Sonntag, 24. Juni 2018


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Ein Jahr mit Höhen und Tiefen

Der Möbelhandel ist mit dem Jahr 2017 weniger zufrieden, aber für 2018 optimistisch

Köln, (lifePR) - Der Möbel-, Küchen- und Einrichtungsfachhandel hat im Jahr 2017 einen um 0,5 Prozent höheren Umsatz erzielt als im Vorjahr und liegt nun bei 33,6 Milliarden Euro Jahresbrutto­umsatz. Dies ergibt sich aus Hochrechnungen auf Basis des Standes Oktober 2017. Für 2018 rechnet der BVDM mit einer leicht steigenden Nachfrage.

Möbel und Küchen sind Produkte, für die es zum stationären Verkauf nur wenige sinnvolle Alternativen gibt. Daher liegt der Online-Umsatzanteil weiterhin deutlich unter zehn Prozent. Denn die Living-Branchen sind Wohlfühl-Branchen. Wohnen und Einrichten hat in Deutschland traditionell einen hohen Stellenwert. Die Deutschen lieben es, sich zu Hause schön einzurichten, Gäste zu empfangen und gemeinsame Abende in behaglichem Ambiente oder beim gemeinsamen Kochen zu verbringen.

Die Rahmenbedingungen in Deutschland sind für die Einrichtungs­branche gut: Die Beschäftigungsquote ist weiter auf Rekordniveau, das verfügbare Einkommen ist auch im vergangenen Jahr ge­stiegen. Die Furcht, den Arbeitsplatz zu verlieren, ist angesichts der niedrigsten Arbeitslosenquote seit der Wiedervereinigung gering. Die Kaufbereitschaft der Verbraucher sollte angesichts einer nied­rigen Inflationsrate und des extrem niedrigen Zinsniveaus auch bei größeren Anschaffungen - wie es typischerweise Möbel und Küchen sind - stark ausgeprägt sein.

Dennoch war das zurückliegende Jahr eher von Kaufzurückhaltung geprägt. Dafür gibt es mehrere Gründe: Vielbeschäftigte Menschen haben weniger Zeit zum Einkaufen. Auch der Möbelhandel hat sich mit rückläufigen Frequenzen auseinanderzusetzen. Er unternimmt viel, um Kunden in seine Häuser zu bekommen. Die Branche ist für die Tageszeitungen mittlerweile der zweitgrößte Anzeigenkunde, in manchen Regionen die Nummer 1. Auch die Umbrüche in Gesellschaft und Politik tragen zu einem weniger offensiven Kaufverhalten bei. Schließlich dämpfen die derzeit langen Lieferzeiten bei Küchen den Umsatz, der statistisch erst bei der Lieferung und noch nicht bei der Bestellung zu Buche schlägt.

Die Branche konzentriert sich weiter

Die Möbel- und Küchenbranche ist immer noch eine generell mittelständische geprägte Einzelhandelsbranche, auch wenn die Konzentration fortschreitet und Großunternehmen weiterwachsen. Vertriebsformen jeglicher Art begegnen sich hier im Wettbewerb. Vom Mitnahmemarkt über das spezialisierte Fachgeschäft bis hin zum großen Wohnkaufhaus und dem Onlinehandel reicht das vielseitige Angebot. Der Verbraucher kann frei wählen, wo er sich für seine Bedürfnisse am besten beraten und bedient fühlt, ob für ihn der Preis oder eine gute Auswahl und eine fachkundige Beratung im Vordergrund stehen.

Dank starker Einkaufsverbände, zu denen mehr als 80 Prozent aller Handelsbetriebe mit mehr als 60 Prozent Anteil am Branchen­umsatz gehören, können in dieser Branche auch kleinere und mittlere Unternehmen erfolgreich arbeiten.

Neben den großen Wohnkaufhäusern zählen die spezialisierten Fachgeschäfte zu den Gewinnern der Branche. Im Küchenhandel werden über 40 Prozent des Küchenabsatzes von Küchenspezial­häusern und Küchenfachmärkten erwirtschaftet, in keinem anderen Sortimentsbereich ist dies so stark ausgeprägt.

