20 Jahre NABU-Vogelschutzzentrum: 16.090 Pfleglinge und voller Einsatz für die ganze Vogelwelt

Naturschutzminister Bonde entlässt in Mössingen Turmfalken in die Freiheit

(lifePR) ( Stuttgart, )
Das NABU-Vogelschutzzentrum Mössingen feiert in diesem Jahr sein 20. Jubiläum. Ehrenamtliche NABU-Aktive hatten es 1994 gegründet, um verletzten Vögeln zu helfen. "Die Vogelpflege ist nach wie vor ein wichtiges Standbein unseres Zentrums. Wir versorgen hier inzwischen rund 1.000 Vögel pro Jahr", berichtet Zentrumsleiter Daniel Schmidt-Rothmund. Insgesamt sind somit 16.090 gefiederte Patienten zusammengekommen. Amseln, Mäusebussarde und Turmfalken sind die häufigsten Pfleglinge.

Noch wichtiger ist es für den NABU jedoch, den Vögeln in freier Wildbahn zu helfen. Deshalb hat das Zentrum bereits vor Jahren zwei weitere Standbeine aufgebaut: Zum einen forschen und beraten die Experten und führen auch selbst Vogelschutzprojekte durch, zum anderen informieren und begeistern sie Interessierte über wichtige Vogelthemen. "Nur wenn wir die Lebensbedingungen der Vögel draußen in der Natur verbessern, wird es auch in 20 Jahren noch eine solch bunte Artenvielfalt bei uns geben", unterstreicht Schmidt-Rothmund.

Anlässlich des Jubiläums besuchte am Dienstag auch Baden-Württembergs Naturschutzminister Alexander Bonde das Zentrum. Nach einem Rundgang entließ er gemeinsam mit den NABU-Mitarbeitern drei junge Turmfalken in die Freiheit. Diese waren Mitte Juli geschwächt und flugunfähig im Zentrum eingeliefert worden. "Greifvögel sind faszinierende Geschöpfe, die unseren Schutz benötigen. Ich freue mich, dass ich heute junge Turmfalken in die Freiheit entlassen darf, die die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Vogelschutzzentrums gesund gepflegt haben. Diese engagierten Naturschützerinnen und -schützer investieren viel Zeit und Engagement in die Pflege verletzter oder kranker Greifvögel und anderer seltener Vogelarten, um diese nach ihrer Genesung wieder in die Freiheit zu entlassen. Die Kooperation des Landes mit dem NABU-Vogelschutzzentrum Mössingen ist für mich das herausragende Modell einer erfolgreichen Public Private Partnership mit einem bedeutenden Naturschutzverband des Landes", würdigte Naturschutzminister Alexander Bonde die Leistungen des NABU-Vogelschutzzentrums und die seit vielen Jahren bestehende Kooperation mit dem NABU.

Auch für die Arbeit des NABU insgesamt sind die Experten des Vogelschutzzentrums von großer Bedeutung. "Seit seiner Gründung hat sich das Zentrum zu einer der Topadressen im Vogelschutz gemausert. Die hier gebündelte Kompetenz hilft den Vögeln und der Natur. Und sie hilft dem NABU, im politischen Stuttgart die Interessen der Vogelwelt mit hohem Sachverstand zu vertreten", sagt NABU-Landesgeschäftsführer Uwe Prietzel.

Einen starken Fürsprecher benötigen derzeit vor allem die Vögel der Agrarlandschaften. Die Bestandszahlen von Feldlerche, Kiebitz und Rebhuhn bereiten dem NABU seit Jahren große Sorge. Diese Sorge gab NABU-Chef Prietzel auch Naturschutzminister Bonde mit auf den Weg, verbunden mit dem Appell, bei der jetzt anstehenden Neugestaltung der Agrarförderung und dem Konzept zum Streuobstschutz die Interessen der Vögel besonders zu berücksichtigen. Für den Lebensraum Streuobst wird in den nächsten Jahren auch das Vogelschutzzentrum aktiv werden: Geplant ist, die Umweltbildung um das Thema "Vogelparadies Streuobstwiese" zu erweitern, die Ausstellung entsprechend umzubauen und einen Rundweg zum Thema anzulegen.

