Samstag, 25. November 2017


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Mikroskopie-Konferenz vom 21. - 25. August in Lausanne, Schweiz

MC2017: Interview mit den Tagungspräsidenten / Mikroskopie-Experten präsentieren Trends und neue Forschungsergebnisse in Lausanne

Lausanne, (lifePR) - Aktuelle Forschungen und neue Erkenntnisse aus der spannenden Welt der Mikroskopie werden vom 21. bis 25. August 2017 in Lausanne bei der „Microscopy Conference“ von rund 1000 renommierten nationalen und internationalen Mikroskopie-Experten präsentiert. Sie treffen sich bei der Dreiländertagung der Schweizerischen Gesellschaft für Optik und Mikroskopie (SSOM), der Österreichischen Gesellschaft für Elektronenmikroskopie (ASEM) und der Deutschen Gesellschaft für Elektronenmikroskopie e.V. (DGE) zur Diskussion aktueller Trends und Erkenntnisse in den Bereichen Instrumentierung und Methoden (IM), Life Sciences (LS) und Materialwissenschaften (MS). Mit einem spannenden wissenschaftlichen Programm und einer umfassenden Fachausstellung neuester mikroskopischer Geräte ist die MC 2017 eine umfassende Informationsquelle für jeden, der an neuen Mikroskopie-Techniken in allen wissenschaftlichen Bereichen interessiert ist. Zwei der Tagungspräsidenten der MC 2017, Dr. Rolf Erni, Elektronenmikroskopiezentrum der EMPA, Dübendorf und Dr. Markus Dürrenberger, Zentrum für Mikroskopie / Pharmazentrum, Universität Basel, geben vorab im Interview erste Einblicke in die vielfältigen Themen, aktuellen Schwerpunkte und Highlights des hochkarätigen Kongresses.

KA: Die MC 2017 gibt wieder einen Überblick über aktuelle Entwicklungen in der Mikroskopie.  Welche Highlights sind besonders hervorzuheben? 

Dr. Rolf Erni: „Ohne Kristallkugel sind Highlights nur schwer vorherzusagen. Durch relativ kleine Entwicklungsschritte können sich Quantensprünge ergeben, sodass selbst Nischenanwendungen breites Interesse gewinnen und sich deren Anwendungsbereiche sprunghaft erweitern. Die Highlights werden also durch die Tagungsteilnehmer und deren Resonanz auf die verschiedenen technischen Entwicklungen und wissenschaftlichen Errungenschaften definiert. Potentielle Highlights sehe ich in Beiträgen, die Themen verbinden und interdisziplinäre  Anwendungen ermöglichen.“ 

KA: Welche Rolle spielt die Mikroskopie in der Medizin bzw. in der Diagnostik? Welche Aspekte werden bei der MC 2017 präsentiert?

Dr. Markus Dürrenberger: In der Medizin und Diagnostik spielt natürlich die Lichtmikroskopie seit Anbeginn an eine grundlegende Rolle. Viele Krankheiten konnten lichtoptisch Erregern zugeordnet werden. In der Gegenwart ist die Rolle komplexer geworden. Proteine können mit Farbstoffen oder genetisch markiert werden und in lebenden Organismen oder Modellsystemen verfolgt werden. Das erleichtert die Erforschung komplexer Krankheitsbilder enorm. Die Charakterisierung von Molekülen bis zur atomaren Karte mit Hilfe von Elektronenmikroskopen kann dann Vorgänge bis ins kleinste Detail erfassen. Die Routinediagnosen sind eher rückläufig. Serologische Diagnosen sind auf diesem Gebiet im Vormarsch, da sie maschinell ausgeführt werden können und keine teuren Arbeitskräfte binden. Hervorheben kann man speziell die Diagnoseverfahren, die auf dem Prinzip der Kraftmikroskopie aufbauen. Diese sind momentan in Entwicklung und deren Potential ist steigend. Auch in der Pharmazie wird in Richtung Nanopartikel entwickelt. Diese sind Verpackung und werden mit Funktionalitäten auf ihrer Oberfläche versehen, die es erlauben die verpackten Inhaltsstoffe zielgerichtet an einzelnen Körperstellen einzusetzen. Bis anhin wurden Wirkstoffe in bestimmten Konzentrationen im ganzen Organismus eingebracht, was an den Stellen, wo sie nicht wirken sollten oft zu unerwünschten Nebenwirkungen führte. Die Mikroskopie hilft den Entwicklern den Erfolg ihrer Konstrukte zu überprüfen.

