Pharmaindustrie - Harter Kampf um Top-Präparate

Marktkommentar / Claus Johansen, Senior Portfolioadviser von Danske Invest

(lifePR) ( Kopenhagen/Lyngby, )
Auslaufende Patente und Generika stellen Pharmaunternehmen bei der Entwicklung neuer erstklassiger Arzneimittel vor große Herausforderungen. Dennoch besitzen ausgewählte Unternehmen derzeit milliardenschwere Verkaufsschlager und bieten daher interessante Investmentchancen.

Wenn Sie sich als Anleger für Pharmaaktien interessieren, sollten Sie wachsam sein. Denn heutzutage können sich Pharmaunternehmen nicht mehr darauf ausruhen, neue Medikamente zu entwickeln, die nur marginal besser sind als das vorherige Präparat. Extrem billige Generika und ein ausgeprägtes Kostenbewusstsein bei privaten Krankenkassen stellen die Arzneimittel der Zukunft vor große Herausforderungen. Um Ärzte und Versicherungen an der Verschreibung von Generika zu hindern, muss die deutlich teurere Alternative auch deutlich besser sein.

In der Vergangenheit wurden einfach die besten Produkte verkauft. Das ist heutzutage nicht mehr der Fall. Derjenige, der bezahlen muss, möchte nur noch das bezahlen, was nötig ist - und die privaten Krankenkassen beispielsweise in den USA aber auch in Deutschland und ganz Europa sind sehr anspruchsvoll. Wenn das beste und teuerste Produkt nicht deutlich besser ist und nicht weniger Krankentage bzw. weniger Krankenhausaufenthalte zur Folge hat, ist das zweitbeste Präparat gut genug.

Beispiel Pharmamarkt USA

88 Prozent aller Rezepte in den USA entfallen heutzutage auf extrem billige Generika. Daher sind die restlichen zwölf Prozent hart umkämpft. Gelingt es dann einem Unternehmen ein Präparat zu entwickeln, das 20 bis 30 Prozent besser ist als das vorherige Top-Produkt, kapitulieren die Versicherungsgesellschaften und zücken die Geldbörse.

Dennoch ist zahlreichen Unternehmen die Entwicklung von Arzneimitteln geglückt ist, die deutlich besser sind als vorherige Medikamente, so dass sie damit viel Geld verdienen. Dazu zählt u.a. das amerikanische Biotechnologieunternehmen Gilead, das ein Präparat zur Behandlung von Hepatitis C entwickelt hat - einer ansteckenden Infektionskrankheit, die zu schweren Leberschädigungen führen kann.

1.000 Dollar am Tag

Das Unternehmen hat ein neues Präparat auf den Markt gebracht, das 1.000 Dollar am Tag kostet. Die Behandlung dauert zwölf Wochen. Somit summieren sich die Behandlungskosten auf mehr als 60.000 Euro, aber danach gilt man auch als nahezu geheilt. Die Versicherungsgesellschaften und der Staat können so letztendlich die Kosten für teure Krankentage und langwierige Krankenhausaufenthalte sparen. Deshalb sind sie auch bereit, diese teure Behandlung zu bezahlen.

Ein anderes Unternehmen ist Novartis, das ein neues Präparat gegen Herzversagen entwickelt hat. Man geht davon aus, dass dieses neue Arzneimittel 20 Prozent besser ist als das zweitbeste Medikament am Markt. Das hat Novartis Aufwind gegeben. Auch für die Immuntherapie gegen aggressiven Hautkrebs sind neue, deutlich bessere Medikamente auf den Markt gekommen, von denen die Pharmaindustrie gut leben kann. Ein Arzneimittel des Pharmaunternehmens Merck, das 150.000 Dollar pro Jahr kostet, durchläuft derzeit den Zulassungsprozess bei den amerikanischen Gesundheitsbehörden. Dabei handelt es sich um ein Medikament, das bei Patienten eingesetzt werden kann, bei denen kein anderes Präparat anschlägt und für das es deshalb keine Alternativen gibt. Das dänische Unternehmen Novo Nordisk setzt dagegen große Erwartungen auf ein Medikament, das den Durchbruch bei der Behandlung von Fettleibigkeit bringen könnte - eine Krankheit, deren Folgekrankheiten enorme Behandlungssummen verschlingen.

Selektive Titelauswahl

Als Investor sollte man sich darüber im Klaren sein, dass eine Anlage in Pharmaunternehmen durchaus riskant ist. Deshalb sollte man seine Investitionen streuen. Das Medikament eines Unternehmens kann in Bedrängnis kommen, wenn ein anderes Präparat auf den Markt kommt, das wirksamer ist oder weniger schwere Nebenwirkungen hat. Dies kann wiederum die Gewinne und den Aktienkurs beeinträchtigen. Bei der Anlage muss daher sehr selektiv vorgegangen werden und das Potenzial ins Verhältnis zum Risiko gesetzt werden. Zu den Beständen der europäischen und globalen Aktienfonds von Danske Invest, in denen Pharmatitel enthalten sind, gehören u.a. der Europe Focus Class A, Denmark Focus Class A und Europe High Dividend Class A.

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