Milchmengen müssen SOFORT reduziert werden!

Milch Marker Index bei 107 / Unterdeckung verfestigt sich bei 22 Prozent / Marktverwerfungen drohen / MEG Milch Board veröffentlicht den Milch Marker Index 2/2020

(lifePR) ( Göttingen, )
Der Milch Marker Index MMI ist nach aktuellem Berechnungsergebnis von Oktober 2019 bis Januar 2020 um einen Punkt auf 107 Punkte gestiegen. Die Milcherzeugungskosten lagen bei 44,07 Cent je Kilogramm. Damit stiegen sie in den letzten drei Monaten um 0,36 Cent und konnten in keinster Weise von der Preisseite aufgefangen werden.

Die Auszahlungspreise der deutschen Molkereien lagen im Januar 2020 bei durchschnittlich 34,56 Cent und verzeichneten damit nur einen minimalen Anstieg von 0,33 Cent. Wie bereits im gesamten Jahr 2019 sind die Preise damit nahezu unverändert geblieben. Zu einer vollen Deckung der Milcherzeugungskosten bei fairen Einkommensbedingungen fehlen weiterhin fast 10 Cent pro Kilogramm Milch. Die Kostenunterdeckung hat sich auf 22 Prozent verfestigt.

Die Milcherzeugungskosten stiegen in den letzten drei Monaten vor allem in den Regionen Nord und Ost an (plus 0,61 Cent bzw. 0,49 Cent). In der Region Süd blieb das Kostenniveau nahezu stabil. Die Milchauszahlungspreise in der Region Süd lagen mit durchschnittlich 35,79 Cent pro Kilogramm knapp zwei Cent höher als in den Regionen Nord und Ost.

Marktverwerfungen können nur durch Mengenreduktionen verhindert werden

Die deutschen Milcherzeuger starten mit einer Unterdeckung der Milcherzeugungskosten von 22 Prozent in die Corona-Krise. Es ist fahrlässig zu glauben, die Milchwirtschaft sei von der Stilllegung des öffentlichen Lebens ausgeklammert. Die deutsche Milchindustrie ist stark auf den Export ausgerichtet, und der weltweite Handel ist ebenso zusammengebrochen wie das öffentliche Leben. Eine Rückkehr zur Normalität wird dauern, die finanziellen Auswirkungen der Krise können aktuell noch gar nicht abgeschätzt werden. Aus Sicht der MEG Milch Board stehen die deutschen Milcherzeuger/innen vor massiven Marktverwerfungen. Der Vorstandsvorsitzende Frank Lenz begründet dies wie folgt: „Wir produzieren aktuell auf einem Mengenniveau, das seit Jahren keine kostendeckenden Preise ermöglicht. Und in dieser an sich schon nicht tragbaren Situation bricht uns nun der Markt vor der Nase weg. Nach zwei schwierigen Dürrejahren in Folge verfügen die Milcherzeuger über keinerlei wirtschaftliche Reserven.“ Somit sind sie den Folgen der Corona-Krise hoffnungslos ausgeliefert: „Die Systematik der Andienungspflicht und Abnahmegarantie führt zwangsläufig zu einer Mengenregulierung über den Preis. Das bedeutet: Höfe sterben. Vereinzelte Appelle, die Milchmenge drastisch zu senken sind Zeichen der Hilflosigkeit angesichts übergroßer Probleme und zeigen einmal mehr, dass das Modell ‚Andienungspflicht und Abnahmegarantie‘ eine Niedrigstpreisgarantie ist, gerade in Krisenzeiten.“

Kein Verständnis hat die MEG Milch Board für die Empfehlung von Ministerin Klöckner an die EU, die private Lagerhaltung zu eröffnen. Dazu Frank Lenz: „Wir dürfen jetzt nicht wieder den Fehler machen unsere Probleme in Lagerhallen zu konservieren. Stattdessen sollten wir Milcherzeuger den Markt bedarfsgerecht versorgen.“ Die Empfehlung der Ministerin stellt eine Intervention durch die Hintertür dar und hilft ausschließlich den Molkereien. Die Milcherzeuger/innen – und das hat sich in der letzten Krise klar bewiesen – zahlen dabei die Zeche. Der Milchpreis stabilisiert sich dadurch nicht, und die Milchpreiskrise wird damit sogar stark verlängert! Weil der Sektor aktuell über keinen wirksamen Hebel verfügt die Mengen zu reduzieren, sieht Lenz die Politik in der Pflicht. „Wir brauchen jetzt sofort ein effizientes und verbindliches Mengenreduzierungsprogramm auf europäischer Ebene. Programme, die auf Freiwilligkeit setzen, können dafür ein Anfang sein. Allerdings sind die Marktverwerfungen derart eklatant, dass aus unserer Sicht in der jetzigen Situation nur eine europaweit solidarische Lösung der obligatorischen Mengenkürzung, in Ländern mit einer Milchproduktion über den Selbstversorgungsgrad hinaus, wirklich zielführend ist.“ Die Milchviehhalter/innen wollen einen totalen Zusammenbruch des Milchmarktes verhindern. Die Corona-Krise zeigt, wie fragil die Versorgungslage für Grundnahrungsmittel ist. Wenn jetzt nicht zeitnah gehandelt wird und es nicht gelingt, das Milchaufkommen der aktuellen Nachfrage anzupassen, werden viele Milchviehbetriebe die Produktion einstellen. Bei so einem sensiblen Produkt wie Milch geht es nicht nur darum, dass nach der Krise nicht genügend Rohstoff vorhanden sein könnte, um Handel zu betreiben. Es geht vor allen Dingen um die Ernährungssouveränität!
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