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Pressemitteilung Box-ID: 892391

Bremer Philharmoniker GmbH Plantage 13 28215 Bremen, Deutschland http://www.bremerphilharmoniker.de/
Ansprechpartner:in Frau Barbara Klein +49 421 6267312

Die Stimmen der Hoffnung - Ein Requiem als Trostspender

(lifePR) (Bremen, )
Im 8. Philharmonischen Konzert widmen sich die Bremer Philharmoniker unter ihrem Chefdirigenten Marko Letonja einem Werk, das wie kaum ein anderes im romantischen Repertoire mit der Stadt Bremen verbunden: Ein deutsches Requiem von Johannes Brahms wurde im 1868 im Bremer Dom uraufgeführt. Gerade jetzt, in einer Zeit, in der unsere Gesellschaft angesichts von Krieg und Pandemie erschüttert wird, darf es ganz in Brahms´ Sinne mehr denn je als Trostspender und Hoffnungsträger verstanden werden.

Ein Requiem in klassischem Sinne ist das „Deutsche Requiem“ von Johannes Brahms gewiss nicht. Auch besonders „deutsch“ im engeren Sinne eines Nationalbegriffs ist es mitnichten. Vielmehr hat Johannes Brahms hier Worte aus der Bibel zu einem wunderbar tröstlichen theologischen wie musikalischen Gesamtkunstwerk vereint, das zuweilen aufbauender und heilsamer wirkt, als manch pastoraler Allgemeinplatz oder manch höllische Schreckensvision, wie sie viele Vertonungen des traditionellen katholischen Requiems ausmalen. Das Deutsche Requiem ist ein Troststück, das den Hinterbliebenen Mut zuspricht und mit seiner Musik tiefer geht, als es noch so mitfühlend gemeinte Worte zumeist vermögen. Und doch spaltete das Werk bei seiner Uraufführung das Publikum: Manche lehnten es ab, andere - wie die Pianistin Clara Schumann - verehrten es. Für Brahms als Komponist bedeutete es den Durchbruch.

Als Gäste begrüßt das Orchester den vielfach ausgezeichneten Norddeutschen Figuralchor sowie die Sopranistin Anna Gabler und den Bariton Daniel Schmutzhard.

Das Programm

Johannes Brahms (1833-1897)

Ein deutsches Requiem op.45

- Selig sind, die da Leid tragen
(Chor)

- Denn alles Fleisch es ist wie Gras
(Chor)

- Herr, lehre doch mich, daß ein Ende mit mir haben muß
(Bariton-Solo und Chor)

- Wie lieblich sind deine Wohnungen, Herr Zebaoth
(Chor)

- Ihr habt nun Traurigkeit / Ich will euch trösten
(Sopran-Solo / Chor)

- Denn wir haben hier keine bleibende Statt / Siehe, ich sage euch ein Geheimnis
(Chor / Bariton-Solo)

- Selig sind die Toten, die in dem Herren sterben
(Chor)

Marko Letonja, Dirigat
Anna Gabler, Sopran
Daniel Schmutzhard, Bariton

Norddeutscher Figural Chor
Einstudierung Jörg Straube

Die Saalkapazität der Glocke bleibt entsprechend der aktuell geltenden Corona-Verordnung auf 999 Plätze reduziert. Es gilt tagesaktuelle Corona-Verordnung bzgl. Einlassregelungen. FFP2-Masken werden empfohlen. Nähere Informationen zum Hygienekonzert der Glocke unter www.glocke.de/de/Hygieneregeln.

