Georg Fischer: Massnahmen des Strukturprogramms greifen

Halbjahresbericht per 30. Juni 2009 Georg Fischer AG

(lifePR) ( Schaffhausen, )
Der Halbjahresabschluss des Georg Fischer Konzerns widerspiegelt die globale Krise der Märkte. Der Umsatz liegt 39% unter dem Wert des ausgezeichneten ersten Halbjahrs 2008. Das Betriebsergebnis (EBIT) beträgt CHF -122 Mio., einschliesslich CHF 59 Mio. einmalige Sonderbelastungen für das laufende Strukturprogramm. GF Automotive und GF AgieCharmilles waren besonders hart getroffen, während GF Piping Systems weniger stark litt. Das im Mai 2009 veröffentlichte Strukturprogramm ist auf Kurs und zeigt bereits positive Auswirkungen, die sich im Verlaufe des Jahres noch verstärken werden. Die Betriebs- und Personalkosten im ersten Halbjahr 2009 wurden gegenüber der Vorjahresperiode um 26% gesenkt.

Der Konzern erzielte im ersten Halbjahr 2009 einen Umsatz von CHF 1 448 Mio. gegenüber CHF 2 383 Mio. im Vorjahr. Bereinigt um Währungseffekte und Veränderungen im Konsolidierungskreis beträgt der Rückgang 38%. GF Automotive und GF AgieCharmilles verloren rund die Hälfte ihres Umsatzes, GF Piping Systems 15%. Die Marktkrise erfasste alle Segmente und Regionen, wenn auch in unterschiedlichem Ausmass.

Das Betriebsergebnis (EBIT) vor Sonderbelastungen per Mitte 2009 beträgt CHF -63 Mio. Die getroffenen Massnahmen zeigten zunehmend Wirkung, sodass der operative Verlust vor Sonderbelastungen im zweiten Quartal gegenüber dem ersten um 60% reduziert werden konnte. Zusätzlich enthält der Halbjahresabschluss einmalige Sonderbelastungen auf Stufe EBIT in Höhe von CHF 59 Mio. Der Konzernverlust im Halbjahr beläuft sich auf CHF -139 Mio.

Der Freie Cashflow liegt bei CHF -125 Mio. Die Debitoren und die Lagerbestände wurden um CHF 139 Mio. reduziert. Der Umsatzrückgang und die Kürzung der Investitionen führten zu einem starken Rückgang der Lieferantenverbindlichkeiten. Dieser Effekt wurde deutlich verstärkt, weil das Produktionsvolumen tief gehalten wurde, um die Lager abbauen zu können. In der Folge ist das Nettoumlaufvermögen leicht angestiegen. Die Investitionen in Sachanlagen wurden im Vergleich zur Vorjahresperiode deutlich um 20% auf CHF 72 Mio. gesenkt. Durch den negativen Freien Cashflow hat sich die Nettoverschuldung auf CHF 702 Mio. erhöht. Mit den Banken wurden neue Kreditbedingungen (Covenants) für den Syndikatskredit ausgehandelt, welche eingehalten werden. Ein neuer Kreditvertrag wird erarbeitet. Die Eigenkapitalquote präsentiert sich mit 42% nach wie vor sehr solide.

Strukturprogramm zeigt Wirkung

Georg Fischer hat im ersten Halbjahr 2009 ein breit angelegtes Strukturprogramm eingeleitet, um bis 2012 die Gesamtkosten des Konzerns nachhaltig um CHF 350 Mio. zu reduzieren. Das Ziel ist, im Jahr 2010 ein positives Betriebsergebnis zu erreichen und spätestens im Jahr 2012 wieder eine EBIT-Marge von 8% zu erzielen sowie die Nettoverschuldung auf unter CHF 400 Mio. zu senken. Georg Fischer geht davon aus, dass im Jahr 2009 die Talsohle erreicht, ein tragfähiger Aufschwung aber erst 2011 zu erwarten ist.

