Sonntag, 19. November 2017


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Gerhard Marcks und sein Freundeskreis

Weimarer Auftakt zum 100-jährigen Bauhaus-Jubiläum zeigt ungewöhnliche Positionen im und nach dem Bauhaus

Weimar, (lifePR) - Zur Themenseite

Der Bildhauer Gerhard Marcks (1889–1981) gehörte 1919 zu den ersten Lehrern am Bauhaus in Weimar und trat dort wie kaum ein zweiter Künstler für die Erneuerung aller Künste durch das Handwerk ein. Um Marcks bildete sich ein Netzwerk treuer Mitstreiter, die dieses künstlerische Selbstverständnis über Schulen und Gemeinschaften bis weit über Europa hinaus verbreiteten. Unter dem Titel »Wege aus dem Bauhaus. Gerhard Marcks und sein Freundeskreis« präsentiert die Klassik Stiftung Weimar vom 17. August bis 5. November 2017 gemeinsam mit dem Gerhard-Marcks-Haus in Bremen erstmals eine umfassende Ausstellung zu diesem einzigartigen Künstlerkreis. Sie eröffnet damit einen neuen Blick auf ein Bauhaus jenseits von Industrie und Typisierung.

»Wir zeigen Gerhard Marcks nicht von ungefähr als ersten großen Beitrag Weimars im Hinblick auf das 100-jährige Gründungsjubiläum des Bauhauses 2019«, betont Wolfgang Holler, Generaldirektor Museen der Klassik Stiftung Weimar. »Nach dem Zweiten Weltkrieg war die erste von den Kunstsammlungen zu Weimar veranstaltete Bauhaus-Ausstellung 1958 in der Kunsthalle am Theaterplatz, dem jetzigen Bauhaus-Museum, Gerhard Marcks gewidmet. Nun präsentiert die Klassik Stiftung in ihrer letzten großen Bauhaus-Ausstellung vor der Eröffnung des neuen Bauhaus-Museums diesen außerordentlichen Künstler.« Arie Hartog, Direktor des Gerhard-Marcks-Hauses in Bremen, unterstreicht: »Es ist wichtig, Marcks in diesem Kontext zu sehen. Man kennt ihn als figürlichen Bildhauer und die wenigsten verstehen den Bezug zum Bauhaus.«

Gerhard Marcks zählte neben Ernst Barlach, Georg Kolbe und Wilhelm Lehmbruck zu den bedeutendsten figürlich arbeitenden Bildhauern in Deutschland. 1919 von Walter Gropius an das Staatliche Bauhaus Weimar berufen, leitete er als Formmeister von 1920 bis 1924 die Keramikwerkstatt in Dornburg. Mit seinen Schülerinnen und Schülern, wie der Keramikerin Marguerite Friedlaender-Wildenhain (1896–1985), dem Silberschmied Wolfgang Tümpel (1903–1978) oder dem Maler Johannes Driesch (1901–1930), suchte Marcks nach einer Synthese von Keramik, Plastik und Malerei, um die getrennten Sphären der Kunst und des Lebens zu versöhnen. Die einsetzende Ausrichtung des Bauhauses auf die Herstellung von Prototypen für die industrielle Produktion lehnten Marcks und sein Kreis als Anhänger des traditionellen handwerklichen Ethos ab und nahmen den Umzug des Bauhauses nach Dessau zum Anlass, eigene Wege zu gehen.

Mit über 200 hochkarätigen Exponaten, darunter Skulpturen, Zeichnungen, Gemälden und Keramiken, zeichnet die Ausstellung die gemeinsamen Anfangsjahre in Dornburg nach, begleitet die Künstler und ihren fruchtbaren Ideenaustausch nach der Bauhauszeit und über die Jahre der nationalsozialistischen Herrschaft hinweg bis in die USA. Höhepunkte sind insbesondere die »Abstrakte Figur« von Oskar Schlemmer, das Relief »Frau und Säugling« von Gerhard Marcks sowie Keramiken von Marguerite Friedlaender-Wildenhain aus Kalifornien und Metallobjekte von Wolfgang Tümpel.

Essentiell für die Konzeption der Ausstellung waren die Forschungsergebnisse des DFG-Projekts »Bewegte Netze. Bauhaus-Angehörige und ihre Beziehungsnetzwerke in den 1930er- und 1940er-Jahren« der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg und der Universität Erfurt. Eine in diesem Rahmen entstandene interaktive Medienstation sowie fotografische und filmische Dokumentationen machen den künstlerischen Ideentransfer des Freundeskreises bis zu Marcks‘ Tod 1981 greifbar.

>> Zum Interview mit Kuratorin Anke Blümm im Blog der Klassik Stiftung Weimar

Ein umfassendes Rahmen- und Vermittlungsprogramm flankiert die Schau. Unter anderem führen Künstler, Kunsthistoriker und Handwerker die Besucher in drei dialogischen Gesprächsrundgängen durch die Ausstellung. Für die ganze Familie bietet das »Formlabor« Gelegenheit, ausgehend von den Exponaten eigene Kannen, Becher und Vasen zu entwerfen.

Das Formlabor in Weimar ist ein Projekt des Programms Bauhaus Agenten – eine Initiative der Kulturstiftung des Bundes und der Klassik Stiftung Weimar / bauhaus museum weimar, der Stiftung Bauhaus Dessau und des Bauhaus-Archiv / Museum für Gestaltung, Berlin.

Die Ausstellung »Wege aus dem Bauhaus. Gerhard Marcks und sein Freundeskreis« wird gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes, den Freistaat Thüringen, die Art Mentor Foundation Lucerne, die Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen und die Sparkasse Mittelthüringen.

Nach Ende ihrer Weimarer Laufzeit ist die Ausstellung »Wege aus dem Bauhaus. Gerhard Marcks und sein Freundeskreis« vom 26. November 2017 bis 4. März 2018 im Gerhard-Marcks-Haus in Bremen zu sehen.

Weimarer Ausstellungsdaten

»Wege aus dem Bauhaus.
Gerhard Marcks und sein Freundeskreis«
17. August bis 5. November 2017
Neues Museum Weimar
Weimarplatz 5 |99423 Weimar
Di, Mi 10–18 Uhr Do 12–20 Uhr Fr–So 10–18 Uhr
www.klassik-stiftung.de/marcks

Eintritt

Erw. 5,50 Euro |erm. 3,50 Euro | Schüler (16–20J.) 1,50 Euro
Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren frei

Kombiticket

Ausstellung & Bauhaus-Museum Weimar am Theaterplatz
Erw. 8 Euro | erm. 5,50 Euro | Schüler (16–20J.) 2 Euro
Gültig für die Dauer der Ausstellung

Öffentliche Führungen

jeden So | 11 Uhr
Erw. 3 Euro | erm. 1 Euro | zzgl. Eintritt

Kuratorenführungen mit Anke Blümm

20. August 2017 | 11 Uhr
5. November 2017 | 11 Uhr
Erw. 3 Euro | erm. 1 Euro | zzgl. Eintritt

Familienführung »Liebe Bauhausfreunde«

27. August 2017 | 14 Uhr
17. September 2017 | 14 Uhr
1. Oktober 2017 | 14 Uhr
29. Oktober 2017 | 14 Uhr
Teilnahme kostenfrei, zzgl. Eintritt

Teilnahme kostenfrei, zzgl. Eintritt

Klassik Stiftung Weimar








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