Freitag, 15. Dezember 2017


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Hamburger Pilotprojekt "NetzWerk LebenPlus" startet: Länger selbstständig und selbstbestimmt leben

Hamburg, (lifePR) - Älteren Menschen ein möglichst langes selbstständiges und selbstbestimmtes Leben in der eigenen Wohnung zu ermöglichen - das ist das Ziel des heute mit einer Kick-off-Veranstaltung aller teilnehmenden Institutionen startenden Hamburger Pilotprojekts "NetzWerk LebenPlus" (NWLP) unter der Federführung der Techniker Krankenkasse (TK). Angelegt ist das Pilotprojekt für 1.000 teilnehmende Versicherte im Bezirk Eimsbüttel. Im Zentrum des NWLP steht eine koordinierende Stelle, angesiedelt im Albertinen-Haus - Zentrum für Geriatrie und Gerontologie in Hamburg-Schnelsen. Außerdem erhalten alle Teilnehmenden einen Tablet-PC mit einer speziellen Software, um den Einsatz von technischen Assistenzsystemen zu erproben.

Förderung durch den Innovationsfonds

Das Projekt erhält eine Förderung in Höhe von maximal 8,9 Millionen Euro über vier Jahre aus dem Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA). Damit ist es das größte der drei Hamburger Projekte, die in der ersten Förderwelle aus dem Innovationsfonds gefördert werden. Ziel des Innovationsfonds ist die qualitative Weiterentwicklung der Versorgung in der gesetzlichen Krankenversicherung.

Zahlreiche Partner

Konsortialpartner des Projekts sind neben dem Albertinen-Haus als Träger der Koordinierungsstelle auch CIBEK technology + trading GmbH, die BARMER, die DAK-Gesundheit, die KNAPPSCHAFT, die Johanniter-Unfall-Hilfe e.V., die Universität Bielefeld sowie die Albertinen-Haus-Forschungsabteilung für Klinische Geriatrie, wissenschaftliche Einrichtung an der Universität Hamburg.

Demografischen Wandel gestalten

Auch in der Hansestadt wächst die Zahl der älteren Menschen und Pflegebedürftigen stetig. "Demografie ist in Hamburg ein großes Thema. Mit unserem Projekt möchten wir Antworten auf die damit verbundenen Herausforderungen liefern. Das Durchschnittsalter in der Hansestadt liegt zwar insgesamt unter dem Bundesdurchschnitt, doch wir müssen uns frühzeitig auf die Veränderungen einstellen. Besonders für ältere Menschen ist eine wohnortnahe Versorgung wichtig, nur so können sie bis ins hohe Alter selbstständig leben", sagt Maren Puttfarcken, Leiterin der TK-Landesvertretung Hamburg. "In vielen Quartieren gibt es gute bestehende Versorgungsstrukturen. Häufig fehlt es aber an einer Vernetzung, oder die Menschen kennen die Angebote gar nicht. Daher möchten wir die bestehenden Versorgungsstrukturen, Angebote und Akteure im Gesundheits-, Pflege-, Sozial-, Wohn- und Gemeinwesen besser miteinander verknüpfen. Wir sehen die Digitalisierung als eine Möglichkeit, auch ältere Menschen zu unterstützen. Daher bekommt jeder NWLP-Teilnehmer einen Tablet-PC als Basisausstattung."

Sektorenübergreifendes Hilfs- und Betreuungsnetzwerk

Neben den regionalen Quartiersangeboten kombiniert das NWLP neue und bewährte Versorgungsbausteine. Erste Anlaufstelle für die Teilnehmer ist die koordinierende Stelle. "Wir beschäftigen uns im Albertinen-Haus seit Langem mit moderner Versorgung älterer Menschen, mit dem NetzWerk LebenPlus erproben wir nun eine weitere Möglichkeit", so Ralf Zastrau, Geschäftsführer des Albertinen-Hauses. "Zuerst durchlaufen alle Teilnehmer umfangreiche Untersuchungen und strukturierte Tests in der koordinierenden Stelle, um die individuellen Bedürfnisse zu erfassen. Die Ergebnisse bilden die Basis für die Erstellung eines individuellen Unterstützungsplans. Unser Ziel ist es, die Menschen umfassend und gezielt zu beraten und zu begleiten. Der Unterstützungsplan ermöglicht daher eine verbesserte Versorgung in der eigenen Wohnung. So kann idealerweise eine vollstationäre Pflege, die bisher aufgrund der gesundheitlichen Situation nötig gewesen wäre, vermieden werden."

