Montag, 18. Juni 2018


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Bis auf die Knochen abgemagert - auch höhere Butterpreise beenden Elend in der Milchproduktion nicht!

Aktion: Europäische Bäuerinnen und Bauern rufen EU-Kommission auf, freiwillige Mengenreduktion in GAP zu verankern

Hamm, (lifePR) - Abgemagert bis auf die Knochen steht sie vor dem Gebäude der EU-Kommission inmitten von Milchpulverbergen – die Milchkuh, die die europäischen Bürger mit ihrer Milch versorgt. Um sie herum wehen die Flaggen zahlreicher europäischer Länder, gehalten von den Bäuerinnen und Bauern, die diese Milch täglich melken. Auch sie gebeutelt von den stetig wiederkehrenden Milchkrisen. Trotz aktuell höherer Butterpreise befindet sich der Milchsektor in einem chronisch schlechten Zustand, da ein Mechanismus zum Abwehren von Krisen in der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) fehlt.

Die Krisenhäufigkeit im Sektor ist alarmierend und hat in den vergangenen Jahren nicht allein zur Aufgabe vieler Betriebe, sondern zudem zur starken Destabilisierung bestehender Höfe geführt. Wie Sieta ven Keimpema, Vizepräsidentin des European Milk Board (EMB), berichtet, gehen erzwungene Einsparungen nicht selten auf Kosten der Tierfürsorge ­– Stichwort Lebensdauer ­– sowie der Arbeits- und Lebensbedingungen der Bauern und ihrer Familien. „Es ist ein auszehrendes Geschäft für das letzte Glied in der Milchkette, dem die Politik bis dato keinen Einhalt geboten hat. Die Kosten, die für die Produktion nun mal anfallen, werden durch große Wettbewerbsverzerrungen im Milchmarkt seit Jahren stark unterdeckt“, so van Keimpema.

In einer heute veröffentlichten Studie, welche die Kosten fünf wichtiger Milcherzeugungsländer kalkuliert, ist diese Unterdeckung dokumentiert. Selbst sogenannte "bessere Jahre" konnten dieses Defizit nicht beseitigen: Seit 2012 kommt Frankreich im Durchschnitt auf eine jährliche Unterdeckung von 21 Prozent, die Niederlande auf 23 Prozent, Deutschland auf 22 Prozent sowie Belgien auf 24 und Dänemark auf 17 Prozent.

Details zu dieser internationalen Studie des Büros für Agrarsoziologie finden Sie hier

Um es mit aller Deutlichkeit zu sagen: Die Landwirte fordern keine Subventionen für die Milcherzeugung. Es braucht endlich einen Mechanismus, der den Sektor vor weiteren schwerwiegenden Krisen bewahrt. Der dabei so flexibel ist, dass er das Wachstum des Sektors nicht behindert und auch steigende Nachfragen bedient werden können. Dieser Mechanismus muss in der GAP rechtlich verankert werden. Denn wie die Vergangenheit deutlich zeigt, erfolgen die Reaktionen auf Krisen ohne diese Verankerung zu spät und laufen zudem oft ins Leere.

Konkret geht es darum, die Beobachtungsstelle für den Milchmarkt um einen fest installierten Mechanismus zu ergänzen, mit dem im Krisenfall die Produktion zeitlich befristet begrenzt oder reduziert werden kann.

Die Ausbeutung im Milchsektor kann eingedämmt und die chronisch mageren und schmerzhaften Zeiten können reduziert werden, wenn zukünftig ein Gesetzesartikel in der GAP freiwillige Mengenreduzierungen in Krisenzeiten nachhaltig regelt.

Marktverantwortungsprogramm – MVP


Das MVP ist ein Programm für den EU-Milchsektor, das zum Einsatz kommt, wenn der Milchmarkt aus dem Gleichgewicht zu geraten droht. Eine Kombination aus Marktbeobachtung und -reaktion ermöglicht es, drohende Krisen zu erkennen und in einem 3-Stufen-Programm auf sie zu reagieren


Krisen erkennen – Marktindex


Über einen Marktindex, der sich aus der Entwicklung von Produktnotierungen, Milchpreisen und Erzeugungskosten (Marge) zusammensetzt, können Krisen antizipiert werden.
Liegt der Index über 100, decken die Preise die Produktionskosten – der Markt ist stabil, es besteht kein Handlungsbedarf. Fällt der Index unter die Schwelle von 100, liegt keine Kostendeckung vor. Ist die Kostenunterdeckung zu groß, wird das Marktverantwortungsprogramm gestartet.



Reaktion auf Krisen – Einsatz des MVP
Die Anwendung des MVP ist in 3 Stufen vorgesehen:

    1. Frühwarnung (Absinken des Index um 7,5 %)


Monitoringstelle spricht Frühwarnung aus
Öffnung der privaten Lagerhaltung
Anreizprogramme für zusätzlichen Verbrauch wie Vollmilchkalberzeugung
Milchmast von Färsen, etc.
Stufe bleibt solang erhalten, bis sich Index wieder bei 100 befindet


     2. Krise (Absinken des Index um 15 %)


Krise wird von der Monitoringstelle offiziell festgestellt und bekannt gegeben
Zentrale Elemente des Marktverantwortungsprogramms werden gestartet
Bezugszeitraum wird festgelegt
Ausschreibung freiwilliger Lieferverzicht (mind. 5 %), Bonus für Produktionsreduktion
Marktverantwortungsabgabe für steigernde Betriebe ab dem ersten Kilogramm


     3. Phase Obligatorische Kürzung (Absinken des Index um 25 %)


Allgemeinverbindliche Rückführung der Milchanlieferung um 2–3 % für einen definierten Zeitraum, zum Beispiel 6 Monate


Ende der Krise – Aufhebung der Krisenmaßnahmen

Entwickelt sich der Index wieder in Richtung 100 Punkte und sind die Prognosen der Monitoringstelle für den weiteren Marktverlauf positiv, so kann die Krise für beendet erklärt werden. Zu diesem Zeitpunkt enden sämtliche produktionsbeschränkende Maßnahmen. Eingegangene Verpflichtungen auf freiwilliger, vertraglicher Basis enden vereinbarungsgemäß.

Hier finden Sie mehr Details zum MVP

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