Mittwoch, 20. September 2017


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Aufgezeichnete Wirklichkeit: von der kriminalistischen Spurensuche zur künstlerischen Recherche

Arwed Messmer, RAF. No Evidence/Kein Beweis

Ostfildern, (lifePR) - Zur RAF existiert eine Vielzahl von Bildern, doch sind es meist nur einige wenige, die sich wirklich ins kollektive Gedächtnis eingeschrieben haben. Kannte die studentische Generation der 1970er-Jahre noch den toten Holger Meins oder die 1980 im stern veröffentlichten Fotografien der Todesnacht von Stammheim, so denkt man heute noch an die Raster der Fahndungsplakate oder an die Inszenierung und Zurschaustellung des entführten Hanns Martin Schleyer vor der Kamera.

Dass Fotografien im Laufe der Zeit ihre Lesbarkeit ändern, dass sie ihre ursprüngliche Funktion gegen einen neuen Erkenntniswert eintauschen – diese Erfahrung machte Arwed Messmer vor zehn Jahren, als seine intensive Auseinandersetzung mit Archiven und Bildsammlungen von Gebrauchsfotografien einsetzte. Ausgangspunkt für Messmers neues Projekt RAF. No Evidence/Kein Beweis sind die bisher zumeist unbeachtet gebliebenen Aufnahmen von Polizeifotografen – Fotos von Demonstrationen, Tatortbilder und erkennungsdienstliche Aufnahmen –, die er in verschiedenen staatlichen Archiven gesichtet hatte. Messmer stellt hier die Frage, wie diese ehemalige kriminalistische Spurensuche heute als künstlerische Recherche produktiv werden kann – im Sinne einer anderen Erkenntnis über diese Zeit.

Messmers Bildzusammenstellung spannt den Bogen von den Jahren 1967 bis 1977, von der Ermordung Benno Ohnesorgs und den Berliner Studentenprotesten über die Anfänge der RAF hin zur multiplen Gewaltentladung des Deutschen Herbstes 1977. Seine Methode des zweiten Blicks fördert Bilder zutage, die sich auf den Filmstreifen neben den Aufnahmen befinden, von denen einige wenige Geschichte geschrieben haben. In diesem Sinne weisen Messmers Quellen eine andere Perspektive auf, als sie dem klassischen Fotojournalismus eigen ist. Operiert Letzterer mit den Mitteln der Verdichtung und Zuspitzung des Ausschnitts und des entscheidenden Moments, so kennzeichnet die Perspektive der Polizeifotografie ein nüchterner, alles umfassender Blick, der für Messmer ein riesiges Reservoir für ein späteres Editing und eine Nachbetrachtung der Geschichte ist.

Angesichts der funktionalen Kälte des kriminalistischen Blicks stellt sich die Frage nach der Empathie mit den abgebildeten Menschen und Dingen. Doch ist Empathie eine dem fotografischen Blick inhärente Qualität oder entsteht sie erst durch die medialen Kontexte, in denen das Bild erscheint, vielleicht gar durch das Interesse, das man der aufgezeichneten Wirklichkeit entgegenbringt?

RAF. No Evidence/Kein Beweis ist nach Reenactment MfS, Inventarisierung der Macht. Die Berliner Mauer aus anderer Sicht und Zelle die vierte Publikation von Arwed Messmer, die bei Hatje Cantz erscheint. Die Begleitausstellung wird noch bis zum 3. September im Museum Folkwang zu sehen sein; danach wandert sie weiter zur Biennale für aktuelle Fotografie in Ludwigshafen/Mannheim/ Heidelberg.

HATJE CANTZ

Hatje Cantz ist ein international wegweisender Fachverlag für Kunst, Architektur und Fotografie. Seit 1945 produziert und verlegt Hatje Cantz mit fundierter Expertise, Begeisterung für das Handwerk und einem konsequent hohen Qualitätsanspruch individuelle Publikationen. Aktuell erscheinen jährlich rund 200 neue Titel im Verlagsprogramm.

Hatje Cantz versteht sich, insbesondere auch im digitalen Zeitalter, als Bindeglied zwischen Museen, Künstlern, Galerien, Sammlern und Kunstinteressierten. Die Vermittlung von Wissen – inhaltlich wie visuell – sowie die Begeisterung für Kunst stehen stets im Fokus des Engagements. Als konsequente Fortführung des Portfolios und um den Anspruch Kunst auch über das Medium Buch hinaus erfahrbar zu machen, lanciert Hatje Cantz im Rahmen der EDITION GERD HATJE u.a. Arbeiten auf Papier, Fotoarbeiten und Kunstobjekte in streng limitierten, signierten Auflagen.

www.hatjecantz.de

www.editiongerdhatje.com

 

 

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