Der SB-Bereich einschließlich des Anteils der branchenfremden Vertriebswege wie Baumärkte für den Bereich der Klein- und Mitnahmemöbel, macht ein Viertel des Umsatzes aus. Discount-Verhältnisse wie bei Gütern des täglichen Bedarfs sind bei Möbeln nicht vorstellbar. Die Top-Ten im deutschen Möbelhandel erwirtschafteten im Jahr 2017 über 50 Prozent des Branchen­umsatzes und haben damit weiter Marktanteile hinzugewonnen. Befeuert wird das Wachstum im Wesentlichen durch die Über­nahme bestehender Unternehmen. Dies erklärt auch, warum der Flächenzuwachs sich im vergangenen Jahr abgeschwächt hat: Es wird weniger neu gebaut, es werden häufig bestehende Flächen übernommen. Insgesamt verfügt der deutsche Möbelhandel über rund 23 Millionen Quadratmeter Verkaufsfläche. Hiervon werden 5,7 Millionen Quadratmeter – das ist ein Viertel der Fläche - von 165 Häusern mit mehr als 25.000 Quadratmetern Verkaufsfläche betrieben.

Online-Handel weiter auf Wachstumskurs

Die Vertriebsform der online bestellten Möbel gewinnt weiter an Bedeutung. Knapp 3 Milliarden Euro brutto, also gut 8 Prozent des Gesamtumsatzes, wurden 2017 mit Möbeln, Küchen und Einrichtungsgegenständen erwirtschaftet.

Gegenwärtig dominieren zwar noch immer die auf den Distanzhandel spezialisierten Unternehmen, allerdings hat sich hier auch der beratende, stationäre Handel zum komplementären Vertriebskanal entwickelt. Dies ist deutlich an den Multichannel-Aktivitäten der Marktführer zu erkennen, die entweder ihre bisherigen Bemühungen intensivieren oder neu in den Online-Vertrieb eingestiegen sind. Es wird allerdings auch immer deutlicher, dass es zumindest bei komplexen planungs- und beratungsintensiven Produkten nicht völlig ohne stationäre Präsenz geht. Der traditionelle Handel ist daher gefordert, sich den Heraus­forderungen des Online-Handels zu stellen, seine Kernkompeten­zen, die Beratung, individuelle Planung und die fachgerechte Lieferung und Montage der Möbel und Küchen mit den Tools des Onlinehandels zu verbinden.

Hilfreich ist, dass der Gesetzgeber von der Notwendigkeit des neuen Berufs des E-Commerce-Kaufmanns/der E-Commerce-Kauffrau überzeugt werden konnte, in dem ab August 2018 erstmals ausgebildet werden kann. Der Handelsverband Deutschland hat gemeinsam mit weiteren Trägern der beruflichen Bildung die Ausbildung ausgearbeitet und informiert die Unternehmen deutsch­landweit in Veranstaltungen der Kammern und Verbände Nun kommt es darauf an, dass die für den Handel zuständigen Berufs­schulen auch die Ausbildung im Bereich des E-Commerce-Handels übertragen bekommen.

Boxspringbetten unangefochtener Megatrend

Betrachtet man die Sortimentsbereiche, so sind Küchenmöbel mit 25 Prozent Umsatzanteil nach wie vor die stärkste Warengruppe, auch wenn diese aufgrund der Insolvenz eines großen Herstellers im vergangenen Jahr Umsatzanteile verloren hat. Dies resultiert daraus, dass sich durch den Wegfall dieses Herstellers die Liefer­fristen insgesamt deutlich verlängert haben und rechnerisch durch die im Schnitt um vier Wochen verzögerte Auslieferung nur gut elf Monate in 2017 umsatzwirksam waren.

Zweitgrößte Warengruppe sind die Polstermöbeln mit 22 Prozent gefolgt von den Schlafzimmermöbeln mit 13 Prozent, wobei be­sonders Boxspringbetten unverändert ein absoluter Verkaufs­schlager - allerdings zu Lasten der sonstigen Schlafzimmermöbel - sind. Wohnzimmermöbel runden das Bild mit elf Prozent Umsatz­anteil ab.

Virtual Reality wird Realität

Für die ersten technisch guten Virtual- und Augmented-Reality-Anwendungen ist der Einrichtungshandel ideal. Erstmals ist es in guter Qualität möglich, Kunden die neue Einrichtung oder Küche ganzheitlich in hoher Qualität zu zeigen und so die eher jüngeren und technikaffineren Kunden für Anschaffungen zu begeistern. Die Entwicklung steht zwar noch in den Anfängen, birgt aber erheb­liches Potential für die kommenden Jahre. Der Möbel- und Küchen­handel wird sich darauf einstellen und investiert in entsprechende Technik.

