Investment in Ölbohrplattform wird zur Katastrophe

Anleger verklagen Hamburger Emissionshaus HCI wegen Prospektfehlern / Verjährung der Prospekthaftungsansprüche droht zum 2.6.2011

(lifePR) ( München, )
Mehrere Dutzend Anleger des geschlossenen Fonds HCI Deepsea Oil Explorer GmbH & Co. KG fühlen sich durch den Verkaufsprospekt getäuscht und ziehen deswegen gegen das Hamburger Emissionshaus HCI vor Gericht: sie haben eine Sammelklage beim Landgericht Hamburg eingereicht und fordern eine knappe Million € Schadensersatz.

Die Anleger hatten sich in den Jahren 2008 und 2009 an einem geschlossenen Fonds des Hamburger Schiffsfonds-Initiators HCI zum Bau und Betrieb einer Ölbohrplattform beteiligt. Die Erkundungsplattform "Deep Sea Oil Explorer" sollte vor der Küste Brasiliens bis zu 2400 Meter tief nach Öl bohren, zunächst verchartert und sodann verkauft werden. Der halbstaatliche Energiekonzern Petrobras sollte dafür mindestens sieben Jahre lang eine Charterrate von über 300.000,- USD pro Tag bezahlen.

Im Prospekt war die Beteiligung als erfolgversprechende und abgesicherte Anlage dargestellt worden. Die brasilianische Regierung fördere seit Jahren die Öl- und Gasförderung durch umfangreiche Investitionen und staatliche Maßnahmen. Das typische Risiko von Bauzeitverzögerungen sollte laut Prospekt dadurch abgesichert sein, dass eine Versicherung abgeschlossen wurde, die bei verspäteter Lieferung der Plattform sowohl die fehlenden Brutto-Einnahmen als auch die hiermit in Zusammenhang stehenden Kosten und Schäden abdecke.

Tatsächlich hat sich nun die Bauzeit erheblich (etwa 1 Jahr) verzögert. Dies hat zu einer deutlichen Erhöhung der Investitionssumme von etwa 100 Mio USD geführt. Um eine Insolvenz abzuwenden, musste der Fehlbetrag durch zusätzliches Fremdkapital in Höhe von 67 Mio. USD aufgebracht werden (ca. 30 Mio. USD waren als Reserven vorhanden). Die Anleger werden daher bis 2018 erst einmal gar keine Ausschüttungen sehen. Wie viel sie dann von ihrem eingesetzten Kapital wieder zurück erhalten werden, ist völlig unklar. Es besteht die Gefahr, dass der Energiekonzern Petrobras aufgrund der Verzögerung den Chartervertrag kündigt. Die Anleger befürchten einen Totalverlust.

Nun hat sich herausgestellt, dass die angebliche Versicherung gegen Bauverzögerungen nicht greift, wenn die Bauverzögerung selbstverschuldet ist. Diese gravierende Einschränkung der maßgeblichen Versicherung war im Prospekt nicht erwähnt.

Rechtsanwältin Katja Fohrer aus der Münchner Kanzlei Mattil & Kollegen sieht erhebliche Prospektfehler: "Die tatsächlichen Risiken der Beteiligung werden völlig verharmlost, eine angebliche Absicherung wird vorgegaukelt, die auf verschiedenen Projektebenen insgesamt anfallenden Nebenkosten werden verschleiert und die Prognoseberechnungen beruhen nicht auf realistischen Tatsachengrundlagen. Wenn es um die Kosten geht, steht der Anleger ganz vorne, wenn es um die Gewinnverteilung geht, steht er - auch aufgrund der immensen Fremdfinanzierung von über 200 % bezogen auf das Eigenkapital - in der Kette ganz hinten! Dies hätte der Anleger wissen müssen." Sie fordert daher für ihre Mandanten vollen Schadensersatz in Höhe der Zeichnungssummen.

Da die Schadensersatzansprüche aus Prospekthaftung spätestens 3 Jahre ab Prospektveröffentlichung verjähren und der Prospekt am 2.6.2008 erstellt wurde, drohen die Schadensersatzansprüche von Anlegern, die bislang noch nicht geklagt haben, am 2.6.2011 zu verjähren. "Die Verjährung kann nur durch rechtzeitige Klage oder einen Antrag auf Durchführung eines Schiedsverfahrens bei einer staatlich anerkannten Gütestelle gehemmt werden. Danach ist der Initiator aus dem Schneider." warnt Rechtsanwältin Fohrer.

Die beiden Hamburger Emissionshäuser MPC und HCI hatten in den Jahren 2008 und 2009 gemeinsam für die Ölbohrplattform - mit jeweils eigenen Verkaufsprospekten - fast 210 Mio. USD an Anlegergeldern von etwa 5500 Investoren eingesammelt; zusammen mit den aufgenommenen Darlehen von ca. 460 Millionen USD ergab sich laut Prospekt ein Gesamtvolumen des Vorhabens von etwa 680 Mio. USD. Auf den verschiedenen Projektebenen sind dabei insgesamt ca. 100 Mio. USD an reinen Nebenkosten angefallen. Nur der Rest konnte tatsächlich in die Plattform fließen.
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