Marko Letonja

Dirigat

Seit Beginn der Spielzeit 2018/2019 ist Marko Letonja Generalmusikdirektor und Chefdirigent der Bremer Philharmoniker. Marko Letonja ist zudem Artistic Director des Tasmanian Symphonie Orchestra, an dem er zuvor von 2011 bis 2018 Chefdirigent war. Unter seiner Amtszeit gelang es ihm, das Tasmanian Orchestra auf ein neues künstlerisches Niveau zu bringen und ihm zu neuem Glanz zu verhelfen. So gewann er 2017 für die konzertante Aufführung von Wagners Tristan und Isolde mit Nina Stemme und Stuart Skelton den Helpman Award für das beste Konzert eines Symphonieorchesters. Von 2012 bis 2021 war er Chefdirigent des Orchèstre Philharmonique de Strasbourg. Zu den Höhepunkten seiner dortigen Amtszeit zählten eine Deutschlandtournee, die in hochgelobten Auftritten in der Elbphilharmonie Hamburg und der Frankfurter Oper gipfelte, sowie eine Tournee durch Südkorea und die Inszenierung von Bartóks Herzog Blaubarts Burg an der Pariser Oper. Zu den jüngsten Auszeichnungen zählte eine Inszenierung von Ginasteras Beatrice Cenci an der Opera National du Rhin, die 2019 den Grand Prix für die beste Opernproduktion des Syndicat Professionel de la Critique gewann. Als Gastdirigent arbeitet Letonja mit den Wiener Symphonikern, den Münchner Philharmonikern, dem Orchestre de la Suisse Romande, den Hamburger Symphonikern, dem Orchester Filamonica della Scala in Mailand und dem Berliner Radio-Symphonieorchester zusammen sowie mit dem Seoul Philharmonic, dem Mozarteum Salzburg, dem Stockholmer Opernorchester, dem Staatsorchester Stuttgart und tourte mit dem Orchester Sinfonica di Milano Giuseppe Verdi. Mit einem vielfältigen Repertoire gastiert er des Weiteren u. a. an den Opernhäusern in Wien, Genf, Rom, Dresden, Berlin, Straßburg, München und Lissabon. Zudem ist er gern gesehener Gast in Australien und Neuseeland und wurde 2008 zum Principal Guest Conductor des Orchestra Victoria Melbourne ernannt. Letonja begann sein Studium als Pianist und Dirigent an der Musikakademie von Ljubljana und schloss es 1989 an der Akademie für Musik und Theater in Wien ab. Schon zwei Jahre später wurde er Musikdirektor der Slowenischen Philharmonie in Ljubljana, die er bis zu seiner Ernennung zum Chefdirigenten und Musikdirektor des Sinfonieorchesters und des Theaters Basel leitete. In dieser Zeit begann auch seine internationale Laufbahn als Konzertdirigent.

Daniel Schmutzhard

Bariton

Daniel Schmutzhard aus Aldrans bei Innsbruck war als Kind Solist bei den Wiltener Sängerknaben, machte bereits während seiner Schulzeit eine Gesangsausbildung am Tiroler Landeskonservatorium Innsbruck (bei Prof. Karlheinz Hanser) und setzte sein Studium an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien fort. In den letzten Jahren hat er sich ein umfangreiches Repertoire im Opern- und Konzertbereich erarbeitet. Auch die Saison 2021/22 wird von drei wichtigen Rollendebüts geprägt sein: Am Theater an der Wien übernimmt er die Rolle des Corpo in der von Robert Carsen inszenierten und von Giovanni Antonini dirigierten Neuproduktion von Cavalieris La Rappresentatione di Anima et di Corpo. Mit dem Concerto Köln wird er unter Kent Nagano erstmals den Alberich in konzertanten Aufführungen von Wagners Rheingold singen. Schließlich präsentiert ihn die Komische Oper Berlin in der Titelpartie von Weinbergers Schwanda, der Dudelsackpfeifer in einer von Andreas Homoki inszenierten und von Ainars Rubikis dirigierten Neuproduktion der Oper. Von 2011 bis 2018 war Daniel Schmutzhard festes Ensemblemitglied an der Oper Frankfurt, von 2005 bis 2011 war er an der Wiener Volksoper engagiert. Neben seiner umfangreichen Operntätigkeit hat sich der Bariton einen ausgezeichneten Namen als Konzertsänger erworben und ist u.a. im Wiener Musikverein, Wiener Konzerthaus, Elbphilharmonie Hamburg, Kölner Philharmonie, Festspielhaus Baden-Baden, Pariser Philharmonie, Concertgebouw Amsterdam, Grand Théâtre Aix-en-Provence, bei den Salzburger Osterfestspielen und bei Liederabenden der Schubertiade aufgetreten. Daniel Schmutzhard hat u.a. mit Simon Rattle, Kirill Petrenko, Philippe Jordan, Franz Welser-Möst, Bertrand de Billy, Ivor Bolton, Christof Loy, Barrie Kosky, Calixto Bieito, Frank Castorf, Tatjana Gürbaca und Josef Ernst Köpplinger gearbeitet.

