Erleichterung für Sinusitis-Patienten

Neuer Wirkstoff für besonders schwere Form zugelassen

(lifePR) ( Bonn, )
Rund jeder zehnte Deutsche leidet an einer dauerhaften oder immer wiederkehrenden Entzündung der Nasenschleimhaut. Was sich lediglich nach einem etwas hartnäckigeren Schnupfen anhört, kann die Lebensqualität der Betroffenen erheblich einschränken. Besonders schwer verläuft die Erkrankung, wenn sich zusätzlich Nasenpolypen gebildet haben. Für stark betroffene Patienten, bei denen gängige Therapien nicht helfen, gibt es nun neue Hoffnung: Mit Dupilumab (Handelsname Dupixent®) hat die Europäische Arzneimittelbehörde EMA erstmals einen Wirkstoff aus der neuen Klasse der Biologika für die Behandlung der chronischen Sinusitis mit Nasenpolypen zugelassen. Die Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie (DGHNO-KHC) begrüßt die Entscheidung. Das Biologikum sei eine sinnvolle und dringend benötigte Ergänzung zur etablierten Therapie.

Viele Therapieoptionen stehen Patienten mit chronischer Nasenschleimhautentzündung und Nasenpolypen bislang nicht zur Verfügung: Cortison, als Nasenspray oder Tabletten, soll die Entzündung lindern, Nasenspülungen die geschundene Schleimhaut befeuchten und von Keimen befreien. Bilden sich die Polypen durch die medikamentöse Behandlung nicht oder nicht weit genug zurück, müssen sie operativ entfernt werden. „Auch wenn diese Behandlungsmöglichkeiten gut etabliert sind und vielen Betroffenen helfen – bei manchen Patienten wachsen die Polypen trotz einer Operation wieder so nach, dass neuerliche Beschwerden entstehen“, sagt Professor Dr. med. Thomas Deitmer, Generalsekretär der DGHNO-KHC.

Meist treten die Polypen, die von wenigen Millimetern bis hin zu mehreren Zentimetern groß sein können, erst ab dem 30. Lebensjahr auf. Immerhin rund vier Prozent der Erwachsenen leiden unter den Wucherungen der Nasenschleimhaut, Männer sind rund doppelt so häufig betroffen wie Frauen. „Nasenpolypen sind an sich gutartig, verengen jedoch die Nasengänge und die Nasennebenhöhlen, stören die Luftzirkulation und begünstigen Infektionen“, erklärt Privatdozent Dr. med. Adam Chaker, Vorsitzender der AG Klinische Immunologie, Allergologie und Umweltmedizin der DGHNO-KHC. „Die Nase ist permanent blockiert, Riech- und Schmeckvermögen sind eingeschränkt, viele Patienten klagen außerdem über einen dauerhaften Schleimfluss in den Rachen.“

An der Entstehung der chronischen Sinusitis mit Nasenpolypen sind Immunzellen und Botenstoffe beteiligt, die auch für Allergien kennzeichnend sind. Daher wird die Erkrankung heute dem allergischen Formenkreis zugerechnet. Hier greift auch der neue Wirkstoff Dupilumab an: „Es handelt sich dabei um einen therapeutischen Antikörper, der gezielt die allergietypischen Botenstoffe des Immunsystems blockiert – quasi ein Präzisionsinstrument“, erläutert Chaker. Zur Behandlung anderer atopisch-allergischer Erkrankungen wie der Neurodermitis und des allergischen Asthmas sei Dupilumab bereits zugelassen.

In den Studien, die der EMA-Zulassung zugrunde liegen, habe der Antikörper den Probanden deutliche Linderung gebracht, betont Chaker; auch sei das Nebenwirkungsprofil günstiger als das von Cortison. Um eine dauerhafte Wirkung zu erzielen, muss das neue Biologikum jedoch wiederholt und langfristig verabreicht werden – in den Studien wurde es den Probanden alle zwei bis vier Wochen unter die Haut gespritzt.

Sowohl Deitmer als auch Chaker betonen, dass die bisherige Stufentherapie mit Cortison und möglicher nachfolgender Operation weiterhin die Therapie der ersten Wahl bleibe: „Sie stellt eine hervorragend etablierte und für viele Patienten wirksame Möglichkeit dar“, sagen die DGHNO-Experten. Die Biologika-Therapie bleibe besonders schwer betroffenen Patienten mit kompliziertem Verlauf vorbehalten – über ihren Einsatz solle immer mit erfahrenen HNO-Ärzten beraten werden.
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