Dreiklang von Natur-Kultur-Geschichte: Das Grüne Band Thüringen-Hessen in der Rhön und im Werrabergland

30 Jahre Öffnung Eiserner Vorhang - 30 Jahre Grünes Band

(lifePR) ( Erfurt, )
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- Biosphärenreservat Rhön, Ulstertal bei Buttlar: Eselwandern am Grünen Band, geschleifte Ortschaft Buchenmühle, Zeitzeugenberichte "Aktion Ungeziefer", Besuch der hessischen Enklave "Ulstersack"
- Werrabergland: Schlauchbootfahrt auf der Werra mit Bibersafari, Renaturierung der Werraaue, Besuch des Grüne-Band-Stockmachers

Bis 1989 waren Deutschland und Europa durch eine unmenschliche Grenze getrennt. Das Grüne Band - der einzigartige Lebensraumverbund, der sich im Schatten des Eisernen Vorhangs durch ganz Europa entwickelte - steht heute sinnbildlich für eine länderübergreifende, friedliche Zusammenarbeit. Es ist eine Schatzkammer der Artenvielfalt und eine lebendige Erinnerungslandschaft.

Der dritte Tag der 3-tägigen Jubiläumsbereisung "30 Jahre Öffnung Eiserner Vorhang - 30 Jahre Grünes Band" informierte über die grenzübergreifenden Naturschutz-Aktivitäten in der Rhön und an der Werra. Zeitzeugenberichte über die "Aktion Ungeziefer" des ehemaligen DDR-Regimes und Informationen zum ehemals heißesten Punkt des Kalten Krieges, Point Alpha im "Fulda Gap", machten die bewegte Geschichte des thüringisch-hessische Grenzbereichs anschaulich.

Aufgrund der für Jahrzehnte eingeschränkten Nutzung entlang des ehemaligen Eisernen Vorhangs und der dadurch heute noch ausgedehnten naturnahen Bereiche bildet das Grüne Band eine der wichtigsten transnationalen Biotopverbundachsen innerhalb Europas und Deutschlands. Thüringens Umweltministerin Anja Siegesmund verwies bei der Auftaktveranstaltung am 20. Mai auf das im Herbst 2018 auf seiner gesamten Länge von 763 Kilometern als Nationales Naturmonument ausgewiesene Grüne Band Thüringen: "Ich freue mich sehr, dass der Freistaat hiermit eine Vorreiterrolle bei der Weiterentwicklung des Grünen Bandes Deutschland einnimmt. Thüringen setzt damit ein Signal von europäischer Tragweite, um die einmalige Verbindung von Natur und Geschichte des Grünen Bandes auch für künftige Generationen zu bewahren." Das Land Sachsen-Anhalt will diesem positiven Beispiel folgen und noch bis Ende des Jahres seinen Anteil am Grünen Band als Nationales Naturmonument ausweisen.

Die weiteren Anrainerländer sollten diesem Vorbild folgen - dies wäre ein geeignetes Geschenk zum 30. Geburtstag des Grünen Bandes. Die hessische Regierung hat in ihrem Koalitionsvertrag festgehalten, das Grüne Band Hessen als Nationales Naturmonument auszuweisen. Dies ist die erste Ankündigung eines westlichen Bundeslandes, ihren Anteil am Grünen Band in solcher Art zu schützen.

"Trotz der erzielten Erfolge dürfen die Bemühungen zum Schutz und zur Entwicklung des Grünen Bandes als übergreifender Lebensraumverbund nicht nachlassen. Aktuell ist das rund 1.400 Kilometer lange Grüne Band Deutschland auf 170 Kilometer Länge nicht mehr erkennbar, insbesondere durch intensive landwirtschaftliche Nutzung. Das Schließen der Lücken ist eine der großen Herausforderungen für die Zukunft. BfN und BMU unterstützen dieses Ziel durch die Bereitstellung erheblicher Fördermittel", betonte Dr. Uwe Riecken, Abteilungsleiter im Bundesamt für Naturschutz (BfN) und National Focal Point für das Grüne Band in Deutschland, bei der Auftaktveranstaltung am 20. Mai.

"Das Schließen der Lücken ist die große Aufgabe, erschwert durch kleinräumige Besitzverhältnisse, Nutzungsdruck von benachbarten Flächen und den derzeitigen massiven Flächenhunger", betonte Dr. Liana Geidezis, Leiterin BUND Fachbereich Grünes Band. "Ein unvollständiger Biotopverbund ist wie eine Hängebrücke, bei der manche Bohle fehlt oder auch mal zwei oder drei hintereinander. Man geht da zwar drüber, aber eben nicht allzu gerne".

"Als wir im Dezember 1989 die Aktivitäten zum Schutz der wertvollen Natur entlang der innerdeutschen Grenze unter dem Namen "Grünes Band" beim ersten Ost-Westdeutschen Naturschutztreffen in Hof als gesamtdeutsches Projekt initiierten, ahnte noch niemand, dass sich daraus auch die großartige Initiative "Grünes Band Europa" entwickelt", so Prof. Hubert Weiger, der Vorsitzende des BUND, im Rahmen der Auftaktveranstaltung. "Insbesondere in Zeiten einer zunehmenden Fokussierung der europäischen Staaten auf die jeweils eigenen Vorteile und Interessen auf Kosten der Staatengemeinschaft, wird mit der Initiative zum Grünen Band der europäische, völkerverbindende Gedanke gelebt wie kaum irgendwo sonst".