Katerina Tretyakova

Die russische Sopranistin wird in der Saison 2021/22 die Violetta in einer Produktion von Verdis La Traviata an der Lettischen Nationaloper Vilnius singen. In Pamplona wird sie sich als Oscar in Verdis Un ballo in maschera präsentieren. Die Sopranistin sang in den vergangenen Spielzeiten die Musetta in Puccinis La Bohème am Gran Teatre del Liceu Barcelona sowie ebenfalls mit großem Erfolg die Traviata an der Sächsischen Staatsoper Dresden sowie an der Staatsoper Berlin. An der Oper Graz war sie als Juliette in Roméo et Juliette zu hören und gab hier ihr Rollendebüt als Donna Anna in Don Giovanni. Unter der Leitung von Bertrand de Billy trat sie in Faurés Requiem mit dem London Philharmonic Orchestra auf. Zu den wichtigen Verpflichtungen der davor liegenden Spielzeiten zählen die Juliette in Roméo et Juliette sowie der Oscar in Ballo in Maschera am Gran Teatre del Liceu in Barcelona, ihre erste Traviata an der Staatsoper Berlin sowie ihr Debüt an der Deutschen Oper am Rhein als Juliette. Die Staatsoper Hamburg präsentierte die Sopranistin als Gast als Lucia, Musetta und Woglinde, am Theater an der Wien sang sie die Anna in Marschners Hans Heiling und gastierte mit der Partie auch am Aalto Theater Essen. Ebenfalls am Theater an der Wien sowie beim Enescu Festival Bukarest stellte sie sich als Regina in Mathis der Maler vor. Ihr Rollendebüt als Juliette gab sie an der Oper Graz, sang Traviata an der Oper von Vilnius und debütierte als Gilda (Rigoletto) am Opernhaus von Bogota. Von 2010/11 bis 2015/16 war Katerina Tretyakova Mitglied im Ensemble der Staatsoper Hamburg und war hier in zahlreichen großen Partien des Repertoires wie Lucia (Lucia di Lammermoor), Gilda (Rigoletto), Adina (L' Elisir d' Amore), Adele (Die Fledermaus), Susanna (Le Nozze di Figaro), Pamina (Die Zauberflöte), Musetta (La Bohème),  Nannetta (Falstaff), Gretel (Hänsel und Gretel) usw. erfolgreich. Katerina Tretyakova arbeitet regelmäßig mit verschiedenen renommierten Orchestern zusammen, u.a. mit dem Concertgebouw Orchester Amsterdam, dem Radio-Symphonieorchester Wien, dem Rundfunkorchester Montpellier, den Dresdner Philharmonikern und den Philharmonikern Hamburg. Die Sopranistin schloss zunächst ein Dirigierstudium ab und setzte ihre Ausbildung in Vilnius und am Mozarteum Salzburg mit einem Gesangsstudium fort. 2008 wurde sie in das Young Singer’s Project der Salzburger Festspiele aufgenommen und wechselte danach in das Opernstudio der Staatsoper Hamburg, wo sie sich schnell für größere Partien qualifizierte und schließlich in das Ensemble des Hauses übernommen wurde. Katerina Tretyakova ist Preisträgerin zahlreicher renommierter Wettbewerbe.

