wassermühlen am Ufer angetrieben werden konnten", erklärt der Revierleiter. Große Moorgebiete fielen dadurch mit der Zeit trocken, zahlreiche Sölle verlandeten dauerhaft. "Das hatte bis in die 1990er Jahre negative Folgen zum Beispiel für Laubfrösche und Rotbauchunken, deren Populationen mit dem Austrocknen ihrer Laichgebiete spürbar geringer wurden", erklärt Tim Taeger, der Sachgebietsleiter für Nationalpark-Service.

Zum Erhalt dieser und weiterer geschützter Arten seien in den zurückliegenden Jahren rund 60 Kleinmoore allein im Revier Waldsee revitalisiert worden. Insgesamt gibt es im Müritz-Nationalpark über 400 Moore, die insgesamt rund 3.700 Hektar durchziehen. Das sind immerhin 11,5 Prozent der Gesamtfläche des Schutzgebietes, betont Tim Taeger.

Intakte Moore sind nicht nur als Wasserspeicher und Lebensraum für seltene Arten wichtig. Sie dienen auch dem Klimaschutz, weil sie Kohlenstoff und andere Schadstoffe aus der Luft in ihrem Boden binden. Darüber haben sich auch Nico Frindt und seine Mitschüler vor dem Einsatz informiert und sind deshalb nach eigener Aussage mit viel Spaß bei der Sache. Die Leitung des Nationalparks bedankt sich bei den fleißigen Helfern nach Abschluss der Arbeiten am Donnerstag mit einem Grillfest am Jugendwaldheim Steinmühle, bevor auch für sie in der nächsten Woche die verdienten Sommerferien beginnen.

Der dreitägige Arbeitseinsatz im Revier Waldsee findet übrigens als Pilotprojekt des Programms "Ehrensache Natur - Freiwillige in Parks" statt. Dessen Träger ist EUROPARC Deutschland e. V., der Dachverband für die Nationalen Naturlandschaften in der Bundesrepublik. Für die Umsetzung erhält der Müritz-Nationalpark von EUROPARC auch Fördermittel in Höhe von 10.000 Euro. Diese stammen aus dem mit 500.000 Dollar dotierten Midori-Biodiversitäts-Preis. Diesen hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel 2010 als Anerkennung für ihren Einsatz zum weltweiten Schutz des Klimas und der Artenvielfalt von der japanischen Umweltorganisation AEON erhalten. Das Preisgeld wurde nach einem Kabinettsbeschluss an das Freiwilligenprogramm für Natur- und Umweltschutzprojekte in Deutschland weitergereicht.

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