Samstag, 18. November 2017


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MXoN 2017: Team Germany-Mannschaftskapitän Max Nagl über die Gänsehaut-Momente beim Nationen-Cross

München, (lifePR) - .


Nagl ist beim Motocross der Nationen sogenanntes "Urgestein"
Oberbayer denkt noch nicht ans Aufhören
Langjährige Erfahrung bringt Nagl deutliche Vorteile beim MXoN


Max Nagl gehört im Team Germany quasi schon mit zum Inventar, seit nunmehr zwölf Jahren geht der Oberbayer vom Rockstar Energy Husqvarna Factory Racing Team bereits beim prestigeträchtigen Motocross der Nationen an den Start. Einmal ist es ihm gemeinsam mit seinen beiden damaligen Teamkollegen Marcus Schiffer und Ken Roczen bislang gelungen, den Titel für Deutschland einzufahren, 2012 wurde das Trio im belgischen Lommel als MXoN-Mannschaftsweltmeister gekürt. Warum der 30-Jährige sich jedes Jahr wieder auf die sogenannte Olympiade des Motocross-Sports freut und warum er noch nicht ans Aufhören denkt, erzählt er in einem Exklusiv-Interview.

Du bist mit Deiner zwölfjährigen MXoN-Erfahrung mittlerweile das sogenannte "Urgestein" im Team Germany. Erfüllt Dich das mit Stolz oder ist es nun eher Zeit, sich zu verabschieden?
Beides, um ehrlich zu sein. Natürlich erfüllt es mich mit viel Stolz, dass ich das schon so lange mache, denn es gibt nicht viele Fahrer mit einer so langjährigen Nations-Karriere. Ich habe in den zwölf Jahren nur ein einziges Mal bedingt durch eine Verletzung ausgesetzt. Allerdings frage ich mich hin und wieder schon, wann der richtige Zeitpunkt zum Aufhören ist.

Was genau reizt Dich nach all diesen Jahren noch immer am MXoN?
Es ist jedes Mal wieder der Stolz, den man zeigen kann, wenn man bei diesem Event sein Land vertreten darf.

Im vergangenen Jahr hattet Ihr ziemlich viel Pech. Du bist schwer gestürzt und Dennis Ullrich und Henry Jacobi sind im B-Finale knapp gescheitert. Wie hast Du dieses Rennwochenende im Nachhinein, mit einigen Monaten Abstand betrachtet, erlebt?
Eigentlich war es bis zu dem Sturz alles top, alles war super organisiert und optimal vorbereitet. Aber so einen Unfall kann eben niemand vorhersehen, das war einfach ein schlechter Tag, der schon bei der Lotterie mit dem Ziehen des schlechten Startplatzes angefangen und sich dann wie ein Schneeballsystem verselbständigt hat. Ich glaube bis heute, dass das Nations für uns mit einem besseren Startplatz ganz anders verlaufen wäre.

Bist Du wie in den vergangenen Jahren der Mannschaftskapitän des Team Germany?
Bis jetzt ist es so geplant, dass ich wieder als Mannschaftskapitän des Team Germany mit dabei bin. Wolfgang Thomas (Teamchef) und ich stehen in regem Kontakt und bisher haben wir nichts Gegenteiliges zu verkünden.

Du gehörst mit 29 Jahren eher zur älteren Riege der MX-Profis. Was haben Dir die Jüngeren voraus?
(lacht) Eigentlich gar nichts, die sind eher hinterher. Das einzige, was mir im Alter tatsächlich zu schaffen macht, ist das viele Reisen, denn den Jetlag steckt man dann irgendwann nicht mehr so gut weg wie damals, als man noch 20 war.

Und was können die jüngeren Fahrer von Dir lernen?
Sehr viel! Am meisten profitieren sie jedoch tatsächlich von meiner Erfahrung, denn die bezieht sich auf alle Bereiche wie Training, Reisen oder Essen. Durch meine ganze Expertise habe ich extrem viel dazugelernt.