Logistik entwickelt neue Standards

Doch was nützt die schönste neue Welt, wenn auf der profanen Realitätsseite die Prozesse nicht stimmen. Daher beschäftigt sich der Möbel- und Küchenhandel seit geraumer Zeit auch mit Fragen der Lieferlogistik. Sowohl auf dem Weg vom Hersteller zum Händler wie auch auf dem Weg zum Kunden, der letzten Meile. Im Projekt ZIMLog (ZukunftsInitiativeMöbelLogistik) haben sich Handel, Industrie und Möbelspeditionen sowie deren Verbände AMÖ, BVDM und VDM zusammengefunden. Hierbei werden auf Basis einer zuvor durchgeführten wissenschaftlichen Untersuchung gemeinsam mit Unternehmen aus Industrie, Handel und Speditionen Szenarien und Lösungsansätze für die Herausforderungen in der Transport­logistik - vom Fahrermangel über funktionierende EDV-Erfassungs­systeme bis hin zu komplexen Verteilsystemen - entwickelt. Erste verwertbare Ergebnisse in Form eines einheitlichen Datenstandards wie auch verschiedener Handlungsempfehlungen wurden 2017 vor­gestellt und können von allen Marktteilnehmern zentral über die Website des Daten Competence Center kostenlos abgerufen und genutzt werden.

Klassifizierung und Standardisierung dringend notwendig

Schnell zeigt sich, dass die Herausforderungen der Logistik nicht ohne eine weitere Klassifizierung und Standardisierung von Möbeln und Küchen zu meistern sind. Beim Verein eClass wird daher seit Anfang 2017 mit Hochdruck an einem Klassifizierungssystem für Möbel und Küchen gearbeitet, das es erleichtern wird, Möbel und Küchen in elektronischen Systemen umfassend zu beschreiben und so der Logistik und dem Online-Vertrieb den Weg zu bereiten. Der BVDM ist an diesen Entwicklungen maßgeblich beteiligt und arbeitet zusammen mit IWOfurn in dem vom Bundeswirtschaftsministerium geförderten Forschungsprojekt FURNeCorp zu CRM-Prozessen im Möbelhandel mit, das am Messemittwoch, 17.01.2018 um 13.30 Uhr im CC Nord seine bisherigen Ergebnisse präsentieren wird.

Politik und Bürokratie schießen über Ziele hinaus

Exemplarisch für die Regelungswut der europäischen Bürokratie ist die Novelle der Energieverbrauchskennzeichnungsverordnung, nach der sämtliche Geräte in ein neues Klassifizierungssystem eingeordnet werden müssen. In Ausstellung, Werbung und Web­shop müssen in kürzester Frist alle Energieklassen ausgetauscht werden und in entsprechender Form angebracht bzw. eingearbeitet werden. Personell und vor allem fehlerfrei wird dieser Austausch im Handel nicht zu bewerkstelligen sein und beweist einmal mehr, dass es der Brüsseler wie auch der Berliner Politik und Bürokratie am nötigen Augenmaß mangelt, die notwendigen Prozesse im Handel richtig zu beurteilen. Der BVDM erarbeitet zurzeit einen Brief, der gezeichnet von namhaften Unternehmen und Einkaufskoopera­tionen der Branche an das Bundeswirtschaftsministerium gerichtet ist und auf die Unzulänglichkeiten der künftigen Regelungen hinweist.

9.000 Unternehmen mit 100.000 Beschäftigten

Zur Möbel-, Küchen- und Einrichtungsbranche im engeren Sinn zählt das statistische Bundesamt rund 9.000 Unternehmen. Diese Zahl liegt ebenso wie die Zahl der Beschäftigten im Einrichtungs­handel mit 100.000 Menschen auf Vorjahresniveau.

Im gesamten deutschen Einzelhandel, in dem rund 2,7 Millionen Menschen - davon 1,4 Millionen in Vollzeit - beschäftigt sind, stehen derzeit 110.000 junge Leute in einem Ausbildungsverhältnis.