KA: Die Entwicklung der Elektronenmikroskopie ist rasant. Welche neuen Entwicklungen und Anwendungen zu dem sehr komplexen Themengebiet werden bei der MC 2017 präsentiert? In welchen Bereichen gibt es Fortschritte und welche neuen Impulse erwarten Sie? 

Dr. Rolf Erni: „In den letzten Jahren wurden grosse Fortschritte im Bereich von grösseren, schnelleren oder empfindlicheren Detektoren erzielt, sowohl für die Bildgebung als auch für die Spektroskopie. Einerseits wird es interessant sein zu beobachten, wie sich diese Fortschritte weiterentwickeln, andererseits aber auch bahnbrechende Anwendungen zu sehen, die erst durch diese neuen Detektoren ermöglicht werden. Ein anderer Aspekt sind Aberrationskorrektoren für Elektronenmikroskope, die mittlerweile in zahlreichen Labors zur Verfügung stehen. Auch in diesem Bereich wird es interessant sein zu sehen, wie die neuen Auflösungsgrenzen bei verschiedensten Mikroskop-Einstellungen neue Einsichten ermöglichen. Ein weiteres Themengebiet, dessen Entwicklungskurve sehr steil verläuft, sind Messungen in realitätsnahen Umgebungen, sei dies zum Beispiel in einer Gas- oder Flüssigzelle, welche eingebracht ins Vakuumsystem des Mikroskops die Untersuchung von chemischen Reaktionen oder Prozessen ermöglichen. Neue Erkenntnisse durch solche (und andere) „in-situ“ oder „in-operando“ Anwendungen können etablierte Forschungsbereiche revolutionieren. Es wird bestimmt nicht langweilig werden.“

KA: Gibt es aktuelle Trends in der Mikroskopie? Welche Experten präsentieren sie und was sind die Fragestellungen? 

Dr. Markus Dürrenberger: „Die Trends in der Mikroskopie gehen momentan in Richtung Hochauflösung. In der Elektronenmikroskopie werden Geräte und Kameras entwickelt, die es erlauben, atomare Karten zu erstellen und eventuell subatomare Strukturen darzustellen. Da diese Verfahren nur nahe dem Temperatur-Nullpunkt möglich sind, werden die Präparationsmethoden entsprechend weiterentwickelt. Ein Thema ist auch immer die Möglichkeit mehr Kontrast zu erhalten. Auf diesem Gebiet wird sowohl technisch wie auch im Bereich Präparation weiterentwickelt.  Die Lichtmikroskopie entwickelt sich nach der Vergabe eines Nobelpreises in diesem Gebiet schnell in Richtung Verbesserung der Auflösung bis unter die Diffraktionsgrenze. Verschiedene Beleuchtungsverfahren, die dieses Ziel verfolgen, werden jetzt vor allem in den Lebendwissenschaften eingesetzt. Die AFM Technologie entwickelt sich momentan in Richtung Geschwindigkeit. In der Vergangenheit dauerte die Aufnahme eines Vollbildes mehrere Sekunden bis Minuten. Dies konnte um Grössenordnungen beschleunigt werden, so dass jetzt lebende Objekte bei der Arbeit beobachtet werden können. Wichtige Entwicklungen gehen auch in Richtung Computertechnologie und AFM. Da braucht es einen Quantensprung, um die Entwicklung voran zu bringen.“

KA: Wie bei den vorherigen erfolgreichen Mikroskopie-Konferenzen werden renommierte Experten mit neuen Forschungsergebnissen erwartet. Welche besonders interessanten Vorträge erwarten die Tagungsteilnehmer?

Dr. Rolf Erni: „Neben zahlreichen hervorragenden Fachbeiträgen in den Vortrags- und Postersitzungen, sind sicherlich - wie bei vorherigen MC Tagungen - die Plenary Vorträge und die Präsentationen der Preisträger der Ernst-Ruska Preise und des Harald-Rose Preises hervorzuheben. Speziell bei den Plenary Vorträgen war es uns wichtig, verschiedenen Generationen von Forschern, und speziell auch jüngeren, die Möglichkeit zu geben, deren Forschungsgebiet den vereinigten Tagungsteilnehmer/innen vorzustellen.“ 

KA: Schwerpunkte der MC 2017 sind die Bereiche der Messtechnik, der Materialwissenschaften und der Lebenswissenschaften. Welche besondere Ausrichtung haben Sie bei der Tagung gesetzt? 