Markus Eiche

Markus Eiche wurde in St. Georgen im Schwarzwald geboren, er studierte in Karlsruhe und Stuttgart und begann seine Karriere am Nationaltheater Mannheim. Der international gefragte Sanger war viele Jahre sowohl an die Wiener Staatsoper als auch an die Bayerische Staatsoper mit Residenzvertragen gebunden. Seit 2007 ist Markus Eiche regelmassig bei den Bayreuther Festspielen zu Gast. Seit 2019 gestaltet der Künstler dort die Partie des Wolfram in der aktuellen Inszenierung des Tannhäuser von Tobias Kratzer. Im selben Jahr feierte er sein Debut an der New Yorker Metropolitan Opera. Es folgten Gastvertrage an die Bayerische Staatsoper München, an der Staatsoper Stuttgart und am Opernhaus Zürich. Besonders herausragende Projekte waren die Titelpartie in Cardillac und Kunrad in Strauss’ Feuersnot beim Bayerischen Rundfunk (einschließlich CD-Produktion); Blaubart in Blaubarts Burg beim Tokyo Metropolitan Symphony Orchestra; Fritz und Frank in einer Wiederaufnahme der Toten Stadt an der Finnish National Opera in Helsinki mit DVD-Einspielung; Lescaut in einer Neuproduktion von Puccinis Manon Lescaut an der Bayerischen Staatsoper mit Kristine Opolais und Jonas Kaufmann sowie Golaud in einer Neuproduktion von Debussys Pelléas et Mélisande. Markus Eiche gastierte unter anderem bei den Salzburger Festspielen, an der Mailander Scala, am Royal Opera House Covent Garden, an der Nederlandse Opera Amsterdam, der Komischen Oper Berlin, der Staatsoper Unter den Linden und der Semperoper Dresden und beim Gran Teatre del Liceu Barcelona. Die Vielseitigkeit des Künstlers spiegelt sich nicht zuletzt in seinem umfangreichen Konzertrepertoire der unterschiedlichsten Musikepochen und -stilrichtungen wieder. Eine rege Konzerttätigkeit führte ihn u.a. zu den Rundfunk-Symphonieorchestern des BR, NDR, MDR, SWR, BBC, RFO, den Dortmunder Philharmonikern, Belgrader Philharmonikern, Gurzenich-Orchester, Gaechinger Cantorey, Munchner Bachchor, Talens Lyriques oder zum Chicago Symphony Orchestra. Es liegen zahlreiche Konzert-Aufnahmen, CD- und DVD-Einspielungen vor. Markus Eiche stellte sich 2012 erstmals an der Zürcher Hochschule der Künste der Herausforderung Gesang zu unterrichten, seit 2016 ist er Professor für Gesang an der Freiburger Musikhochschule.

Norddeutscher Figuralchor

1981 von Jörg Straube gegründet, entwickelte sich der Norddeutsche Figuralchor schnell zu einem der führenden semiprofessionellen Kammerchöre in Deutschland. Bereits 1985 errang der Chor den 3. Preis beim Deutschen Chorwettbewerb (Sonderkategorie), 1990 wurde seine herausragende Leistung mit einem 1. Preis gewürdigt. In der Folge konnte der Chor immer wieder auch internationale Wettbewerbe gewinnen. Zwischen 1998 und 2010 wurden CD-Aufnahmen des Ensembles mit fünf ECHO Klassik Preisen ausgezeichnet, bisheriger Höhepunkt war die Auszeichnung als „Ensemble des Jahres“ 2010. Seit 2010 werden die Aufnahmen des Norddeutschen Figuralchores vom renommierten Label MDG produziert.

Das Repertoire des Norddeutschen Figuralchores umfasst Werke vom 16. Jahrhundert bis hin zu zeitgenössischer Musik. Eine besondere Bedeutung hat die Erarbeitung und Aufführung romantischer Chorliteratur sowie der sogenannten Alten Musik erlangt. Das künstlerisch und technisch hohe Niveau des Chors ist in zahlreichen CD- und Rundfunkproduktionen mit dem NDR, WDR, SFB, mit Radio Bremen und den Sendern des Deutschlandradio dokumentiert, sowohl a cappella als auch in Zusammenarbeit mit namhaften Ensembles wie Musica Alta Ripa, Musica florea (Prag) oder Concerto Palatino. In jüngster Zeit erhielt der Chor neben anderen Konzerten im In- und Ausland wiederholte Einladungen zu den Kunstfestspielen Herrenhausen, den Niedersächsischen Musiktagen und den Göttinger Händelfestspielen und ist regelmäßig Gast bei den Philharmonischen Konzerten der Bremer Philharmoniker in der Bremer Glocke.

Jörg Straube

Jörg Straube wurde 1953 in Bremen geboren. Bereits während seiner Studien der Schul- und Kirchenmusik zeigte sich seine Passion für den Dirigentenberuf, die sich in der Gründung verschiedener Ensembles niederschlug. Professuren an der Hochschule für Musik Würzburg und an den Escolas dos Artes in Porto (Portugal) sowie die Arbeit als Gastdirigent bei den Chören des Norddeutschen Rundfunks Hamburg, des RIAS Berlin, des Südwestdeutschen Rundfunks und beim Rundfunkchor Berlin zeugen von Jörg Straubes hohem künstlerischen Ansehen.

