Ist der Eid des Hippokrates noch zeitgemäß

(lifePR) ( Oberschöna, )
In der Antike war der Eid des Hippokrates so gut wie unbekannt und besaß wenig Reputation. Im ausgehenden Mittelalter gewann er dann zunehmend an Bedeutung. Er wurde damals wiederbelebt und schließlich sogar als Promotionseid eingesetzt. Heute wird bereits diskutiert, ob und inwieweit der Hippokratische Eid überhaupt noch zeitgemäß ist.

Zwar wurden die ärztliche Haltung und die damit verbundene Ethik in den medizinischen Fakultäten der Universitäten stets weitergegeben, doch wie in jeder Tradition münden auch die medizinisch-ethisch übernommenen Aspekte häufig in einem überzogenen Standesdenken.

Im alten Griechenland behandelten Ärzte ihre Patienten auf dem Marktplatz zwischen Obstständen und Gemüsehändlern. Um nicht als Quacksalber oder reine Profiteure zu gelten, mussten sie öffentlich erklären, wer sie waren und wofür sie standen, denn auch in der Antike wurde häufig der Vorwurf erhoben, Ärzte würden Todkranke allein aus finanziellem Interesse weiter behandeln.

Für den Tübinger Medizinethiker Prof. Dr. Urban Wiesing kann der Hippokratische Eid in seiner historischen Form heute nicht mehr geschworen werden. Seiner Auffassung nach ist er ein historisches Dokument - ihn als zeitloses Dokument der Ärzteschaft zu stilisieren, wäre unhistorisch. Wenn schon ein Eid - und dafür ist auch Wiesing - dann einen, der die gegenwärtigen Bedürfnisse der Ärzteschaft besser abdeckt als jener antike Text, denn wer unter den jungen Ärztinnen und Ärzten würde heute bei Apollon, Asklepios, Hygieia und Panakeia schwören, nicht zu schneiden?

Aus Sicht Wiesings ist das Genfer Gelöbnis von 1948 das Mittel der Wahl für einen internationalen Eid. Es steht in der BRD schon als Präambel der Berufsordnung als Ausweis ärztlicher Ethik und Haltung. Zwar sei das Genfer Gelöbnis noch ergänzungsbedürftig, käme allerdings der Sache am nächsten.

Wiesing möchte einen Text, der prägend genug ist, um darauf zu schwören. "In Deutschland wird man leider als Arzt sozusagen in Unwissenheit geschworen", kritisiert er. "Wir werden auf das Genfer Gelöbnis verpflichtet, obwohl wir es nicht wissen und obwohl wir es wissen müssten. Diese Situation sollte sich ändern". Immerhin fordert die Berufsordnung, jeder Arzt möge sie lesen und damit auch den Eid.

Die Diskussion um den berühmten Eid des Hippokrates ist jedenfalls entbrannt. Ob er immer noch Maßstab für den ärztlichen Alltag sein kann oder neu definiert werden muss, wird nunmehr häufig thematisiert und ein Wandel ist vorprogrammiert.

 
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