Dr. Rolf Ernii: „Zusammen mit dem Scientific Committee haben wir versucht ein ausbalanciertes Programm zusammenzustellen, wo auch momentan vielleicht weniger populäre Themengebiete genügend Raum kriegen. Wie in allen Bereichen gibt es auch in der Mikroskopie Modeerscheinungen, was nicht negativ sondern sehr wichtig ist, um lokal Fortschritte zu beschleunigen. Nichtdestotrotz ist es wichtig auch Themengebiete abzudecken, die momentan weniger im Rampenlicht stehen. Erstaunt hat uns jedoch, dass für einzelne Themengebiete sehr viele Beiträge eingereicht wurden, deren Anzahl weit über dem Durchschnitt lag. Um eine gewisse Chancengleichheit für Vortragsbeiträge zu ermöglichen, haben wir uns nach Beratung mit dem Scientific Committee und den Session Chairs entschlossen, für diejenigen Themengebiete mit vielen eingegangen Beiträgen, zusätzliche Vortragszeit zur Verfügung zu stellen. Die damit verbundenen Parallelsitzungen, in jeweils einem der Hauptbereiche, widersprechen zwar der Philosophie vorheriger MC Tagungen, jedoch wurden die Vorteile dieses unkonventionellen Schrittes allgemein stärker gewichtet. Aufgrund dieser Programmstruktur sind nun natürlich gewisse Themengebiete zeitlich etwas bevorteilt, was aber durch die Anzahl eingereichter Beiträge bedingt ist und nicht durch uns vorgängig geplant wurde.“

KA: Werden auch neue Forschungsbereiche verfolgt und bei der MC 2017 vorgestellt? Was sind die Ziele und welche neuen Einsichten sind möglich? 

Dr. Markus Dürrenberger: Zu den neuen Forschungsbereichen gehört die Nanowissenschaft. Diese entspricht der Mikroskopie in vielen Zielorientierungen sowohl in Materialwissenschaften wie auch in Life Sciences. Neu kommt dazu, dass Quantumphenomene studiert werden, um einen Quantensprung in der Kleinheit der Computertechnologie in Zukunft zu realisieren. Ziel ist, atomare oder subatomare Phänomene für Datenspeicherung und Datenverarbeitung zu nutzen.  Manche Strategien haben einen Direkten Bezug zur Mikroskopie, speziell zur Kraftmikroskopie und Tunnelmikroskopie.

KA: Welche Rolle spielt der wissenschaftliche Nachwuchs? Welche Möglichkeiten bietet die MC2017 jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern? 

Dr. Rolf Erni: „Durch das vielfältige Programm haben junge Forscher und Forscherinnen die Möglichkeit unterschiedlichste Methoden und Anwendungsgebiete der Mikroskopie kennenzulernen. Die Nähe der einzelnen Vortragsräume ist ideal für „Session-Hopping“, wodurch man auch mal einen Vortrag aus einem Gebiet besuchen kann, mit dem man noch nicht so vertraut ist, aber gern kennenlernen möchte. Für den wissenschaftlichen Austausch, insbesondere den wissenschaftliche Austausch mit Nachwuchsforscher/innen, sind die Poster-Präsentationen zentral. Die Poster-Präsentationen sind ideal um „Generationen“-übergreifend Gespräche zu beginnen, dem etablierten Experten eine Frage zu stellen oder entsprechend selbst befragt zu werden. Ein interessantes Gespräch über ein Poster ist oft mehr wert als der Applaus nach einem Vortrag. An dieser Stelle muss auch dankend erwähnt werden, dass die European Microscopy Society Grants zur Verfügung stellte, um die Teilnahme junger Forscher zu fördern.“ 

KA: Welche Wünsche und Ziele verbinden Sie als Tagungspräsidenten mit der MC 2017?

Dr. Rolf Erni: „Klar sind die wissenschaftlichen Beiträge und die Fachausstellung zentral für die Konferenz. Am wertvollsten sind jedoch für mich diejenigen Tagungen, wo  ich neue Kontakte knüpfen kann und mich in Fachgesprächen persönlich austauschen kann. Darum wünsch ich mir denn, dass nebst den hochklassigen Beiträgen, genügend Raum, Zeit und Motivation vorhanden sind, damit die Tagungsteilnehmer/innen Fachkollegen/innen kennenlernen und sich persönlich austauschen können. Nebst den zahlreichen online Möglichkeiten sich an Netzwerken zu beteiligen, ist das persönliche Networking, das durch solche Tagungen ermöglicht wird, unersetzbar.“

KA: Herzlichen Dank für Ihre interessanten Ausführungen!

Weitere Informationen sowie das wissenschaftliche Programm gibt es unter www.mc2017.ch.
Pressevertreter sind herzlich zur Tagung eingeladen, sich über die aktuellen Entwicklungen zu informieren und zu berichten. Gern vermitteln wir Gesprächspartner für Interviews!
Die Akkreditierung ist über die Homepage und den Pressekontakt möglich.

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