Montag, 20. November 2017


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»Die da oben machen eh, was sie wollen.«

Warum Langzeitarbeitslose oft nicht wählen gehen

Köln, (lifePR) - Seit Jahren sinkt die Wahlbeteiligung – eine Entwicklung, die eine Regierungsform über kurz oder lang in eine Legitimationskrise führen muss. Wenngleich die Wahlverweigerung alle Schichten übergreift, sind in besonderem Maß die Langzeitarbeitslosen vertreten, die sich von der »Scheindemokratie« abgehängt und ignoriert fühlen. Nun umfasst das Recht der Wahlfreiheit auch die Verweigerung, doch wenn die Entscheidung dazu eine Konsequenz der gesellschaftlichen Entwicklung ist, zeigt sich darin ein großes Problem der demokratischen Ordnung.

Die Studie »Gib mir was, was ich wählen kann.« Demokratie ohne Langzeitarbeitslose? Motive langzeitarbeitsloser Nichtwähler/innen, herausgegeben von der Denkfabrik – Forum für Menschen am Rande, fragt nach den Gründen für dieses Verhalten und möchte die Bedürfnisse und Lebenswirklichkeiten von Menschen am Rand der Gesellschaft stärker in den Blick bringen. Im Gegensatz zu anderen Studien haben in diesem Fall auch die Interviewer selbst Erfahrungen mit Langzeitarbeitslosigkeit und können daher mit den Befragten auf Augenhöhe kommunizieren. So kommen unbefangene, tiefgreifende Gespräche zustande, in denen auch etwa aus Scham verschwiegene oder verdrängte Erfahrungen und Ansichten ausgesprochen werden. Gleichzeitig wird durch eine theoretische und methodologische Schulung und Nachbereitung der wissenschaftliche Standard gesichert.

Zwanzig Interviewer führten insgesamt 66 Gespräche, von denen 44 für diese Publikation ausgewertet wurden, acht repräsentative Interviews werden verkürzt wiedergegeben. Dabei kommen Mitmenschen verschiedenen Alters und Geschlechts, mit unterschiedlichen Lebensläufen, Ausbildungssituationen und politischen Orientierungen zu Wort, deren Gemeinsamkeit die Erfahrung der Langzeitarbeitslosigkeit und ihrer Folgen ist. Die Ergebnisse zeichnen das Bild einer sehr heterogenen Gruppe und korrigieren das Klischee des faulen und ignoranten Schmarotzers, der an seiner Situation selbst Schuld ist. So sind Langzeitarbeitslose durchaus politisch interessiert, möchten an der Gesellschaft teilhaben und suchen eine Arbeit, von der sie leben können. Und sie »sind es leid, dass viel über uns, aber weniger mit uns geredet wird, dass jeder glaubt, uns genau zu kennen, gleichzeitig aber unsere Meinung ignoriert wird.« Sie sind enttäuscht, unzufrieden und begegnen der Politik mit Misstrauen, aber – und das ist eine wichtige Botschaft an Politik und Gesellschaft – sie haben die Tür noch nicht zugeschlagen.

Denkfabrik – Forum für Menschen am Rande, Sozialunternehmen NEUE ARBEIT gGmbH Stuttgart (Hrsg.)

"Gib mir was, was ich wählen kann." – Demokratie ohne Langzeitarbeitslose?

Motive langzeitarbeitsloser Nichtwähler/innen

2017, 356 S., 8 Abb., 213 x 142 mm, dt.
ISBN 978-3-86962-293-4

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