Sonntag, 17. Dezember 2017


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Alarmierendes Artensterben: Stiftungen fordern Politik zum Handeln auf

Umweltstiftungen erwarten mehr Engagement von Bund, Ländern und Kommunen / Jede dritte Art vom Aussterben bedroht / Überlinger Erklärung zum Biotopverbund Deutschland verabschiedet

Berlin / Überlingen am Bodensee, (lifePR) - Die Zahlen sind alamierend: Wie der erste Artenschutz-Report des Bundesamtes für Naturschutz zeigt, ist ein Drittel der rund 72.000 bekannten Tier-, Pflanzen- und Pilzarten in Deutschland im Bestand bedroht. Anhaltender Flächenverbrauch und die Intensivierung von Land- und Forstwirtschaft führen dazu, dass oft nur noch kleine, isolierte Lebensräume für Tiere und Pflanzen übrig bleiben. Der Arbeitskreis Umwelt im Bundesverband Deutscher Stiftungen, in dem sich deutsche Umweltstiftungen engagieren und vernetzen, fordert deshalb in seiner am 13. Oktober verabschiedeten „Überlinger Erklärung“ Bund, Länder und Kommunen zum entschlossenen Handeln gegen das voranschreitende Artensterben und den Verlust wertvoller Habitate auf. Eindringlich appellieren die Stiftungen des Arbeitskreises an die politischen Akteure, ein Netz von verbundenen Biotopen zu schaffen und damit dem Gesetzesauftrag gemäß Bundesnaturschutzgesetz nachzukommen. Sonst drohen „unabsehbare Folgen für Mensch, Tier und Pflanze. Wir – Politik, Zivilgesellschaft und Wirtschaft – müssen unseren Worten endlich gemeinsam Taten folgen lassen“, mahnt Prof. Dr. Werner Wahmhoff, Leiter des Arbeitskreises Umwelt im Bundesverband Deutscher Stiftungen und stellvertretender Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt.

Vernetzte Biotope können den Artenschwund bremsen

Der Auftrag nach dem Bundesnaturschutzgesetz ist eindeutig: Mindestens 10 Prozent der Fläche eines jeden Bundeslandes sollen für verbundene Biotope zur Verfügung stehen. Denn Biotopverbünde helfen, die natürliche Biodiversität zu erhalten und zu fördern. Trotz vorhandener Planungsgrundlagen ist die Umsetzung des bundesweiten Biotopverbundes jedoch noch immer nicht wirkungsvoll realisiert, kritisieren die Umweltstiftungen im Aufruf.

„In Zeiten von Flächenversiegelung und intensiver Landwirtschaft schaffen vernetzte Biotope wichtige Rückzugsorte für bedrohte Arten. Umweltstiftungen machen heute schon vor, wie ein gut vernetztes System von Schutzflächen aussehen und die Bevölkerung über die Bedeutung der Artenvielfalt informiert werden kann. Von der Politik erwarten wir, dass sie das Umsetzungsdefizit beim Biotopverbund endlich behebt. Stiftungen können hierbei wertvolle Partner sein“, sagt Dr. Antje Bischoff, Biologin und Koordinatorin des Arbeitskreises Umwelt im Bundesverband Deutscher Stiftungen.

Wie das funktionieren kann, macht die Heinz Sielmann Stiftung schon seit dreizehn Jahren mit dem Biotopverbund Bodensee vor. „Wir schaffen neue Biotope und werten vorhandene auf. Diese »Wohnzimmer« für Tiere und Pflanzen verbinden wir miteinander, so dass ein Netz von hochwertigen Lebensräumen entsteht. Dabei ist die konstruktive Zusammenarbeit zwischen Gebietskörperschaften, Grundeigentümern und Naturschützern eines unserer Erfolgsgeheimnisse“, erklärt Prof. Dr. Peter Berthold, langjähriger Leiter des Max-Planck-Instituts für Ornithologie Radolfzell und Stiftungsrat der Heinz Sielmann Stiftung.

Empfehlungen der Stiftungen an Bund, Länder und Kommunen

Mit  der Überlinger Erklärung  appelliert der Arbeitkreis der Umweltstiftungen an die Bundesregierung, für die Schaffung eines EU-Finanzierungsinstrumentes zur Finanzierung von biotopvernetzenden Maßnahmen einzutreten. Die Bundesländer sehen die Umweltstiftungen in der Pflicht, ihrer Zusage nachzukommen, auf mindestens 10 Prozent der Landesfläche einen Biotopverbund zu schaffen. Kommunen empfehlen sie, Kompensations- und Ökokontomaßnahmen konsequent und gezielt in definierte Biotopverbundkorridore zu lenken.

Stiftungen mit Grundbesitz empfiehlt der Arbeitskreis Umwelt, eigene Flächen im Sinne des landesweiten Biotopverbundes zu bewirtschaften und zu pflegen.

Arbeitskreis Umwelt im Bundesverband Deutscher Stiftungen

Der Arbeitskreis Umwelt im Bundesverband Deutscher Stiftungen bietet seit 1997 eine Plattform für Umweltstiftungen. In einem lebendigen Austausch erarbeiten sie Ansätze für den besseren Schutz der Lebensgrundlagen. Jeden Herbst veranstaltet der Arbeitskreis ein zweitägiges Vernetzungstreffen. Die Heinz Sielmann Stiftung lud anlässlich des Geburtstages ihres Stifters – Heinz Sielmann wäre dieses Jahr 100 Jahre alt geworden – den Arbeitskreis Umwelt am 12. und 13. Oktober an den Bodensee ein, um dort über den Biotopverbund Deutschland zu diskutieren. Als Ergebnis ihrer Tagung haben die über 50 anwesenden Umweltstiftungen, darunter so bekannte Stiftungen wie die Deutsche Bundesstiftung Umwelt und die Heinz Sielmann Stiftung, die Überlinger Erklärung verabschiedet.

Stiftungen im Themenfeld Umwelt

Aktuell widmen sich rund 15 Prozent der über 21.000 rechtsfähigen Stiftungen bürgerlichen Rechts in Deutschland Umwelt- und Naturschutzfragen. Das Interesse am Thema steigt: Waren in den 1950er und 60er Jahren lediglich sieben Prozent der neu gegründeten Stiftungen im Umweltschutz aktiv, haben schon 19 Prozent der seit 2011 gegründeten Stiftungen dieses Ziel im Satzungszweck verankert.

Bundesverband Deutscher Stiftungen

Als unabhängiger Dachverband vertritt der Bundesverband Deutscher Stiftungen die Interessen der Stiftungen in Deutschland. Der größte Stiftungsverband in Europa hat mehr als 4.200 Mitglieder; über Stiftungsverwaltungen sind ihm 8.000 Stiftungen mitgliedschaftlich verbunden.

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