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Pressemitteilung BoxID: 441590 (Deutsche Oper Berlin)
  • Deutsche Oper Berlin
  • Richard-Wagner-Straße 10
  • 10585 Berlin
  • http://www.deutscheoperberlin.de
  • Ansprechpartner
  • Kirsten Hehmeyer
  • +49 (30) 34384-207

Lisa Otto verstorben, Ehrenmitglied der Deutschen Oper Berlin

(lifePR) (Berlin, ) In ihrem 94. Lebensjahr entschlief Lisa Otto in ihrer Wahlheimat Berlin. 1952 kam sie ins Ensemble der Städtischen Oper, die damals in der Kantstraße im heutigen Theater des Westens spielte. Bereits seit 1950 war sie mehrfach als Gast aufgetreten, so übernahm sie u.a. in der Premiere von Engelbert Humperdincks HÄNSEL UND GRETEL die Partie der Gretel. Ihr Fach wurde damals "Soubrette" genannt, was keinerlei negativen Geruch hatte, sondern im Gegenteil die Vielseitigkeit betonte, die sie in Partien mit und ohne Koloratur, mit höherer und weniger hoher Tessitura, bewies.

Schon die fünf Premieren, die in ihrer ersten Spielzeit anstanden, zeugen von dem weiten Radius, in dem sie sich stimmlich bewegen konnte: Semele in DIE LIEBE DER DANAE von Richard Strauss,

Zerlina in DON GIOVANNI von Wolfgang Amadeus Mozart, Amor in ORPHEUS UND EURYDIKE von Christoph Willibald Gluck, Susanna in DIE SCHLAUE SUSANNE, einem zeitgenössischen Werk von Franz Xaver Lehner, und 1. Dame in DIE ZAUBERFLÖTE. Mit Strauss hatte sie gut zehn Jahre zuvor, mit 22 Jahren, debütiert. Sie sang in Beuthen (heute Bytom, Heimat der "Schlesischen Oper") Sophie im ROSENKAVALIER, eine Partie, die sie auch später häufig in Berlin sang. Sie genoss einen internationalen Ruf als Mozart-Sängerin, den sie sich bei Gastspielen in Glyndebourne erworben hatte und der sie u. a. nach Wien, Mailand, Paris und zu den Salzburger Festspielen führte.

Gleich am zweiten Abend stand sie in der wieder aufgebauten Deutschen Oper Berlin am 25. September 1961 auf der Bühne als Cleanthis in ALKMENE von Giselher Klebe, dem Auftragswerk zur Eröffnung. Sie blieb bis 1985 an der Deutschen Oper Berlin und war eine der herausragenden Persönlichkeiten in diesem Ensemble, zu dessen Ehrenmitglied sie ernannt wurde. Einige Höhepunkte ihrer Karriere waren zugleich Höhepunkte in der Geschichte des Hauses, so ihre Marzelline im FIDELIO zum 50-jährigen Jubiläum 1962/63, die Uraufführung von Hans Werner Henzes DER JUNGE LORD und DIE HEIMLICHE EHE mit Lorin Maazel am Pult.

Später übernahm Lisa Otto mehr und mehr Charakterrollen und einige davon sind unvergessen, so ihre Clorinda in ASCHENBRÖDEL (LA CENERENTOLA auf Deutsch) und ihr Vater Fadenkreutz im PREUSSISCHEN MÄRCHEN von Boris Blacher (auf DVD verfügbar). Zum Abschied nach 44 Jahren Bühnenleben war sie 1985 die Witwe Browe in der Premiere ZAR UND ZIMMERMANN.

Als wir vor Jahresfrist die FIDELIO-DVD im Foyer präsentierten erlebten wir eine vor Energie sprühende Rentnerin, die nur mit Mühe davon abzuhalten war, vor die Leinwand zu treten und ihre Partie aus voller Kehle mitzusingen. So werden wir sie in Erinnerung behalten, als eine wunderbare Kollegin und eine der ganz großen Sängerinnen, die ihre Heimat in Berlin, an der Deutschen Oper Berlin gefunden hatte, in Dankbarkeit und voller Bewunderung.