Übertriebene Inflationsangst

Die Marktmeinung aus Stuttgart von Michael Beck

(lifePR) ( Stuttgart, )
Die 3 %-Marke der 10-jährigen Treasury-Anleihe in den USA bewegt die Anlegergemüter. Nach Erreichen dieser Marke verstärkten sich wieder die Zinsanstiegs- und Inflationsängste, die die internationalen Aktienmärkte bereits im Februar in eine ausgeprägte Korrekturphase geschickt haben. Man fragt sich dabei unwillkürlich, warum diese Entwicklung auch den deutschen und europäischen Aktiensektor belastet. Denn die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe liegt mit derzeit 0,55 % meilenweit unter der des US-Pendants. Der Zinsabstand zu den USA ist mittlerweile auf einem langjährigen Hoch angelangt, was nun auch zu einer gewissen Stärke des US-Dollars führt. Dies müsste eigentlich die europäischen Aktienmärkte stützen. Leider wird diese Unterstützung durch den schwelenden Handelsstreit mit den USA überlagert. Der Aufschub von 30 Tagen hinsichtlich der Einführung der umstrittenen Stahl- und Aluminiumzölle sorgt eigentlich nur für die Verlängerung der Unsicherheitsphase. Regelmäßige Äußerungen des US-Präsidenten auf Wahlkampfveranstaltungen lassen kaum erkennen, dass ein großes Umdenken in diesem Punkt stattfindet.

Die Inflationstendenzen in den USA werden zwar über die Sommermonate auf erhöhtem Niveau verharren, sich aber aufgrund von Basiseffekten gegen Jahresende abschwächen. In Deutschland und Europa wird das Inflationsziel der EZB von 2,0 % kaum erreicht werden, sodass die Inflationsängste in der Summe übertrieben scheinen. Die Normalisierung der Zentralbankaktivitäten wird zwar weiter voranschreiten, aber ohne in eine zu restriktiv gehaltene Geldpolitik zu münden. Angesichts der in Europa nach wie vor deutlich höheren Dividendenrendite im Vergleich zum allgemeinen Zinsniveau sind Aktien nach wie vor als langfristiges Investment erste Wahl. In den USA haben sich die Dividendenrenditen und der langfristige Zins zwar angenähert, aber da die Fed kaum in eine aggressiv restriktive Geldpolitik verfallen dürfte, könnte der langfristige Zins durchaus noch ein wenig steigen, bevor deutlichere Belastungen für die Aktienmärkte entstehen. Wahrscheinlich könnte die 3,50 %-Marke für den 10-jährigen US-Treasury eine solche Grenze darstellen, ab der Aktieninvestoren nervös werden. Die moderat steigende Inflation dürfte dies- und jenseits des Atlantiks aber dafür sorgen, dass sich der langfristige Zinsanstieg nicht übermäßig verstärken wird.           

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