Neben den Appellen an die Politik formulierte Zentrumsleiter Schmidt-Rothmund auch einen Geburtstagswunsch an die vielen Vogelfreundinnen und -freunde im Land: Er bittet darum, Jungvögel in der Natur zu belassen und nicht mitzunehmen. Jungvögel seien in aller Regel nicht hilflos und verlassen, auch wenn es so scheint. In den allermeisten Fällen sind die Eltern noch in der Nähe. "Die Eltern garantieren die beste Pflege. Die Aufzucht von Hand ist extrem anspruchsvoll und selbst bei uns Profis oft nicht erfolgreich. Außerdem können wir den Vögeln nicht beibringen, wie sie später erfolgreich über die Runden kommen. Das können nur die Eltern. Auch wenn es gut gemeint ist: Bitte nehmen Sie keine Jungvögel mit", appelliert Schmidt-Rothmund nicht ohne Grund: Das Vogelschutzzentrum wird in jedem Frühsommer mit vermeintlich hilfsbedürftigen Jungvögeln überschwemmt.

NABU-Landesgeschäftsführer Prietzel bedankte sich im Namen der über 16.000 Pfleglinge und unzähligen Vögel in der freien Natur bei allen Unterstützern des Zentrums, darunter das Land Baden-Württemberg, das Regierungspräsidium Tübingen, die Landkreise Tübingen, Reutlingen und Zollernalb und die Stadt Mössingen: "Sie und alle weiteren Unterstützer tragen mit Finanzmitteln, mit persönlichem Einsatz oder durch die gute Zusammenarbeit zum Erfolg des Zentrums bei."

Hintergrund zum NABU-Vogelschutzzentrum Mössingen

Das Zentrum wurde 1994 von ehrenamtlichen NABU-Aktiven gegründet. 2000 übernahm Dr. Daniel Schmidt-Rothmund unterstützt von dem Biologen Richard Schneider hauptamtlich die Leitung des Zentrums, das damals unter der Trägerschaft der regionalen NABU-Gruppen und -Kreisverbände stand. In den folgenden Jahren baute der NABU die Eulenvolieren (2002), die Rundvoliere (2004), Lagergebäude und Infostände. Die vergangenen Jahre standen unter dem Zeichen der energetischen Sanierung. Seit 2012 ist der NABU-Landesverband Baden-Württemberg Träger des Vogelschutzzentrums.

Standbein "Ornithologische Projekte"

Das Zentrum arbeitet sowohl eigenständig als auch im Auftrag des Landes und anderer Institutionen. So organisieren die NABU-Mitarbeiter etwa im Auftrag der Landesanstalt für Umwelt und Messungen Baden-Württemberg (LUBW) seit 2003 das Monitoring häufiger Brutvogelarten und arbeiteten mit am Forschungsprogramm des Landes zu Wildvögeln und Vogelgrippe (2007-2008). Seit 2000 arbeitet das Zentrum zudem im Bereich "Stromtod" - also der Vermeidung von Todesfällen von Vögeln an Stromleitungen - sowie im Projekt "Rückkehr von Fisch- und Seeadlern nach Süddeutschland".

Standbein "Umweltbildung"

Seit 2006 beschäftigt das NABU-Vogelschutzzentrum mit Karin Kilchling-Hink eine Mitarbeiterin speziell für den Bereich Umweltbildung. So lernen in der "Vogelschule" Vorschul- und Grundschulkinder unsere Vogelwelt kennen. Zudem bietet das Zentrum Ferienprogramme, Naturgeburtstage und vieles mehr an. In Seminaren an der Umweltakademie Baden-Württemberg bilden die Zentrummitarbeiter auch semiprofessionelle Vogelkundler weiter.

Standbein "Vogelpflege"

16.090 Pfleglinge haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seit 1994 versorgt - immer mit dem Ziel, die Tiere wieder in die freie Natur entlassen zu können. Da viele schwer verletzte Tiere eingeliefert werden, kann leider nur rund ein Drittel der Tiere wieder genesen entlassen werden.

Finanziert wird das Zentrum aus Mitteln des NABU, aus Zuschüssen der öffentlichen Hand sowie durch eine Vielzahl an privaten Stiftungen, Sponsoren und Spendern.

Das NABU-Vogelschutzzentrum im Internet: www.NABU-Vogelschutzzentrum.de
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