Donnerstag, 23. November 2017


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Galerie Arndt & Partner: Khosrow Hassanzadeh, 23.09. - 14.11.2009

Berlin, (lifePR) - Arndt & Partner Berlin freuen sich, die erste Einzelausstellung des iranischen Malers Khosrow Hassanzadeh in Deutschland anzukündigen. Der Künstler, dessen Werke zurzeit auch im Rahmen der 53. Venedig Biennale zu sehen sind, zählt zu den prominentesten Vertretern der zeitgenössischen Kunst Irans. Sein faszinierend wandlungsfähiges Oeuvre umspannt eine Vielzahl unterschiedlicher Medien, von Siebdruck über Malerei und Zeichnung bis hin zu Collage und Assemblage. In Berlin zeigt er Arbeiten aus seiner jüngsten Serie Ya Ali Madad (2008-2009) sowie dem etwas früher entstandenen Zyklus Terrorist (2004). Siebdruck und Malerei vereinen sich darin zu kraftvollen, widerspenstigen Kompositionen, in denen, wie in all seinen Arbeiten, die menschliche Figur im Zentrum steht.

Die Werke Hassanzadehs, der sich - anders als viele seiner in der Diaspora lebenden Kollegen - entschieden hat, seinen Beruf als Maler in der Heimat auszuüben, sind tief in der eigenen Kultur verwurzelt. In formaler Hinsicht schöpfen sie vor allem aus der iranischen Populärkultur. So dienen ihm billige Lebensmittelverpackungen als Malgrund und gebrauchte Gegenstände vom Bazar als Material für seine Assemblagen. Motive, die er Schallplattencovern oder Wandmalereien in Teehäusern entlehnt, kombiniert er mit islamischer Kalligrafie sowie religiösen Artefakten und Bildmotiven. Inhaltlich setzen sich seine Arbeiten mit gesellschaftlich relevanten Fragen und der jüngeren Geschichte Irans auseinander. Dabei scheut Hassanzadeh nicht vor heiklen Themen, wie etwa dem Iran-Irak Krieg, in dem er selbst gedient hat, der Stellung der Frau in der Gesellschaft, Prostitution oder Terrorismus, zurück.

Für seine 2004 im Berliner Haus der Kulturen der Welt ausgestellte eindringliche Serie Faheshe (Prostitute, 2002) beispielsweise porträtierte er 16 Prostituierte, die 2001 in der heiligen Stadt Maschhad von einem religiösen Fanatiker ermordet worden waren. Zwar wurde der Täter zum Tod durch den Strang verurteilt, dennoch fanden sich unter konservativen Schiiten auch viele Verteidiger seiner Tat und das Ereignis trat eine Welle der Empörung über das Ausmaß der Prostitution in Maschhad los. Mittels Siebdruckverfahren vergrößerte und vervielfältigte Hassanzadeh den Zeitungen entnommene Polizeifotos der Frauen. Anschließend übermalte er die schwarz-weißen, sich wiederholenden Gesichter mit kräftigen Farben und verlieh ihnen mit nur wenigen treffsicheren Pinselstrichen eine erschütternde Präsenz. Mit den Bildnissen, die von Warhols Porträts der 1970er Jahre inspiriert zu sein scheinen, setzt Hassanzadeh den Opfern ein mutiges Denkmal und hinterfragt den komplexen Zusammenhang von Geschlecht und Macht im heutigen Iran. Damals wie heute ist es jedoch undenkbar, die kompromisslos kritischen Bilder im Iran selbst auszustellen.

