Sonntag, 19. November 2017


  • Pressemitteilung BoxID 681578

Für die Berufsausbildung der Zukunft müssen sich Institutionen und Unternehmen stärker vernetzen

Zweiter Branchen-Roundtable THE VIEW diskutiert neue Herausforderungen für die Ausbildung in der Medienbranche durch die digitale Entwicklung

Berlin/Potsdam, (lifePR) - Die Digitalisierung ist von exponentiellen Entwicklungen geprägt und stellt immer neue Anforderungen an technologiegetriebene Berufsbilder. Die Herausforderung ist, der Transformation mit progressiven Ausbildungsangeboten zu begegnen. Im Rahmen der Medienboard-Reihe THE VIEW diskutierten jetzt Branchenvertreter*innen aus VFX, VR und Games mit Politik, Hochschulen und der IHK die aktuelle Arbeitsmarktsituation in den digitalen Berufen am Standort Berlin-Brandenburg. Im Fokus stand die Frage, inwieweit Ausbildung und Hochschulstudium den Bedarf des Marktes u.a. an 3D-Gestalter*innen, 3D-Techniker*innen und Fachkräften für echtzeit-generierten Content abdecken und wie sich Ausbildungsprofile zeitgemäß gestalten lassen. Die Teilnehmer*innen sprachen sich für eine stärkere und strategische Vernetzung zwischen Lehre und Unternehmen aus. Die IHK sieht eine Möglichkeit in neuen Zusatzqualifikationen.

Besonders in der VFX-Branche sei ein starker Fachkräftemangel zu spüren, so die Geschäftsführer von TRIXTER Berlin, Martin Herzberg, und RISE FX, Robert Pinnow. Deutlich mehr Mitarbeiter*innen als der Markt momentan hergebe, könne TRIXTER beschäftigen. Die VFX-Branche wächst rasant. Herzberg suche händeringend qualifizierte Fachkräfte und müsse bereits Aufträge absagen. Pinnow ergänzt, dass das Auftragsvolumen in den nächsten Jahren noch einmal extrem ansteigen werde, besonders durch Eigenproduktionen von Streamingdiensten wie Netflix. Wichtig sei Herzberg und Pinnow eine kürzere Ausbildung mit Blick auf den Arbeitsmarkt sowie eine stärkere Verzahnung der Lehre mit den Unternehmen. Nicht ganz so drastisch scheint die Situation in der Gamesbranche. Auch hier wurde deutlich, dass es den Geschäftsführer*innen von Gamestudios wie Thoughtfish, Christina Barleben, oder Studio Fizbin, Sebastian Mittag, neben der formellen Ausbildung besonders auf Talent, Teamfähigkeit und Selbständigkeit ankomme. VFX- und Gamesbranche greifen auf viele internationale Fachkräfte zurück, was als positiv bewertet wird. Berlin-Brandenburg biete gute Arbeitsbedingungen, aber ein Problem sei das deutsche Lohn- und Steuersystem, das für Mitarbeiter, die nicht langfristig in Deutschland arbeiten möchten, eine Barriere sei. Hier müssten Hürden abgebaut werden, so Christina Barleben. Sven Haeberlein, Geschäftsführer Trotzkind, betont das Potenzial des Digitalstandorts, weist jedoch auf die große internationale Konkurrenz hin. In Deutschland müsse stärker in Innovationen und Ausbildung investiert werden. Sönke Kirchhof, Geschäftsführer INVR.SPACE, stellt Mitarbeiter*innen aus verschiedenen Branchen ein, da VR bisher kaum auf dem Lehrplan steht. Für ihn bliebe nur die Möglichkeit, selbst auszubilden, was Kirchhof durchaus auch als Aufgabe der Unternehmen sieht. Dennoch müsse die Ausbildung in Unternehmen sowie an Hochschulen deutlich stärker gefördert werden. Der Fachkräftemangel bedeute für fast alle Branchenvertreter*innen eine Herausforderung, besonders bei der Akquise hochqualifizierten Personals.