Johannes Brahms

Ein deutsches Requiem op.45

War das Requiem anfangs noch ganz durch den Dienst an der Liturgie und musikalische Demut definiert, so hat es sich mehr und mehr von dieser Funktion emanzipiert. Mit der „Grande messe des morts“ von Hector Berlioz etwa, einem bombastischen Auftragswerk des französischen Staates zum Gedenken an die Toten der Julirevolution von 1830, gedachte eine Gesellschaft ihrer selbst. Der liturgische Akt wird hier zum Staatsakt. Noch einen Schritt weiter geht Johannes Brahms mit seinem „Deutschen Requiem“. Er emanzipiert das Requiem von der Gattungstradition und macht es zum Ausdruck subjektiver Trauer. Zwar war die Form des Requiems über die Jahrhunderte immer wieder stilistischen Wandlungen und liturgischen Veränderungen unterworfen, Brahms jedoch denkt das Requiem völlig neu. Eine Rolle mögen dabei auch theologische Unterschiede zwischen Katholizismus und Protestantismus gespielt haben: Während in der katholischen Gattungstradition lange Zeit die Schrecken des Jüngsten Gerichts und die Fürbitte für den Verstorbenen im Vordergrund standen, ging es in der protestantischen Tradition, in der auch Brahms stand, eher um die Fürsorge für die Hinterbliebenen und ihren Trost. Bei Brahms stehen deshalb nicht die Toten im Zentrum der Zuwendung, denn sie haben die Verheißung der Seligkeit bereits erfahren. Hier stehen ganz universell die Lebenden im Mittelpunkt. Sie erfahren Trost und Anteilnahme. Konfessionelle oder theologische Grenzen werden zweitrangig. Es gab mehrere Einflüsse, die bei Johannes Brahms den Entschluss zur Komposition des Deutschen Requiems reifen ließen, u.a. der Tod seines Freundes und Mentors Robert Schumann im Jahr 1856 sowie der Tod seiner eigenen Mutter im Jahr 1865. Brahms' internationaler Ruhm wurde weitgehend durch dieses Werk begründet. Uraufgeführt wurde das Werk am 10. April 1868 im Bremer Dom, einem Karfreitag, allerdings noch mit sechs statt sieben Sätzen. Der fünfte Satz wurde erst für eine Aufführung in Leipzig am 18. Februar 1869 hinzugefügt. Eine zweite Leipziger Aufführung im Jahr 1873 begründete Brahms' dauerhaften Ruf in dieser Stadt, und bis 1876 wurde das Requiem mindestens neunundsiebzig Mal aufgeführt. Der von Brahms selbst zusammengestellte Text löste damals heftige Kontroversen aus. Denn anstatt der Toten zu gedenken, suchte Brahms nach Worten des Trostes für die noch Lebenden. Allerdings entzündeten sich die Kontroversen nicht aufgrund am Titel oder der konsequenten Verwendung der Volkssprache anstelle des Lateinischen. Es waren offensichtliche Auslassungen, die sofort Kritiker auf den Plan riefen: Es gäbe keine Erwähnung auch nur des Wortes „Christus“, so einer der Einwände, und die Auferstehung, eine der zentralen Botschaften des Christentums, würde nur als kurzer Hinweis in einer Passage erwähnt, deren Text sich mit Händels Messias überschneidet („Die Posaune wird erschallen“). Dass dies aber ganz bewusst gewollt war, beweist der Briefwechsel zwischen dem Komponisten und Karl Reinthaler, dem Bremer Domkapellmeister. Er strebe nach einer „Trauermusik als Seligpreisung der Leidtragenden“, so Brahms an Reinthaler. Für ihn bildeten die von ihm gewählten Texte ein sehr persönliches Testament, das einerseits seine lutherische Taufe und seinen lutherischen Hintergrund widerspiegelt, andererseits aber auch vom Verlust jeglichen Glaubens und einem zunehmenden Pessimismus in seinem Leben zeugt.

WAS
8. Philharmonisches Konzert der Bremer Philharmoniker
„Die Stimmen der Hoffnung“

WANN
Sonntag, 27. März 2022, 11 Uhr
Montag, 28. März 2022, 19:30 Uhr

WO
Konzerthaus Glocke
Domsheide 4/5
28195 Bremen
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