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Pressemitteilung BoxID: 387063 (Ernst & Young AG)
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Eurozonen-Banken: faule Kredite auf Rekordniveau

Banken der Eurozone haben 2013 so viele notleidende Kredite in den Büchern wie nie zuvor: insgesamt 918 Milliarden Euro / Spanische und italienische Institute besonders stark betroffen / Abbau notleidender Kredite überwiegend erst ab 2014 / Deutsche Banke

(lifePR) (Stuttgart, ) Angesichts der schwachen Wirtschaftsentwicklung können immer mehr Unternehmen und Bürger in der Eurozone ihre Kredite nicht mehr fristgerecht zurückzahlen. Die Folge: Die Banken kämpfen mit einem wachsenden Berg an faulen Krediten - Krediten also, die sehr wahrscheinlich nicht oder nicht vollständig bedient werden können. 2013 fallen in der Eurozone 7,6 Prozent der Kreditsumme in diese Kategorie, das entspricht 918 Milliarden Euro - ein neuer Rekordwert. Besonders stark betroffen sind die Banken in Spanien und Italien, wo in diesem Jahr 15,5 bzw. 10,2 Prozent der vergebenen Kredite ausfallgefährdet sind.

Die deutschen Banken stehen hingegen mit einem Anteil notleidender Kredite von aktuell 2,7 Prozent im europaweiten Vergleich relativ gut da. Und für die kommenden Jahre wird ein weiterer leichter Abbau prognostiziert. Das sind die Ergebnisse des "Ernst & Young Eurozone Financial Services Forecast".

Im laufenden Jahr werden Banken in der Eurozone notleidende Kredite - auch Non-Performing Loans (NPL) genannt - mit einem Volumen von insgesamt 918 Milliarden Euro in ihren Büchern haben. Das sind 80 Milliarden oder 10 Prozent mehr als im Jahr 2012. "Schuld daran sind die Krisen der vergangenen Jahre, die zu einer Kumulation von Risiken geführt haben", sagt Claus-Peter Wagner, Managing Partner Financial Services Organisation bei Ernst & Young. Im Zuge dessen konnte eine steigende Zahl von Bankkunden ihre Kredite nicht mehr bedienen. Vor allem spanische und italienische Banken leiden unter der Konjunkturschwäche.

Spaniens Geldinstitute verzeichneten im vergangenen Jahr faule Kredite mit einem Volumen von rund 191 Milliarden Euro. In diesem Jahr dürfte diese Zahl auf 247 Milliarden Euro steigen - ein Zuwachs um fast 30 Prozent. NPL würden damit 15,5 Prozent des gesamten Kreditvolumens in Spanien ausmachen. "Spaniens Banken sind, vor allem durch die dortige Immobilienblase, beinahe flächendeckend in die Bredouille geraten", sagt Wagner.

Auch italienische Banken haben überdurchschnittlich viele faule Kredite in den Büchern. Der Nominalwert der Verbindlichkeiten, die nicht mehr fristgerecht getilgt werden konnten, stieg von 2011 auf 2012 von 192 auf 227 Milliarden Euro, also um 18 Prozent. Im laufenden Jahr könnte dieser Wert um weitere 2 Prozent auf 232 Milliarden Euro steigen.

Deutsche Banken besser als der Durchschnitt

In Deutschland sieht es deutlich besser aus. Der Anteil fauler Kredite liegt in deutschen Geldhäusern in diesem Jahr bei nur 2,7 Prozent, also deutlich unter dem Durchschnitt der Eurozone. Das dürfte vor allem der vergleichsweise starken Binnenkonjunktur geschuldet sein. Deutsche Banken werden ihren Bestand an notleidenden Krediten 2013 voraussichtlich von 200 Milliarden Euro auf 183 Milliarden Euro reduzieren. Auch das ist eine Folge der relativ starken deutschen Wirtschaft.

"Nicht jeder faule Kredit ist tatsächlich verloren", sagt Dirk Müller-Tronnier, Leiter Banking & Capital Markets bei Ernst & Young. Viele Institute versuchen, Kredite mit hoher Ausfallwahrscheinlichkeit weiterzuverkaufen - etwa an Hedgefonds -, sodass sie die Bilanzen nicht länger belasten. NPL gelten mittlerweile als etablierte Anlageklasse, weil wenigstens ein Teil von ihnen noch getilgt werden kann.

