Montag, 20. November 2017


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Roswitha Haftmann-Preis für deutschen Künstler Sigmar Polke

Der höchstdotierte europäische Kunstpreis, der Roswitha Haftmann-Preis, geht 2010 an den deutschen Künstler Sigmar Polke

Zürich, (lifePR) - Der Stiftungsrat der Roswitha Haftmann-Stiftung vergibt 2010 den mit CHF 150'000.- dotierten Roswitha Haftmann-Preis an den Maler, Grafik- und Fotokünstler Sigmar Polke.
Der 1941 in Schlesien geborene und heute in Köln lebende Sigmar Polke zählt zu den bedeutendsten Künstlern der Gegenwart. Seit vierzig Jahren hat er mit Stilen, Themen, Materialien und einer Haltung experimentiert, welche die Rolle der Kunst und des Künstlers mit ins Betrachtungsfeld hob. Damit hat Polke Wesentliches zur Erneuerung der Malerei beigetragen.

Die grosse Konstante im Werk des vielseitigen Künstlers ist das gerasterte Bild, mit dem Polke seit den frühen 60er Jahren in vielen Erscheinungsformen arbeitet. Gleichzeitig experimentiert er mit fotochemischen Methoden und schafft malerische Fotografien, die das Prozesshafte ihrer Entstehung betonen und seine Malerei bis heute beeinflussen. Nach einer Weltreise präsentierte er 1982 an der Documenta 7 rätselhafte, dunkel und violett schimmernde Werke von wilder Schönheit. In ihnen kommen moderne, künstliche Pigmente zum Einsatz, die Polke mit Petrol und Benzin bearbeitet. Spätere Werke zeugen von seiner eingehenden Beschäftigung mit antiker Farbherstellung. Polke agiert mit grosser, universalistischer Sachkenntnis, gilt als «Alchemist». Er setzt neben gewöhnlichen, vorfabrizierten Stoffen auch kostbare Mineralien wie Lapislazuli und Malachit ein, wählt Lacke und Metalle als Bedeutungsträger. Der Prozess des Entstehens, das Beobachten und Freisetzen eines Eigenlebens des Materials ist immer gegenwärtig.

Der Akt des Malens ist eine bewusst riskierte Interaktion zwischen der Materie und dem Gestaltungswillen des Künstlers. Damit etablierte er einen neuen, evidenten Abstraktionsbegriff, der das Materielle als Zentrum und Durchgangsstation ins Visier nimmt. Vorstellungen von reiner Malerei, reiner Natur oder Romantik evoziert er spektakulär und hinterfragt gleichzeitig kühl eine von Mächten des Marktes, der Politik und den Medien geprägte Gesellschaft.

Überzeugt ist die Jury des Roswitha Haftmann-Preises auch von Polkes jüngsten Arbeiten:
Fenster für das Grossmünster in Zürich. Der gelernte Glasmaler hat dort gleichermassen kraftvolle wie sensible Bilder geschaffen - figurative und abstrakte Meisterwerke aus Achaten und Glas.

In Anerkennung dieser in ihrer Gesamtheit ausserordentlichen künstlerischen Leistungen verleiht der Stiftungsrat ihm den Roswitha Haftmann-Preis.

SIGMAR POLKE

Sigmar Polke, 1941 in Oels/Schlesien geboren, flüchtete 1945 nach Tübingen und später nach Düsseldorf, wo er sich zum Glasmaler ausbilden liess. An der Kunstakademie Düsseldorf studierte er bei Karl Otto Goetz und Gerhard Hoeme. Bekanntheit erlangte er zusammen mit Gerhard Richter und Konrad Fischer-Lueg. Gemeinsam begründeten sie die Malweise des «Kapitalistischen Realismus». Seit 1963 ist Polke mit Ausstellungen im In- und Ausland präsent, darunter auch im Kunsthaus Zürich. Von 1977 bis 1991 lehrte er als Professor an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg. Seit 1978 lebt und arbeitet er in Köln.

Früh wurden ihm erste Auszeichnungen zuteil. Nach bedeutenden Retrospektiven in den USA und Deutschland erhielt er im Jahr 2000 den Kaiserring der Stadt Goslar. Auf den Praemium Imperiale (2002) folgt 2010 Europas höchstdotierte Auszeichnung für zeitgenössische Künstler, der Roswitha Haftmann-Preis.

STIFTUNG UND PREISTRÄGER

Sigmar Polke ist der zehnte Künstler, dem Europas höchstdotierter Kunstpreis zuteil wird.
Andere Preisträger waren Walter de Maria, Maria Lassnig, Jeff Wall, Robert Ryman, Peter Fischli und David Weiss, Mona Hatoum, Richard Artschwager, Douglas Gordon und Vija Celmins.

Die Auszeichnung geht auf eine Initiative von Roswitha Haftmann (1924-1998) zurück. Seit 2001 vergibt ihre Stiftung den Preis alle ein bis drei Jahre an lebende Künstlerinnen und Künstler, deren Werk von überragender Bedeutung ist. Das Vermächtnis der ebenso schönen wie vermögenden Galeristin wird seitdem viel beachtet. Wer den Preis erhält, wird vom Stiftungsrat bestimmt. Ihm gehören die Direktoren des Kunstmuseums Bern, des Kunstmuseums Basel, des Museum Ludwig in Köln und des Kunsthaus Zürich an. Hinzu kommen Mitglieder, die im Stiftungsbrief persönlich benannt sind oder vom Stiftungsrat berufen werden. Weitere Informationen über die Stifterin, die Jury, den Preis und die Preisträger unter www.roswithahaftmann- stiftung.com.

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