Kratzt Zwei-Klassen-Medizin am Ärzteimage?

(lifePR) ( Berlin, )
Warum genießen Feuerwehrmänner und Piloten, aber auch Hebammen und Krankenschwestern in Deutschland mehr Vertrauen als Ärzte? Eine mögliche Ursache dafür könnte die Zwei-Klassen-Medizin sein, an deren Existenz eine Mehrheit der Deutschen glaubt. Das deuten Befragungsdaten des aktuellen Gesundheitsmonitors von Bertelsmann Stiftung und BARMER GEK an.

In der repräsentativen Befragung von 1772 Männern und Frauen zwischen 18 und 79 Jahren wurde nach dem Vertrauen in verschiedene Berufsgruppen gefragt. Ärzte rangierten auf Platz 5. Ihnen billigten 91 Prozent der Befragten ein sehr hohes oder eher hohes Vertrauen zu, während die vor ihnen liegenden Berufsgruppen zwischen 95 und 98 Prozent erreichten. Gleichzeitig stimmten 71 Prozent zumindest teilweise der These zu, dass es in Deutschland eine Zwei-Klassen-Medizin gibt.

Die Autoren der Befragung - der Arzt und Journalist Dr. Magnus Heier und der Gesundheitswissenschaftler Dr. Gerd Marstedt - widmen sich unter anderem der Frage, wo die Bevölkerung eine Zwei-Klassen-Medizin wahrnimmt. Ungleichbehandlung, so ihr Befund, wird nicht nur bei Wartezeiten vermutet. Auch für mehrere Aspekte der Behandlungsqualität werden Unterschiede ausgemacht. So nehmen 66 Prozent der befragten Privatversicherten und 69 Prozent der gesetzlich Versicherten an, dass Kassenpatienten mit weniger Zeit für ihre Behandlung zufrieden sein müssen. Dass neueste medizinische Erkenntnisse für Kassenpatienten seltener berücksichtigt werden, glauben 61 Prozent der privat und 66 Prozent der gesetzlich versicherten Befragten. Immerhin 50 bzw. 57 Prozent der privat und gesetzlich Versicherten denken, dass Kassenpatienten nicht so oft von besser wirkenden Medikamenten mit geringeren Nebenwirkungen profitieren.

Gegen die empfundene Benachteiligung wendet Dr. Christoph Straub, Vorstandsvorsitzender der BARMER GEK, ein: "Tatsächlich ist der Leistungsanspruch in der gesetzlichen Krankenversicherung meist umfassender als in der privaten. Auch die Teilhabe am echten medizinischen Fortschritt ist sicher. Allerdings gehört dazu eine Bewertung, ob ein neues Arzneimittel oder eine Therapie nachweislich hilft. Einige kritische Beispiele aus jüngerer Vergangenheit bekräftigen diese Qualitätssicherung für GKV-Versicherte. Offenbar wird das als übertriebener Sparwille aufgefasst."

Zudem kann man Zwei-Klassen-Medizin auch mit umgekehrten Vorzeichen verstehen. Dr. Brigitte Mohn, Vorstandsmitglied der Bertelsmann Stiftung, verweist auf eine bislang selten in der Öffentlichkeit diskutierte Facette der Diskussion: "Die Befragungsergebnisse deuten darauf hin, dass Privatpatienten sowohl in der Diagnostik als auch in der Therapie immer wieder überversorgt werden." So hätten acht Prozent der befragten Privatpatienten angegeben, bei sich selbst oder Bekannten letztlich überflüssige Operationen erlitten zu haben. Jeweils ein Fünftel der Befragten berichtet von Untersuchungen, die als überflüssig empfunden wurden - vor allem Labor-, Ultraschall-, Röntgen- oder Kernspinuntersuchungen. Von überflüssigen Kontrollterminen berichtete fast ein Drittel.

Wie stark konkrete Versorgungserfahrungen hier wirken, zeigt beispielhaft, dass Patienten, deren Hausarzt nur wenig über die Krankengeschichte erfragt hat, ein sehr viel ungünstigeres Bild von Ärzten haben. Achtung und Respektsbekundung, aber auch subjektive Eindrücke wie Zeitdruck oder wenig gründliche Untersuchungen bewirkten ebenfalls ein deutlich negativ geprägtes Image. Auch wenn die Befragung keine Kausalzusammenhänge zeigen könne, so die Autoren, zeige sich doch der große Einfluss persönlichen Verhaltens der Ärzte auf das Image ihres Berufsstandes.

Interessenten finden den aktuellen Newsletter des Gesundheitsmonitors hier: www.bertelsmann-stiftung.de/gesundheitsmonitor.
Für die oben stehenden Pressemitteilungen, das angezeigte Event bzw. das Stellenangebot sowie für das angezeigte Bild- und Tonmaterial ist allein der jeweils angegebene Herausgeber (siehe Firmeninfo bei Klick auf Bild/Meldungstitel oder Firmeninfo rechte Spalte) verantwortlich. Dieser ist in der Regel auch Urheber der Pressetexte sowie der angehängten Bild-, Ton- und Informationsmaterialien.
Die Nutzung von hier veröffentlichten Informationen zur Eigeninformation und redaktionellen Weiterverarbeitung ist in der Regel kostenfrei. Bitte klären Sie vor einer Weiterverwendung urheberrechtliche Fragen mit dem angegebenen Herausgeber. Bei Veröffentlichung senden Sie bitte ein Belegexemplar an service@lifepr.de.