Forderung nach Stärkung der Versorgungsforschung

(lifePR) ( Essen, )
Die Deutsche Gesellschaft für Gesundheitsökonomie (dggö) fordert eine Stärkung der Versorgungsforschung und insbesondere einen besseren Zugang zu den Routinedaten der Versorgung.

Die Versorgungsforschung untersucht die Strukturen und Prozesse unseres Gesundheitssystems unter Alltagsbedingungen. Gegenstand der Forschung sind zum Beispiel die Anwendung von Arznei-, Hilfs- und Heilmitteln, die Qualität von diagnostischen Methoden und therapeutischen Interventionen in der Versorgung oder der Nutzen und die Risiken des Einsatzes von medizinischen Geräten. Gesundheitsökonomische Aspekte spielen dabei eine zentrale Rolle. Die Versorgungsforschung dient der gesundheitspolitischen Steuerung und ermöglicht Entscheidungen über Versorgungsleistungen auf der Basis aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse.

Zwar kann die Versorgungsforschung bestimmte Daten etwa mittels Befragung erheben, aber zur Beantwortung von vielen Fragen - etwa zu Veränderungen von Qualität und Kosten durch Gesundheitsreformen - ist es notwendig, das tatsächliche Versorgungsgeschehen ohne Verzerrungen etwa durch Nichtteilnahme von Patienten beurteilen zu können. Dies leisten insbesondere die im Gesundheitssystem anfallenden sogenannten Routinedaten.

Mit dem GKV-Versorgungsstrukturgesetz wurde 2012 ein wichtiger Schritt unternommen, die Basis für Versorgungsforschung mit Routinedaten zu stärken. Allerdings fiel dieser erste Schritt sehr klein aus: Die Daten sind alt, das Antragsverfahren zum Datenzugang komplex und der Datenzugang über das DIMDI sehr eingeengt und bürokratisch. Insgesamt verstreicht zu viel Zeit bei der Schaffung einer Basis von GKV-Abrechnungsdaten für die Versorgungsforschung.

Gegenwärtig ist vorgesehen, dass der Versorgungsforschung bestenfalls vier Jahre alte Daten aus dem Risikostrukturausgleich (RSA) zur Verfügung gestellt werden. Dies wird unter anderem durch diverse Korrekturdurchläufe im RSA-Verfahren bedingt, die zur rückwirkenden Bewilligung von Erwerbsminderungsrenten erforderlich sind. Für eine relevante Versorgungsanalyse sind aber aktuelle Daten erforderlich.

Aus Sicht der Deutschen Gesellschaft für Gesundheitsökonomie muss daher in dieser Wahlperiode die Zugänglichkeit von aktuellen Routinedaten für die Versorgungsforschung erleichtert und ausgebaut werden. Konkret schlagen wir vor, dass die RSA-Daten unmittelbar nach der Durchführung des Jahresausgleichs zur Verfügung gestellt werden.

Kurzfristig sollten ferner die Daten, die nach §§ 303a ff. SGB V vorgesehen sind, auch um weitere Variablen ergänzt werden, insbesondere um:

Versicherungszeiten, und bei Versicherungsende eine Unterscheidung zwischen Krankenkassenwechsel und Tod Regionalkennzeichen auf der Ebene von Landkreisen und kreisfreien Städten und/oder Postleitzahlen Leistungsdaten (EBM-Positionen, OPS-Codes, Heil- und Hilfsmittel, Reha)

Arztgruppe des behandelnden Arztes.

Diese Erweiterung würde der Versorgungsforschung ermöglichen, viele neue, wichtige Fragestellungen genauer zu untersuchen, etwa die Bedeutung ambulanter Versorgungsstrategien bei chronischen Erkrankungen.

Auf mittlere Sicht halten wir zudem eine Ergänzung um Leistungsdaten der Pflegeversicherung und um die Daten der Rentenversicherung für die von ihr durchgeführten Rehabilitationsmaßnahmen für sinnvoll. Langfristig wäre auch, sofern datentechnisch realisierbar, der Einbezug von Daten der privat Krankenversicherten - insbesondere für die Beurteilung von regionaler Unter-/Über-/Fehl-Versorgung - sinnvoll.

Die Ergebnisse der Versorgungsforschung zeigen den Akteuren im Gesundheitswesen und der Gesundheitspolitik Bedarf und Möglichkeiten zur Verbesserung der Versorgung auf. Für eine patientengerechte Förderung der Versorgung auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse muss der Datenzugang - selbstverständlich unter Wahrung aller Datenschutzbestimmungen - dringend verbessert werden. Darüber hinaus sollten auch die Förderung entsprechender Forschungsprojekte und der Austausch zwischen Forschung und Praxis intensiviert werden.
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