Die Umsetzung des Strukturprogramms ist in vollem Gang. Es umfasst einschneidende Kostensenkungen, Kapazitäts- und Strukturanpassungen sowie Devestitionen von nicht betriebsnotwendigen Vermögenswerten. Der Konzern hat darüber am 28. Mai 2009 informiert. Die Massnahmen werden grösstenteils bis Ende 2009 vollzogen sein. Sie belasten die Jahresrechnung 2009 mit einmaligen Aufwendungen von rund CHF 100 Mio. Davon sind CHF 59 Mio. im Halbjahresabschluss 2009 enthalten.

Die bereits realisierten Sparmassnahmen haben im ersten Halbjahr 2009 zu einer Senkung des Betriebs- und Personalaufwands um CHF 260 Mio. oder 26% geführt. Auch im Juni 2009 wurde die Kurzarbeit auf tieferem Niveau fortgesetzt. Betroffen sind aktuell 4 000 Mitarbeitende. Dort, wo keine Kurzarbeit möglich ist, wurde die Arbeitszeit reduziert und das Gehalt entsprechend angepasst. Die Fixgehälter der Konzernleitung und von 250 oberen Führungskräften wurden ab Mai um 10% gekürzt, das Fixsalär respektive die Bezüge des CEO und des Verwaltungsrates um 20%.

Die drei Unternehmensgruppen vollziehen zahlreiche, nachhaltig wirksame Strukturanpassungen.

GF Piping Systems konzentriert die Produktion bei Georg Fischer TPA S.r.l. in Italien an einem Standort in Busalla und fasst die schweizerischen Haustechnik-Aktivitäten unter dem Dach der neu akquirierten Georg Fischer JRG AG in Sissach zusammen. Per 1. Juli 2009 wurde die gesamte Organisation gestrafft.

GF Automotive passt die Strukturen und Produktionskapazitäten der Nachfrage an. Im Bereich Leichtmetall wurde die Druckgiesserei in Gleisdorf bereits verkauft. Für das Werk in Garching laufen die Verkaufsverhandlungen. Der Standort Herzogenburg wird verschlankt und umstrukturiert. Die Fertigung in Kanada wird derzeit nach China verlegt.

GF AgieCharmilles beschleunigt angesichts der andauernden Marktkrise die Fokussierung der Produktionsstandorte in der Schweiz. Die Produktion in Schaffhausen wird bis zum Herbst an den Standort Nidau verlagert. Die weltweite Verkaufsorganisation wurde in den vergangenen Monaten gestrafft. Die Massnahmen zur Senkung der Kosten, zur Verkleinerung der Produktpalette und zur Beschleunigung der Produktentwicklung werden vorangetrieben.

Die Umsetzung des Strukturprogramms führt im Konzern insgesamt zu einer Reduktion des Personalbestands gegenüber Jahresende 2008 um rund 2 300 Stellen oder 16%. Im ersten Halbjahr 2009 wurden weltweit bereits rund 1 300 Stellen abgebaut.

Unternehmensgruppen

GF Piping Systems verzeichnete einen Umsatz von CHF 529 Mio. Dies entspricht einem Umsatzrückgang von 15% gegenüber der sehr starken Vorjahresperiode, bereinigt um Währungseffekte und Akquisitionen von 22%. Dies ist unter anderem auch auf einen ungewöhnlich kalten Winter zurückzuführen, der das Infrastrukturgeschäft beeinträchtigte. Am wenigsten Einbussen erlitten die Verkäufe in Amerika und Asien, während sie in Europa stärker nachgaben. Der Betriebserfolg EBIT vor Sonderbelastungen zeigte insbesondere im zweiten Quartal eine steigende Tendenz und liegt im Halbjahr bei CHF 30 Mio. (ROS 6%). Das neue Fittingwerk in Ratnagiri (Indien) hat die Produktion aufgenommen. Es ermöglicht lokalen Kunden, den grossen Bedarf der indischen Wasser- und Gasversorgung abzudecken. Die letztes Jahr eröffnete Produktion in Malaysia erfreut sich eines guten Auftragseingangs. In China nimmt dieses Jahr ein weiteres Werk den Betrieb auf. Eine Belebung zeichnet sich vor allem im Infrastrukturgeschäft (Wasser- und Gasversorgung) ab. Insgesamt geht die Unternehmensgruppe im zweiten Halbjahr 2009 von einer leichten Verbesserung der Märkte aus.

