Mittwoch, 13. Dezember 2017


  • Pressemitteilung BoxID 679118

Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass!

Die Marktmeinung aus Stuttgart / von Michael Beck

Stuttgart, (lifePR) - Das ging ja schnell! Kaum ist der langjährige Wächter unserer bundesdeutschen Finanzen Dr. Wolfgang Schäuble auf seiner verdienten Ehrenposition des Bundestagspräsidenten angekommen, machen sich ernste Bedenken um den Zustand der verwaisten Finanzkasse breit. Die mit dem Begriff „Jamaika“ verbundene Laissez-faire-Mentalität lässt befürchten, dass, um den verschiedenen Vorstellungen der vier an den Sondierungsgesprächen beteiligten Parteien Genüge zu tun, das Euro-Füllhorn weit aufgedreht wird. Noch ist nicht sicher, wer der/die neue Finanzminister/-in wird, aber wäre Dr. Schäuble noch im Amt, wären bereits jetzt schon die Eckpfeiler des (aus seiner Sicht) maximal Möglichen fest in den Haushaltsgrund eingerammt. Dies trug in der Vergangenheit nicht unerheblich zur Stabilität des Euros und der europäischen Finanzmärkte bei.

Obwohl in den Sondierungsgesprächen die „schwarze Null“ nach wie vor eine Rolle spielt, fehlt diese Vehemenz zurzeit, allein schon weil man ja nicht weiß, wer überhaupt Finanzminister/-in wird. So ist die Erwartung in der Tat nicht weit hergeholt, dass manch Haushalts-Euro zusätzlich in die Hand genommen werden wird, um die jeweiligen Spezial-Wünsche vor allem der drei kleineren beteiligten Parteien zu erfüllen. Die sprudelnden Steuereinnahmen verschaffen dafür sicher auch sehr viel Spielraum, sollten diese jedoch zukünftig etwas spärlicher fließen, müsste sichergestellt sein, dass die Haushaltsdisziplin gewährt bleibt.    

Innerhalb der Jamaika-Verhandlungen besteht zum Glück der Konsens, dass das Gelingen einer Regierungsbildung im Grunde von allen Protagonisten gewollt ist. Bis dato scheinen die roten Linien jedoch noch nicht angekratzt und es ist noch nicht absehbar, wer seine zuerst etwas verschieben will. Ein Koalitionsvertrag, der eins zu eins die Wahl(kampf)-Inhalte jeder Partei verkörpert, ist jedoch schwer vorstellbar. 

Bei den DAX-Anlegern sieht es im übertragenen Sinne ähnlich aus. Jeder möchte seine Rendite maximieren, aber über 13.000 DAX-Punkte Aktien kaufen zu wollen, scheint eher schwierig zu sein. Langjährige hohe Renditen sind aber nicht ohne Inkaufnahme höherer Risiken zu haben. Vielleicht ein Grund, in diesen schwieriger werden Marktphasen eher aktiv gemanagte, antizyklisch ausgerichtete Anlagestrategien denn rein passiv orientierte ETF-Strategien in Betracht zu ziehen. In lang anhaltenden Aufwärtsphasen ist es schon schön, mit passiven und prozyklisch ausgerichteten Anlagen eins zu eins zu partizipieren, in ausgeprägten Korrekturphasen wohl eher nicht.

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