Welchen Lerneffekt hast Du noch immer?
Ich bin beispielsweise eigentlich ein guter Starter, aber seit diesem Jahr gibt es spezielle Metallgitter, von denen man bei der WM losfährt. Das hat Youthstream eingeführt, damit eine Chancengleichheit für jeden besteht und sich die Fahrer nicht mehr wie bisher immer ihren Startplatz vorher herrichten. Diese Situation ist für mich trotz meiner langjährigen Erfahrung komplett neu und da tue ich mich momentan noch sehr schwer mit. Daher heißt es auch für mich hier: trainieren, testen, lernen.

Bei der Teamvorstellung der einzelnen Länder seid ihr mit einem großen Pick-up durch die Menge gefahren und habt Euch bejubeln lassen - für die Zuschauer ein großer Gänsehaut-Moment. Wie erging es Dir an dem Tag?
Genau dieser Moment macht das Nations auch für mich so speziell. Diesen Gänsehaut-Moment, den ich übrigens genauso erlebt habe, hat man bei keinem anderen Motocross-Event auf der Welt, der ist einzigartig beim MXoN.

Du giltst als sehr diszipliniertes 'Arbeitstier'. Woher kommt der Ehrgeiz?
Den Ehrgeiz habe ich durch mein fehlendes Talent entwickelt. (lacht) Ich musste schon von klein auf hart für meinen Erfolg arbeiten.

Bisher befindest Du Dich bei der WM auf Rang neun, weitere 14 WM-Stopps liegen noch vor Dir. Letztes Jahr wurdest Du Dritter, wo siehst Du Dich realistisch gesehen dieses Jahr?
Also auf jeden Fall nicht da, wo ich jetzt stehe. (lacht) Ich hatte trotz des guten Trainings und der erfolgreichen Tests im Winter einen schweren Start in diesem Jahr, kann aber auch nicht sagen, woran das lag. Das viele Reisen hat mir durch den bis dato sehr engen WM-Kalender extreme Probleme bereitet, die sich dann halt in den weniger tollen Ergebnissen widergespiegelt haben.

Dein Vater ist ebenfalls MX gefahren. Was hat er Dir damals mit auf den Weg gegeben, was Dir heute noch wichtig ist?
Mein Vater hat mir beigebracht, dass man viel für seinen Erfolg tun muss und das sage ich mir bis heute immer wieder.

Dein zweijähriger Sohn durfte auch schon mal bei Dir mitfahren, ist zudem selbst ein großer Laufrad-Fan. Inwieweit hoffst Du, dass ein später mal dieselbe Karriere macht wie Du?
Ich hoffe gar nicht, dass er in meine Fußstapfen tritt. (lacht) Ich meine, ich mache diesen Sport jetzt schon seit 20 Jahren und werde vielleicht noch weitere fünf Jahre aktiv sein. Sollte Mason ebenfalls Profi werden wollen, müsste ich ja quasi auf der anderen Seite als Trainer das Ganze erneut durchleben und das möchte ich, ehrlich gesagt, nicht. Zumal dieser Sport eben auch Schattenseiten hat mit dem hohen Verletzungsrisiko. Dennoch würde ich mir wünschen, dass er zumindest Motorradfahren lernt. (lacht)

Und was kommt bei Dir nach der MX-Karriere?
Dieses Thema beschäftigt mich eigentlich permanent, obwohl ich ja tatsächlich bis zum Karriereende noch ein wenig Zeit habe. Ich interessiere mich sehr für Autos und würde auch gern weiterhin im Sportbereich tätig sein. Vielleicht werde ich mal Coach oder Testfahrer. Mal sehen. Klar ist allerdings, dass ich kein eigenes Team gründen werde, da das wieder mit einem riesengroßen Aufwand verbunden ist und auch ich mal ein normales Leben ohne ständig verplante Wochenenden führen möchte. (lacht)

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