Die außergewöhnliche Mittelgebirgslandschaft der Rhön, gelegen im Dreiländereck Thüringen-Hessen-Bayern, wurde 1991 von der UNESCO als Biosphärenreservat anerkannt und ist mittlerweile das bekannteste deutsche Gebiet dieser Art weltweit. Es hat einen Anteil von 113 Kilometern am Grünen Band. Karl-Friedrich Abe, Leiter der Thüringischen Verwaltungsstelle, informierte über die grenzübergreifenden Aktivitäten zum Schutz der wertvollen, naturnahen Kulturlandschaft der Rhön und speziell zur Umsetzung des Nationalen Naturmonuments Grünes Band Thüringen im Bereich des Biosphärenreservats. Auf der Eselwanderung vom Denkstein zur Deutschen Einheit bis zum Alten Bahnhof Wenigentaft erläuterte Karin Kowol, Referentin für das Grüne Band des BUND Thüringen, die herausragende Bedeutung des Grünen Bandes als Biotopverbund und als Erinnerungslandschaft. Um diese Grenzgeschichte erlebbar zu machen wurde durch den Wartburgkreis der "Grenzwanderweg in der Wartburgregion" umgesetzt, so Matthias Kirsten vom BUND Kreisverband Wartburgkreis.

Beeindruckend berichtete die Zeitzeugin Dagmar Kilian von der "Aktion Ungeziefer" des DDR-Regimes: Hierbei wurden 1952 "politisch unzuverlässige" Bürger*innen und ihre Familien von der Grenze ins Landesinnere zwangsumgesiedelt. Dr. Reiner Cornelius, Autor der Grüne-Band-Buchreihe und Beauftragter des BUND Hessen für das Grüne Band, informierte über den "Ulstersack" und die spezielle Grenzsituation zu DDR-Zeiten. Hier laufen Bemühungen diesen wertvollen Fließgewässerbereich, der beispielsweise den gefährdeten Eisvogel beheimatet, weiter zu entwickeln. Die ganze Region lag zu Zeiten des Kalten Krieges im sogenannten "Fulda Gap" ("Fuldaer Lücke"), in dem die US-Amerikaner den Erstschlag von Truppen des Warschauer Paktes befürchteten und die Gegend daher militärisch besonders scharf im Auge hatten. Der nahe gelegenen "Point Alpha" zwischen Rasdorf (Hessen) und Geisa (Thüringen) war der prominentestes amerikanische Observationspunkt entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze. Heute informiert die Gedenkstätte Point Alpha als Lern- und Gedenkort über die jüngere deutsche und europäische Geschichte sowie in einer umfassenden Sonderausstellung auch zum Grünen Band, berichtete Berthold Jost, Mitglied des Vorstands der Point Alpha Stiftung.

Bei einer Schlauchbootfahrt auf der Werra zwischen Wahlhausen und Lindewerra, durch deren Mitte hier die damalige inner-deutsche Grenze verlief, berichteten Akteure vom Bildungsprojekt "In der Werra bibert es" zur Ökologie des Flusses, zu der der Biber positiv beiträgt. Ebenfalls vorgestellt wurden Renaturierungsprojekte in der Werraaue der Stiftung Naturschutz Thüringen.

Als Beispiel für innovatives und gleichzeitig traditionelles Handwerk in den Dörfern entlang des Grünen Bandes wurde die Stockmacherwerkstatt in Lindewerra besichtigt, von der aus Wander- und Spazierstöcke für die ganze Welt produziert werden und auch der spezielle "Grüne-Band-Wanderstock".

Hintergrund
Das Grüne Band gilt seit 30 Jahren als ein Symbol für die Überwindung von Grenzen und für die länderübergreifende Zusammenarbeit im Naturschutz. Als einzigartige Erinnerungslandschaft verbindet es Natur, Kultur und Geschichte entlang von 1.393 Kilometern mitten durch Deutschland. In Europa verbindet es 24 Staaten auf einer Länge von über 12.500 Kilometern und nahezu alle biogeographischen Regionen vom Eismeer bis an die Adria und ans Schwarze Meer.

Der BUND kauft mit Hilfe von Spenden- und Fördermitteln Flächen im Grünen Band an. In neun Pilotregionen sind bereits über 1.000 Hektar langfristig gesichert und es werden erfolgreich Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen in Kooperation mit lokalen Akteuren und Landwirten durchgeführt.

Das BfN hat in den letzten 30 Jahren die Sicherung und Entwicklung des innerdeutschen Grünen Bandes durch eine Vielzahl von Projekten mit über 56 Millionen € unterstützt. Im Projekt "Lückenschluss Grünes Band", das im Bundesprogramm Biologische Vielfalt vom BfN mit Mitteln des Bundesumweltministeriums gefördert wird, werden Lücken im Biotopverbund seit 2012 modellhaft geschlossen.
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