Verantwortung übernehmen und Schuld eingestehen

Erklärung des Bundes Katholischer Unternehmer zur Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs in der Katholischen Kirche

(lifePR) ( Köln, )
Die Missbrauchsstraftaten in der katholischen Kirche und der im Gutachten der Münchener Anwaltskanzlei Westpfahl Spilker Wastl für das Bistum Aachen veröffentlichten Feststellungen und Analysen zum jahrzehntelangen Umgang mit ihnen sind erschütternd und verstörend. Der bisherige und aktuelle Umgang mit der Aufarbeitung der Taten zeigt ein eklatantes Führungsversagen von Bistumsleitungen. Der Bund Katholischer Unternehmer fordert die Leitungsverantwortlichen in der Kirche auf, sich offen zu Fehlern und ihrem Versagen zu bekennen und funktionsfähige Strukturen zu entwickeln, die diese künftig verhindern.

Als Bund Katholischer Unternehmer setzen wir uns für gute, werteorientierte Führung zum Wohle der Organisation und der mit ihr verbundenen Menschen ein. Führungsper-sönlichkeiten müssen Vorbilder sein. Sie prägen das Bild ihrer Organisation nach Innen und Außen. Funktionsfähige Governance Strukturen mit Machtkontrolle und Transparenz-verpflichtungen stärken Autorität und Glaubwürdigkeit. Wir wissen, dass dieses Ziel einer werteorientierten Führung und von Good Governance auch in der Wirtschaft oft genug nicht beachtet wird. Wenn Verantwortliche solche Vorbildwirkung vermissen lassen, verlieren sie persönlich, aber auch die Organisation das Vertrauen der Menschen, mit denen sie verbunden sind, auch das kann man leider bei Unternehmen beobachten und wird von unserem Verband vehement kritisiert.

Die Führungsverantwortung kirchlicher Leitungskräfte umfasst nicht allein Mitarbei-terinnen und Mitarbeiter, sie hat Auswirkungen auf alle Kirchenmitglieder und das Ansehen der Kirche in der Öffentlichkeit. Das gegenwärtige Führungsverhalten einiger Bistums-leitungen wird den Betroffenen von sexuellem Missbrauch in keiner Weise gerecht. Es beschädigt damit nicht nur die Organisation, es bewirkt, dass Menschen sich von der Kirche abwenden und mehr und mehr Vertrauen verlieren. Es hat zur Folge, dass Menschen ihre geistliche Heimat und ihren Glauben verlieren. Solche Führungsmängel machen es schwerer, glaubwürdig für die katholische Kirche, ihre wertvolle Lehre und die guten Seiten ihrer Praxis einzutreten, auch in der Rolle Katholischer Unternehmerinnen und Unternehmer.

Zur Verantwortung von Führungskräften gehört die Bereitschaft zum klaren Bekenntnis von Fehlern. Die Übernahme von Verantwortung, die Benennung von Verantwortlichen und das Eingestehen von persönlichen und systembedingten Fehlern sind auch in der Kirche das Gebot der Stunde. Der Versuch des Schutzes der Organisation und ihrer Amtsträger muss dahinter zurücktreten, auch wenn es um Persönlichkeiten geht, die für die Kirche und für katholische Verbände von großer Bedeutung sind und waren. Es bleibt zu hoffen, dass nach der ersten Veröffentlichung eines Gutachtens auf Bistumsebene nun die Übernahme von institutioneller und persönlicher Verantwortung und soweit vorhanden, das Bekenntnis eigenen Versagens und eigener Schuld im Zentrum des Handelns aller Bistumsleitungen stehen wird.

Bezogen auf die Vorgänge im Erzbistum Köln ist für den Bund Katholischer Unternehmer nicht nachvollziehbar, warum ein Gutachten nicht veröffentlicht wird, das von denselben Personen erstellt wurde wie das mit gleicher Zielrichtung erstellte Gutachten für das Bistum Aachen, das inzwischen veröffentlicht wurde. Dies ist umso bedauerlicher, da die Gutachten wohl letztlich mit Kirchensteuermittel finanziert wurden und der Eindruck der Vertuschung, zumindest der Versuch der Vertuschung, entsteht. Eine solche Handlungsweise haben die Betroffenen von sexuellem Missbrauch nicht verdient. Aus diesem Grunde fordert der BKU die Veröffentlichung des Gutachtens der Münchener Kanzlei oder zumindest eine glaubwürdige Begründung für die Nichtveröffentlichung.
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