Entscheidend dabei: Die präzise Beschreibung der Zielgruppe. Prof. Dr. Wolfgang von Renteln-Kruse, Chefarzt der Medizinisch-Geriatrischen Klinik im Albertinen-Haus und Stiftungs-Professor für Geriatrie und Gerontologie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf: "Das Projekt richtet sich gezielt an solche ältere Menschen, die laut des hier im Haus entwickelten LUCAS-Funktionsindex bereits gefährdet sind, Hilfs- und Pflegebedürftigkeit zu entwickeln."

Technisches Unterstützungssystem

Die Unterstützung in der eigenen Häuslichkeit wird durch das technische Assistenzsystem "PAUL" der Firma CIBEK ergänzt. "PAUL" steht dabei für "Persönlicher Assistent für Unterstütztes Leben“ und ist auf einem Tablet-PC vorinstalliert, den jeder Projekt-Teilnehmer erhält. "PAUL" ist in seiner Basisausstattung eine Kommunikations-Plattform. "Die Software bietet viele verschiedene Möglichkeiten. Die Teilnehmer können Online-Videosprechstunden mit den Ärzten der koordinierenden Stelle durchführen, ihren Medikationsplan einsehen oder im Notfall einen Notruf an die Johanniter-Unfall-Hilfe absetzen", so Bernd Klein, Geschäftsführer von CIBEK. "Die Software wurde extra für ältere Menschen entwickelt, daher ist die Nutzerfreundlichkeit gewährleistet. 'PAUL' ist einfach und individuell zu bedienen, dafür sorgen eine große Schrift und Symbole. In weiteren Ausbaustufen sind bei Bedarf Haussteuerungs-Funktionen und eine intelligente Aktivitätserkennung mit Hilfe von angeschlossenen Bewegungsmeldern möglich."

Evaluation der Ergebnisse

Alle Projekte, die eine Förderung durch den Innovationsfonds erhalten, müssen evaluiert werden. Die AG Gesundheitsökonomie und Gesundheitsmanagement der Universität Bielefeld und die Forschungsabteilung für Klinische Geriatrie am Albertinen-Haus übernehmen die wissenschaftliche Begleitung von NetzWerk LebenPlus. "Das Projekt ist sehr komplex, daher widmen wir uns bei der Evaluation drei Kernbereichen: Akzeptanz, Versorgungsqualität und Kosten", sagt Prof. Wolfgang von Renteln-Kruse, Leiter der Geriatrischen Klinik des Albertinen-Hauses. "Zum einen wird untersucht, wie hoch die Bereitschaft zur Teilnahme am 'NWLP' ist und wie die Akzeptanz ausfällt. Zum anderen soll die wissenschaftliche Begleitung durch gleich mehrere Institutionen aber auch aufzeigen, inwieweit die medizinische Versorgungsqualität für die Teilnehmer steigt und ob das Projekt kosteneffektiv ist."

Projekt startet heute

Das Projekt startet am heutigen 10. Januar 2017. Es ist geplant, dass sich die ersten Versicherten ab Juli 2017 in das Versorgungsmodell einschreiben können. "Wir freuen uns sehr, dass wir jetzt unsere Arbeit aufnehmen können. Wir hoffen, es gelingt uns, das deutsche Gesundheitswesen mit unserem Projekt einen großen Schritt nach vorn zu bringen", schließt Puttfarcken.

Ziel des Innovationsfonds ist die qualitative Weiterentwicklung der Versorgung in der gesetzlichen Krankenversicherung. Gefördert werden Projekte, die auf eine Verbesserung der bestehenden Versorgungsformen ausgerichtet sind. Das Projektbudget wird durch die Mitgliedsbeiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung aus dem Gesundheitsfonds finanziert. Die zur Verfügung stehende Fördersumme des Innovationsfonds beträgt in den Jahren 2016 bis 2019 jeweils 300 Millionen Euro jährlich. Hierbei sind 225 Millionen Euro für die Förderung neuer Versorgungsformen und 75 Millionen Euro für die Versorgungsforschung vorgesehen.

 

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