Seit Hassanzadeh auch auf dem westlichen Kunstparkett vertreten ist, beschäftigt er sich zunehmend mit den im Westen vorherrschenden Bildern und Vorstellungen vom Iran. So zum Beispiel auch in seiner bei Arndt & Partner gezeigten vielschichtigen Serie Terrorist (2004), in der er, einen konzeptuellen Ansatz verfolgend, Bild und Text kombiniert. Auf monumentalen Leinwänden präsentiert er ganzfigurige Porträts seiner engsten Familienangehörigen, etwa seiner Mutter und Schwestern, sowie von sich selbst. In Stil und Bildaufbau folgt er dabei einer alten Tradition der Porträtfotografie, wie sie in entlegenen ländlichen Gegenden des Iran zu finden ist: Er koloriert die Figuren entsprechend der populären Ästhetik und umgibt sie collagenartig mit persönlichen Gegenständen, Fotos und Dingen, die einen ideellen Wert für die Dargestellten besitzen. Jedes der Porträts, per Siebdruckverfahren auf die Leinwand übertragen, existiert in mehrfacher, farblich variierender Ausführung. Neben den Leinwänden hängen Wandschilder, auf denen das Wort Terrorist zu lesen ist, gefolgt von kurzen Angaben zu den abgebildeten Personen. Diese sind im Stil von Steckbriefen gesuchter Terroristen verfasst, wie sie etwa auf der Webseite des FBI veröffentlicht werden. Der Fokus der brandmarkenden Beschreibungen liegt dabei auf der Glaubenszugehörigkeit der Porträtierten, bei denen es sich um Moslems handelt. Terrorist ist die einzige Serie Hassanzadehs, die sich explizit an einen westlichen Betrachter richtet. Sie lenkt den Blick auf die klischeebehafteten Vorstellungen von der islamischen Kultur, wie sie sich nach der iranischen Revolution und insbesondere nach den Ereignissen des 11. September im Westen festgesetzt haben. Darüber hinaus befragt Hassanzadeh darin aber auch seine Identität und Autonomie als iranischer Künstler in einem internationalen Kunstbetrieb, dessen ästhetische Urteile von abendländischen Werten geleitet sind.

In seiner jüngsten Serie Ya Ali Madad (2008-2009) beschäftigt sich Hassanzadeh mit einem kulturellen Phänomen im Iran, das vom Verschwinden bedroht ist. Als Vorlagen für seine Arbeiten dienten ihm hier Fotografien von gefeierten Ringern der Jahrtausende alten iranischen Kampfsportdisziplin Varzesh-e Pahlavani. Die Disziplin vereint Aspekte vorislamischer Kultur mit sufistischer Spiritualität und Ethik. Ein Pahlavan-Ringer muss sich nicht nur durch körperliche Kraft, sondern vor allem auch durch Tugendhaftigkeit, Enthaltsamkeit und Wohltätigkeit auszeichnen. Seit der islamischen Revolution hat diese Disziplin einen großen Teil ihrer enormen Popularität eingebüßt. Dennoch zieren Fotografien der Ringer noch heute die Wände vieler Restaurants oder Teehäuser und haben sich tief ins kollektive Bildgedächtnis eingeprägt. Die Serie Ya Ali Madad zollt dieser aussterbenden Kultur Tribut.
Text: Kristin Rieber

KHOSROW HASSANZADEH
geboren 1963 in Teheran, studierte in Teheran - zunächst Malerei unter dem iranischen Künstler Aydin Aghdashlou und an der Mojtama-e-Honar Universität, anschließend persische Literatur an der Azad Universität. 2003 war er Stipendiat der Cité Internationale des Arts in Paris. Außer als Maler tritt Hassanzadeh auch als Filmschauspieler in Erscheinung. Er lebt und arbeitet in Teheran. Neben zahlreichen Einzelausstellungen in Galerien in London, Teheran, Dubai, Beirut, Damaskus und Phnom Penh, präsentierte er 2006 seine erste Retrospektive im Tropenmuseum, Amsterdam. Zu seinen Beteiligungen an Gruppenausstellungen zählen: Iran.com: Iranische Kunst Heute, Museum für Neue Kunst, Freiburg; Word into Art: Artists of the Modern Middle East, British Museum, London (beide 2006); Entfernte Nähe. Neue Positionen iranischer Künstler, Haus der Kulturen der Welt, Berlin (2004).Zurzeit sind seine Werke im Rahmen der 53. Venedig Biennale in der Ausstellung East-West Divan. Contemporary Art from Afghanistan, Iran and Pakistan (bis 04.10.2009) sowie in den Gruppenausstellungen Jameel Prize 2009, Victoria and Albert Museum, London (bis 13.09.2009), und Iran Inside Out, Chelsea Art Museum, New York (bis 05.09.2009), zu sehen.

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