Arterielle Aneurysmen - Wie die Zeitbomben entdeckt und entschärft werden können

Dies konnte Privatdozent Dr. med. Claus-Georg Schmedt, Chefarzt der Klinik für Gefäßchirurgie des Diakonie-Klinikums, am vergangenen Dienstagabend rund 70 interessierten Besuchern der DIAKademie in der VHS schwäbisch Hall anschaulich näher bringen

(lifePR) ( Schwäbisch Hall, )
„Der Mensch ist so alt wie seine Gefäße“ zitiert Dr. Schmedt den deutschen Pathologen Rudolf Virchow (1821-1902) und weist darauf hin, welche zentrale Bedeutung das Gefäßsystem für die Gesundheit des Menschen hat. Sowohl bei der Vorbeugung und  Diagnostik, als auch bei der Therapie von Gefäßerkrankungen sei die Zusammenarbeit verschiedener medizinischer Fachrichtungen und Berufsgruppen besonders wichtig. Die Klinik für Gefäßchirurgie, das Institut für Radiologie (Chefarzt Prof. Dr. med. Martin Libicher) und weitere Fachabteilungen des Diakonie-Klinikums sowie niedergelassene Ärzte in Schwäbisch Hall sind seit mehr als 10 Jahren als Interdisziplinäres Gefäßzentrum zertifiziert. In Folge der demographischen Entwicklung und der hohen Patientenzufriedenheit kann das Gefäßzentrum am Diak seit Jahren stetig steigende Patientenzahlen verzeichnen.

Das Gefäßsystem des Menschen ist komplex und bei Störungen können zahlreiche Erkrankungen ausgelöst werden. Man unterscheidet das Schlagadersystem (Arterien), vom Venensystem und dem Lymphsystem. In allen drei Gefäßsystemen kann es zu Verstopfungen, Erweiterungen und Entzündungen kommen.

Der Informationsabend stand unter dem Zeichen krankhafter Erweiterungen von Schlagadern, sog. Arterieller Aneurysmen. Die häufigste Ursache hierfür ist die Arteriosklerose, d.h. Schlagaderverkalkung bzw. vorzeitige Gefäßalterung. Diese Erkrankung führt meist zu Einengungen der Schlagadern mit dem Risiko für Durchblutungsstörungen der Beine (Schaufensterkrankheit, Raucherbein), des Herzens (Herzinfarkt) oder des Gehirns (Schlaganfall). In Folge der Arteriosklerose können sich jedoch auch Erweiterungen ausbilden. Weitere Ursachen für Aneurysmen können Infektionen, Gefäßverletzungen und genetische Defekte sein. Die beiden häufigsten Aneurysmen wurden genauer vorgestellt. Zunächst das Aneurysma der Hauptschlagader (Aorta) und dann das Aneurysma der Knieschlagader (Arteria poplitea).

Lange Zeit verursachen Aneurysmen kaum Beschwerden und fallen meist erst bei Routineuntersuchungen aus Zufallsbefund auf. Die Gefahr von Aortenaneurysmen ist das mögliche Einreißen der Wand (Ruptur) mit lebensgefährlicher innerer Blutung. Aneurysmen der Kniearterien können zur Verschleppung von Blutgerinnseln (Embolie) in die  Unterschenkelschlagadern führen. In den Aussackungen der Gefäßwand bilden sich Blutgerinnsel, die sich ablösen und die kleineren Gefäße im Unterschenkel verschließen können. Wird ein Aneurysma oder ein solcher Verschluss nicht rechtzeitig erkannt, kann es zum Absterben von Gewebe und schlimmstenfalls zum Verlust des Unterschenkels kommen.  Um solche gefährlichen Notfälle zu vermeiden, wies Dr. Schmedt auf die Wichtigkeit von Vorsorgeuntersuchungen hin. „Aneurysmen, die frühzeitig erkannt werden, können heutzutage sehr gut behandelt werden“. Besonders gefährdet sind Menschen, in deren Familie bereits Aneurysmen vorkamen und Männer über 65 Jahren. Frauen sind eher selten betroffen. Raucherinnen, Frauen mit hohem Blutdruck und Frauen mit Verkalkungen an Beinarterien sollten dennoch ebenfalls Vorsorgeuntersuchungen mit Ultraschall (Duplex-Sonographie) wahrnehmen.

Die richtige Therapie muss von Patient zu Patient individuell festgelegt werden. Die Basisbehandlung besteht in einer medikamentösen Blutdruckeinstellung und Cholesterinsenkung, der Gabe von Acetylsalicylsäure (ASS) und der Reduktion von Risikofaktoren (nie wieder rauchen!). Engmaschige Kontrollen müssen in jedem Fall stattfinden. Operativ gibt es verschiedene Möglichkeiten. Bei einer offenen OP kann ein Gefäßersatz des betroffenen Bereichs durch eine körpereigene Vene oder eine Gefäßprothese aus Kunststoff erfolgen oder ein Bypass gelegt werden, wobei der betroffene Bereich des Gefäßes verschlossen und der Blutfluss umgeleitet wird. Bei minimal-invasiven OP-Verfahren kann insbesondere beim Aortenaneurysma meist auf einen Bauchschnitt verzichtet werden. Hier werden über kleine Schnitte in der Leiste individuell angefertigte Gefäßstützen (Stentprothesen) direkt in das erkrankte Gefäß eingeführt und so das Aneurysma abgedichtet und das Einreißen der Wand sicher verhindert.

Dr. Schmedt stand den Besuchern im Anschluss noch für Fragen zur Verfügung. Für Interessierte findet am Mittwoch, 15.02.2017, ab 19 Uhr eine Wiederholung des Vortrags im Rahmen der „DIAKademie unterwegs“ in der VHS-Außenstelle Vellberg statt. 
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