Um Expert*innen am Standort auszubilden und zu halten, müssten Hochschulen frühzeitig praxisbezogene Studienangebote konzipieren. Außerdem sei es wichtig, die exponentielle Entwicklung der neuen Berufe zu berücksichtigen, die eine komplexe Ausbildung nötig machen. Prof. Dr. Susanne Stürmer, Präsidentin der Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF, betont die Relevanz von Grundlagenvermittlung, die Anwendung in verschiedenen Systemen finden kann. Dabei gehe es neben der methodisch-formellen Lehre auch um Soft Skills wie lösungsorientiertes Denken und Teamfähigkeit. Um anschlussfähig zu bleiben, werden an der Filmuniversität aktuelle Schwerpunkte gesetzt, wie z.B. VR-Storytelling, oder praxisbezogene Master Classes angeboten. Prof. Susanne Brandhorst, Professorin HTW Berlin, gestaltet ein stark projekt- und praxisorientiertes Studienangebot. Der Diskurs und das Teamwork seien wichtig. Konzepte einer Kompetenz-orientierten Bildung sowie die Vermittlung von Methoden zur Gestaltung von Workflows seien auch im Studiengang GAME DESIGN zentrale Themen. Nur so könnten Fachkräfte langfristig auf die neuen Herausforderungen vorbereitet werden. Mit der CODE University of Applied Sciences, der ersten privaten Fachhochschule für Programmierer in Deutschland, ist seit dem Wintersemester 2017 ein neuer Player auf dem Markt. Angeboten wird laut Gründer Thomas Bachem ein angewandtes Studium mit Bezug zu aktuellen Inhalten und Technologien, bei dem Industriepartner eine wichtige Rolle spielen. Auf der einen Seite steht der Wunsch nach einer marktorientierten Ausbildung, auf der anderen das Selbstverständnis des deutschen Bildungssystems mit einem geschützten Raum für das Experimentieren. Dr. Thilo Pahl, IHK-Geschäftsführer Bildung & Beruf, äußerte sich offen gegenüber neuen Zusatzqualifikationen, die schneller implementiert werden könnten als gänzlich neue Ausbildungsfächer. Außerdem sei er als Ansprechpartner für die Branche auch offen für die Internationalisierung der Ausbildung (englisch-sprachige Angebote), um auf aktuelle Entwicklungen des Marktes einzugehen.

Björn Böhning, Chef der Berliner Senatskanzlei, wies auf die besonderen Herausforderungen der digitalen Berufsbilder hin. Die schnelle Entwicklung der technologiegetriebenen Berufe erfordere besondere Modelle zwischen Unternehmen und Lehre. Hier gelte es, frühzeitig adäquate Rahmenbedingungen für die Ausbildungsplätze der Audiovisual Creative Industries zu gestalten, um den Nachwuchs zu fördern und wettbewerbs- und zukunftsfähig zu bleiben. So könne die Attraktivität des Medienstandorts langfristig gesichert werden.

Sowohl Branche als auch Hochschulen und Ausbilder zeigten sich offen für einen strategischen Austausch. Die Konzeption zeitgemäßer, praxisorientierter Ausbildungen sei besonders bei den sich schnell entwickelnden, digitalen Berufen nötig. Auf Branchenseite sei die Gründung von Verbänden für die neuen Berufsbilder wichtig. Die Nachfrage nach Expert*innen im Bereich der Applied Interactive Technologies wird sich exponentiell entwickeln, so dass kurz- bis mittelfristig ein großer Bedarf an hoch qualifizierten Fachkräften entstehen wird.

Helge Jürgens, Geschäftsführer des Medienboard, begrüßte die Gäste in der Lounge im Turm am Frankfurter Tor. Zusammen mit Yasmin Stokinger, Projektmanagerin Standortentwicklung Medienboard, führte er durch den Abend. Mit THE VIEW sollen regelmäßig Branchenvertreter*innen an einem Roundtable zusammengebracht werden, um einen Diskurs zu den neuesten Entwicklungen und Herausforderungen der Berlin-Brandenburger Medienwirtschaft anzustoßen.

Die Teilnehmer*innen:
Politik: Björn Böhning, Staatssekretär und Chef der Senatskanzlei Berlin, Dr. Dietrich Reupke, Referatsleiter Film, Medien- und Netzpolitik Senatskanzlei Berlin
VFX: Robert Pinnow, Geschäftsführer RISE FX, Martin Herzberg, Geschäftsführer TRIXTER Berlin
VR: Sven Haeberlein, Geschäftsführer Trotzkind, Sönke Kirchhof, Geschäftsführer INVR.SPACE
Games: Christina Barleben, Geschäftsführerin Thoughtfish, Sebastian Mittag, Geschäftsführer Studio Fizbin
Hochschulen: Prof. Dr. Susanne Stürmer, Präsidentin Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF, Prof. Susanne Brandhorst, Professorin HTW Berlin, Thomas Bachem, Gründer CODE University of Applied Sciences
IHK Berlin: Dr. Thilo Pahl, Geschäftsführer Bildung & Beruf, IHK Berlin

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