GF Automotive litt unter dem massiven Absatzeinbruch seiner Kunden im PKW- und vor allem im LKW-Bereich. Der wichtige Markt Deutschland zeigte im Mai und Juni eine leichte Besserung, vor allem dank Abwrackprämie und Steuererleichterungen. Der insgesamt rapide Rückgang des Umsatzes um 48% auf CHF 626 Mio. führte im ersten Halbjahr trotz Restrukturierungs- und Kostensenkungsmassnahmen zu einem operativen Verlust vor Sonderbelastungen von CHF -44 Mio. Der EBIT liegt im Halbjahr bei CHF -83 Mio. Auch bei GF Automotive ist ein positiver EBITTrend festzustellen. Die Lager der Kunden im PKW-Bereich sind mittlerweile weitgehend abgebaut, die Talsohle scheint daher erreicht zu sein. Der Nutzfahrzeugmarkt wird erst 2010/11 wieder wachsen. Aussagen über das zweite Halbjahr 2009 sind nach wie vor sehr schwierig, denn die Visibilität ist äusserst gering. Im Mai wurde die erste Eisengiesserei von GF in China, die weltweit modernste Anlage dieser Art, offiziell in Betrieb genommen. Die Leichtmetallgiesserei in Suzhou hat erfolgreich gearbeitet und den Umsatz um 22% gesteigert. GF Automotive festigt seine Position im mittlerweile grössten Fahrzeugmarkt der Welt. Die derzeitige Krise hat den Trend zu sparsameren, leichteren Fahrzeugen noch verstärkt. GF Automotive arbeitet mit mehreren Kunden bereits im Entwicklungsstadium an Leichtbaulösungen für Nachfolgemodelle.

GF AgieCharmilles befindet sich in einer angespannten Situation. Einige Märkte wie Japan oder Europa sind derzeit fast völlig zum Erliegen gekommen. Das wirkt sich nicht nur auf die Maschinenverkäufe, sondern auch auf das Servicegeschäft aus, da die installierten Maschinen nur reduziert im Einsatz sind. Der Auftragseingang liegt 58% unter Vorjahr, der Umsatz mit CHF 293 Mio. um 46% tiefer als im Vorjahr. Ein Einbruch dieser Grössenordnung ist trotz intensiver Massnahmen zur Kostensenkung (-29%) nicht kurzfristig verdaubar. Immerhin beginnen die bisher getroffenen Massnahmen nun verstärkt zu greifen. Der EBIT vor Sonderbelastungen liegt bei CHF -46 Mio.; die Sonderbelastungen für Restrukturierungen betragen CHF 6 Mio. Eine Markterholung ist aktuell nicht in Sicht. Einzig in China sind positive Signale aus dem Markt zu vermelden. Dort führte GF AgieCharmilles im Juni ihre erste lokal entwickelte und gefertigte Fräsmaschine ein.

Ausblick 2009/2010, Strategie

Es gibt Anzeichen, dass GF Automotive und GF Piping Systems die konjunkturelle Talsohle erreicht haben; bei GF AgieCharmilles bleiben die Aussichten unsicher. Georg Fischer geht heute davon aus, dass sich 2009 die Nachfrage insgesamt auf tiefem Niveau einpendelt. Das Unternehmen rechnet für das Jahr 2009 bei stagnierenden oder sich nur langsam erholenden Märkten mit einer Umsatzeinbusse von rund einem Drittel gegenüber dem Vorjahr. Die zunehmende Wirkung der Strukturmassnahmen sollte sich im zweiten Halbjahr 2009 auf das operative Ergebnis auswirken und im Jahr 2010 zu einem positiven EBIT führen.

Georg Fischer setzt das Strukturprogramm mit Nachdruck um. Die meisten Massnahmen werden im zweiten Semester abgeschlossen sein. Damit passt sich das Unternehmen rechtzeitig den veränderten Marktbedingungen an.

Georg Fischer hält an seiner langfristigen Strategie fest. Die Unternehmensgruppen nutzen gezielt ihre Chancen in den Wachstumsmärkten. Der Ausbau von GF Piping Systems wird kontinuierlich fortgesetzt.
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