Auch Banken in Frankreich und den Niederlanden werden die Anzahl ihrer notleidenden Kredite im laufenden Jahr voraussichtlich reduzieren können: französische Institute um rund fünf Milliarden Euro, niederländische um acht Milliarden Euro.

Eurozonenweiter Abbau fauler Kredite erst ab 2014

Im Rest der Eurozone dürfte sich dieser Prozess noch verzögern. Erst im nächsten Jahr werden Banken ihr Volumen an faulen Krediten auf breiter Front reduzieren - dann allerdings deutlich. Das Volumen dieser Kredite in der Eurozone dürfte im nächsten Jahr um 24 Prozent auf rund 702 Milliarden Euro sinken. Einen besonders starken Rückgang von NPL prognostizieren Experten für die spanischen Banken. Ende 2014 soll sich der Anteil notleidender Kredite dort um 36 Prozent auf nur noch 158 Milliarden Euro verringert haben. Bis 2016 soll ihr Anteil in Spanien sogar auf 98 Milliarden Euro schrumpfen.

Grund für den starken NPL-Abbau in Spanien dürfte vor allem eine Auslagerung der Kredite in sogenannte Bad Banks sein. "Die Bedeutung von Bad Banks ist in Spanien deutlich größer als in Deutschland", sagt Müller-Tronnier. "Dorthin dürften erhebliche Mengen an faulen Krediten ausgelagert werden. Das Problem besteht aber natürlich weiter. Für die Gesamtwirtschaft ist durch die Auslagerung nicht viel gewonnen."

Höhere Gewinne in Sicht

Trotz der schwierigen Lage im Kreditbereich werden die Banken der Eurozone ihre Gewinne laut Prognose im laufenden Jahr um 3 Prozent von 632 auf 651 Milliarden Euro steigern. "Die Banken sind in den vergangenen Jahren zum Teil bereits stark geschrumpft, sowohl von der Bilanzsumme als auch von der Mitarbeiterzahl her", sagt Wagner. "Für Banken, die ihre Hausaufgaben gemacht haben, besteht Aussicht auf bessere Ergebnisse." Faule Kredite seien dabei nicht unbedingt ein Hindernis. "Die Gewinnentwicklung der Banken hängt stärker von der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung und der Lage an den Aktienmärkten ab als von notleidenden Krediten."

Die Kreditvergabe dürfte über die gesamte Eurozone hinweg 2013 eher schleppend verlaufen. Das Volumen der Unternehmenskredite wird in etwa auf Vorjahresniveau verharren. Das Volumen an neu vergebenen Verbraucherkrediten wird voraussichtlich um 1,2 Prozent sinken, für Immobilienkredite sagt die Studie einen Rückgang um 0,6 Prozent voraus. In Deutschland ist dagegen mit einer erhöhten Kreditvergabe zu rechnen, sowohl an Unternehmen als auch an Verbraucher: Firmenkredite dürften um 2,5 Prozent zulegen, Verbraucherkredite um 1,1 Prozent. Zudem wird die Vergabe von Immobilienkrediten im laufenden Jahr leicht - um 0,8 Prozent - steigen.

Ernst & Young AG

Ernst & Young[1] ist eine der drei großen deutschen Prüfungs- und Beratungsorganisationen. In der Steuerberatung ist Ernst & Young deutscher Marktführer. Ernst & Young beschäftigt rund 7.700 Mitarbeiter an 22 Standorten und erzielte im Geschäftsjahr 2011/2012 einen Umsatz von 1,22 Milliarden Euro. Gemeinsam mit den 167.000 Mitarbeitern der internationalen Ernst & Young-Organisation betreut Ernst & Young Mandanten überall auf der Welt.

Ernst & Young bietet sowohl großen als auch mittelständischen Unternehmen ein umfangreiches Portfolio von Dienstleistungen an: Wirtschaftsprüfung, Steuerberatung, Rechtsberatung, Transaktionsberatung, Advisory Services und Immobilienberatung.

[1]Der Name Ernst & Young bezieht sich in diesem Profil auf alle deutschen Mitgliedsunternehmen von Ernst &Young Global Limited (EYG), einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung nach englischem Recht. Jedes EYG Mitgliedsunternehmen ist rechtlich selbstständig und unabhängig und haftet nicht für das Handeln und Unterlassen der jeweils anderen Mitgliedsunternehmen.