Landkreise Wetterau und Gießen wollen gemeinsam wertvolle Hutungen schützen

(lifePR) ( Gießen, )
Seit drei Jahren arbeiten Behörden, Gastronomen, Schäfer und Naturschützer gemeinsam in einem LIFE-Projekt der Europäischen Union an der Erhaltung und Sicherung der Hutungsflächen in der nördlichen Wetterau und im südlichen Landkreis Gießen. Jetzt wollen die Landkreise Wetterau und Gießen ihre Zusammenarbeit noch intensivieren.

Hutungen sind Flächen, die für die maschinenorientierte Landwirtschaft uninteressant geworden sind. An Kuppen und Bergen gelegen, oft steinig und mit dünner Humusschicht werden sie seit jeher als Weideflächen für Schafe und Ziegen genutzt. So haben sich im Laufe der Jahrhunderte wertvolle Biotope entwickelt, die auf diese Nutzung angewiesen sind. Magerrasenflächen mit seltenen Blumen und Gräsern locken ihrerseits wieder seltene Insekten an, die die Nahrungsgrundlage für Amphibien, Vögel und andere Kleintiere sind.

Dieser Kreislauf wird durch eine fehlende Nutzung unterbrochen, die Ökosysteme brechen zusammen. "Deshalb wollen wir mit dem Projekt "Wetterauer Hutungen" dazu beitragen, die Existenzgrundlage von Schäfern zu verbreitern und damit eine Voraussetzung zur Sicherung dieser Hutungsflächen schaffen", erläutert Christian Sperling, Regionalmanager in der Wetterau für das LIFE-Projekt.

Es sei unsinnig, solche Projekte auf enge Verwaltungsgrenzen zu beschränken, weil die Menschen das nicht interessiere. Vielmehr stehe das Produkt im Vordergrund, erläuterte Wetterau-Landrat Joachim Arnold: "Wir wollen die Verbraucherinnen und Verbraucher mit allen Sinnen ansprechen. Das spricht für das Lammfleisch aus der Region. Davon können alle Beteiligten profitieren", sagte er bei einem Treffen mit seiner Gießener Amtskollegin Anita Schneider.

Sie bestätigte, dass sich das durch die EU geförderte LIFE-Projektgebiet nicht nur auf den Verwaltungsbezirk Landkreis Wetterau erstrecke, sondern eben auch auf den östlichen Teil des Landkreises Gießen mit ein schließe. Ziel dieses EU-Projektes sei es, durch Maßnahmen zum Erhalt und der Wiederherstellung naturnahe Lebensräume beizutragen. Deshalb sei klar, dass an dieser Stelle durch die im Projekt Beteiligten auch eine intensive landkreisübergreifende Zusammenarbeit stattfinde. Hierzu gehöre auch, das Bewusstsein für regionale Produkte in der Bevölkerung vor Ort zu schärfen. Schließlich kommen die Lebensmittel nicht nur aus dem Supermarkt, sondern aus dem eigenen Naturraum, beispielsweise das Lammfleisch. Dieser Ansatz werde auch durch unterschiedliche Marketingansätze für die Direktvermarktung, wie sie sowohl im Landkreis Wetterau als auch im Landkreis Gießen durch die Wirtschafts- und Tourismusförderungen betrieben würden, unterstützt.

Die Angebote vom Lammfleisch in der Region sind breit. Norbert Weil, Metzger aus Hungen, hat sich damit sogar ein Alleinstellungsmerkmal verschafft. "Ich vermarkte ausschließlich deutsches Lammfleisch und deutsches Rindfleisch mit einem riesigen Erfolg. Denn die Qualität ist eindeutig besser als von Lammfleisch aus Übersee, vor allem in geschmacklicher Hinsicht. Das hat auch etwas mit der Ernährung der Lämmer zu tun. Das kann man einfach schmecken."

Weil wirbt dafür, nicht nur das Edelfleisch im Blick zu haben, auch Hackfleisch und Bratwurst vom Lamm sind hervorragende Produkte. Das bestätigt auch Reiner Neidhart von Neidharts Küche in Karben. "Ich bin immer wieder erstaunt, was bei uns in der Wetterau alles erzeugt wird. Wer auf regionale Kost zurückgreift, der tut nicht nur etwas für Leib und Seele, sondern auch für den Umweltschutz. Die Produkte aus der Region haben eine Geschichte, die auch für die Kunden nachvollziehbar sind. Wichtig ist für mich als Gastronom der Kontakt zu den Erzeugern. Da habe ich Einfluss auf die Produkte. Ich kann beispielsweise dem Metzger sagen, dass er die Wurst nur mit Salz und Pfeffer und ohne Geschmacksverstärker herstellen soll."

Hintergrund: Wetterauer Hutungen - 65 Teilflächen

Die Wetterauer Hutungen werden derzeit in 65 Teilflächen erhalten. Flächen, die über das LIFE-Projekt gepachtet oder angekauft worden sind oder ohnehin schon im Besitz der Kommunen oder des Landes sind.

Vor dem Projektstart im Jahr 2010 waren viele dieser Flächen in einem eher schlechten Erhaltungszustand. Der Grund dafür war nicht etwa die zu starke Nutzung, sondern das genaue Gegenteil. Hutungen sind meistens sehr magere Flächen, die für die Landwirtschaft uninteressant sind, weil sie schwer oder gar nicht zu bewirtschaften sind und sich eigentlich nur als Weideland für Schafe und Ziegen eignen. Wenn diese Beweidung ausbleibt, verbuschen die Flächen mit Brombeeren und Schlehen, später werden sie zu Wäldern. Die ursprüngliche Vegetation geht zurück.

Das LIFE+ Projekt "Wetterauer Hutungen", das noch bis Ende 2014 läuft, soll langfristig die Magerrasenflächen mit ihren gefährdeten Tier- und Pflanzenarten sichern. Voraussetzung dafür ist eine regelmäßige Beweidung, für die teilweise erst die Voraussetzungen geschaffen werden müssen, etwa durch die maschinelle Beseitigung von Brombeer- und Schlehenhecken.

"Vieles ist in den ersten drei Projektjahren geschehen. Insbesondere durch den Wetterauer Lamm- und Landgenuss haben sich die kulinarischen Angebote erheblich verbessert und gleichzeitig auch die Nachfrage nach hochwertigem Lammfleisch aus der Region. Ein Weg, den wir in dieser Richtung weitergehen", so Landrat Joachim Arnold.
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