Aus- und Weiterbildung an der Fachschule des Möbelhandels

Die Branche benötigt gut qualifizierte Fachkräfte in allen Bereichen, da Möbel und Küchen beratungsintensive Produkte sind. Deshalb setzt sich der BVDM für die Ausbildung des Branchennachwuchses ein und unterstützt als ideeller Träger die Fachschule des Möbel­handels (Möfa) in Köln-Lindenthal. Seit mehr als 75 Jahren werden an der Fachschule des Möbelhandels junge Menschen für eine Tätigkeit in der Möbelbranche qualifiziert. Die Zahl der Absolventen liegt inzwischen weit über 20.000. Die Fachschule, die zugleich Berufskolleg für die Betriebe im Rheinland ist und ihre Absolventen sind sehr gefragt und haben beste Berufschancen.

Gemischte Erwartungen für das Jahr 2018

Die Rahmenbedingungen für das Jahr 2018 sind grundsätzlich gut. Von Januar bis Oktober 2017 wurde in Deutschland der Bau von 286.300 Wohnungen genehmigt. Wie das Statistische Bundesamt mitteilt, waren das zwar 7,3 Prozent weniger als im gleichen Vor­jahreszeitraum, der allerdings eine Boomperiode mit über 20 Pro­zent Zuwachs im Vergleich zu 2015 darstellte. Von den in den ersten zehn Monaten 2017 genehmigten Wohnungen waren 247.000 Neubauwohnungen in Wohngebäuden (minus 4,6 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum). Gegen diesen Wert stiegen in Mehrfamilienhäusern die Baugenehmigungen um 1,1 Prozent und erreicht mit 140.700 genehmigten Wohnungen den höchsten Zu­wachs seit 20 Jahren. Die im Jahr 2010 begonnene positive Ent­wicklung bei den Baugenehmigungen im Wohnungsbau setzt sich somit fort, auch wenn sie in 2017 auf hohem Niveau eine kleine Delle erfahren hat.

Die imm cologne prägt die Branche und stärkt die Stellung der Deutschen Möbel- und Küchenbranche

Der deutsche Möbelhandel baut auf die imm cologne. Er rechnet durch die Messe mit positiven Ausstrahleffekten auf die Öffent­lichkeit und mit zusätzlichen Kaufimpulsen. Möbel und Einrichten rücken in der dritten Januarwoche verstärkt in den Fokus der Medien und ganz besonders der Menschen im Rheinland. Der Stellenwert von schönem Wohnen bekommt dadurch qualitative und quantitative Impulse.

Der deutsche Möbelhandel wird sich den genannten Herausforde­rungen stellen. Viele Unternehmen haben in den letzten Jahren in ihre Ausstellungen und die Qualität ihrer Mitarbeiter investiert. Die Möbelkäufer bekommen erstklassige Ware zu besten Preisen in kundenfreundlichem Ambiente mit Erlebnischarakter und werden von gut ausgebildeten Mitarbeitern beraten. Innerhalb des euro­päischen Möbelhandels nimmt der deutsche Möbelhandel daher zu Recht eine vorbildliche Rolle ein und spielt ganz vorne mit.

Der BVDM auf der imm cologne 2018, 15. – 21.01.2018 mit einem Stand auf dem Messeboulevard, Stand B 013, gegenüber Halle 4 mit folgenden Partnern:


Fachschule des Möbelhandels (Möfa)
Sachverständigenrat beim BVDM
Interseroh Dienstleistungs GmbH
Thaddäus Rohrer Unternehmensberatung
IWOfurn Service GmbH


Am Donnerstag, 18. Januar 2018 findet von 18.00 bis 20.00 Uhr am BVDM-Stand der BVDM-Treff als abendliches Get-together der Mitglieder und Partner des BVDM sowie der Absolventen, Dozenten und Studierenden der Möfa statt, zu dem der BVDM herzlich einlädt.

Handelsverband Möbel und Küchen (BVDM)

Der Handelsverband Möbel und Küchen (BVDM) ist die berufspolitische und branchenfachliche Interessenvertretung des Fachhandels mit Möbeln, Küchen und Einrichtungsgegenständen in Deutschland. Der Verband vertritt die Interessen von rund 9.000 Unternehmen an rund 10.000 Standorten mit ca. 100.000 Beschäftigten. Der BVDM gehört als Fachverband dem Handelsverband Deutschland (HDE) an. Seine acht Landesverbände betreuen den Möbel-, Küchen- und Einrichtungsfachhandel der Handelsorganisation vor Ort.

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