Donnerstag, 22. Februar 2018


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Sieht die Käfiglobby doppelt?

Um ein Verbot der "Kleingruppenkäfige" für Legehennen zu verhindern, scheint die Käfigindustrie das Statistische Bundesamt mit falschen Zahlen gefüttert zu haben

Berlin, (lifePR) - Die vom Statistischen Bundesamt vorgelegten Zahlen zur Legehennenhaltung in Deutschland sorgen weiterhin für Verwirrung. Demnach soll sich die Zahl der Hennenhaltungsplätze in sogenannten "Kleingruppenkäfigen" in 2010 im Vergleich zum Vorjahr von 3,5 auf 6,7 Millionen fast verdoppelt haben - und das, obwohl alle großen Supermarktketten aus dem Verkauf dieser Eier ausgestiegen sind. Im selben Zeitraum hat ein großer Teil der verarbeitenden Lebensmittelindustrie die Verwendung von Käfigeiern beendet (siehe www.kaefigfrei.de/transparenz).

Auf Rechtsanwalt Wolfgang Schindler, der sich seit über einem Jahrzehnt intensiv mit der Käfiglobby auseinandersetzt und im Jahr 1999 das höchste deutsche Gericht in einem jahrelangen Verfahren von der Verfassungswidrigkeit der damals vorherrschenden Legebatterien überzeugen konnte, zieht daraus folgenden Schluss: "Entweder die Käfigindustrie betreibt wirtschaftlichen Unsinn, oder es wird grob wahrheitswidrig taktiert. Nach meinen Erfahrungen dürfte letzteres zutreffen."

Nach Recherchen der Albert Schweitzer Stiftung dürfte es für die Käfigindustrie ein Leichtes gewesen sein, die Behörden irre zu führen: Die Statistischen Landesbehörden übernehmen die Zahlen der Legehennenhalter ungeprüft und leiten diese an das Statistische Bundesamt weiter. Das Bundesamt fasst die Zahlen der Länder daraufhin ebenfalls ungeprüft zusammen und erstellt daraus eine Meldung. Für die Käfighalter hätte eine erhöhte Zahl der Käfige den Vorteil, dass wirtschaftliche Stärke simuliert würde. Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner scheint sich bereits beeindruckt haben zu lassen: Nachdem sie ursprünglich ein Verbot der Käfige angekündigt hatte, verhält sie sich nun sehr zögerlich.

Doch die offizielle Statistik ist fehlerhaft. Das Statistische Bundesamt hat deutlich weniger Legehennen in Boden-, Freiland- und Biohaltung gemeldet als tatsächlich in Deutschland gehalten werden. Auch ist nicht nachzuvollziehen, wer in die Kleingruppenkäfige investiert haben soll, da sogar Unternehmen, die ursprünglich angekündigt hatten, einen Großteil der Produktion auf die neuen Käfige umzustellen, nun doch vor allem in die Bodenhaltung investiert haben. Auch hier hat man offensichtlich die Zeichen der Zeit erkannt.

Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt

Die Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt fordert das Statistische Bundesamt auf, die gemeldeten Zahlen zu hinterfragen und insbesondere die Angaben zur Käfighaltung genau auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen. Bundesministerin Aigner ist aufgefordert, die Käfige unabhängig davon zu verbieten, da die Tiere darin ihre natürlichen Verhaltensweisen nicht ausleben können.

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