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Pressemitteilung BoxID: 678238 (NABU-Landesverband Baden-Württemberg)
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NABU: "Wir setzen unsere Vögel hungernd vor die Tür"

Insekten- und Vogelsterben hängen direkt zusammen / Naturschützer fordern Landesregierung zum Kurswechsel in der Agrarpolitik auf

(lifePR) (Stuttgart, ) Laut einer aktuellen Auswertung des NABU sind in Deutschland in nur zwölf Jahren 12,7 Millionen Vogelbrutpaare verloren gegangen. Das entspricht einem Minus von 15 Prozent im Untersuchungszeitraum zwischen 1998 und 2009. Parallel hat der Anteil an artenreichen Wiesen und Weiden oder Brachflächen drastisch ab-, der intensive Anbau von Mais und Raps dagegen stark zugenommen. „Angesichts der dramatischen Rückgänge müssen wir von einem Ausverkauf der Artenvielfalt sprechen, auch in Baden-Württemberg. Wir setzen unsere Vögel hungernd vor die Tür“, sagt NABU-Vogelschutzexperte Stefan Bosch. Besonders stark ist der Vogelschwund bei Arten, die auf landwirtschaftlichen Flächen zuhause sind.

„Gewaltige Rückgänge gibt es beim Star, dem Vogel des Jahres 2018. Immer seltener sind auch Gold- und Grauammer, Neuntöter, Kiebitz, Feldlerche und nicht zuletzt das Rebhuhn“, zählt Bosch auf. Viele Vogelarten haben seit Jahren mit dem Schwund an Lebens- und Brutraum zu kämpfen. Von 260 in der Roten Liste der Brutvogelarten des Landes (Stand: 2016) aufgeführten Arten sind nur knapp 36 Prozent im grünen Bereich, alle anderen mehr oder weniger stark bedroht oder bereits verschwunden.

Nach NABU-Einschätzung ist ein direkter Zusammenhang zwischen dem Vogelsterben und dem massiven Insektenrückgang sehr wahrscheinlich. „Es ist davon auszugehen, dass die intensive Landwirtschaft der maßgebliche Treiber für die stark abnehmenden Insektenbestände ist“, erläutert NABU-Landwirtschaftsreferent Jochen Goedecke. Hier bestehe der größte Handlungsbedarf. „Es ist höchste Zeit für einen Kurswechsel in der Agrarpolitik auf EU- und Bundes-, aber auch auf Landesebene“, so Goedecke. Er fordert Landwirtschaftsminister Peter Hauk auf, sich für das Ende der Gießkannenförderung in Brüssel stark zu machen. Dies käme auch unseren landwirtschaftlichen Familienbetrieben im Land zu Gute. Stattdessen müssen landwirtschaftliche Betriebe stärker belohnt werden, die unbelastete Lebensmittel anbauen und Arten- und Trinkwasserschutz umsetzen und damit eine Leistung für die Gesellschaft erbringen – wie es einzelne schon vormachen“, sagt Goedecke.