Montag, 18. Dezember 2017


  • Pressemitteilung BoxID 567569

Herbstbarometer Ernährungswirtschaft 2015

Ernährungswirtschaft zunehmend unter Ertragsdruck

Bentwisch, (lifePR) - Seit vier Jahren erhebt Agrarmarketing Mecklenburg-Vorpommern e.V. (AMV) zweimal jährlich Daten zum Geschäftsklima in der Ernährungsbranche des Landes. Das Herbstbarometer Ernährungswirtschaft 2015 liegt pünktlich zum Jahresende vor. Die Ernährungswirtschaft als umsatzstärkster Wirtschaftszweig im verarbeitenden Gewerbe ist einer der wichtigsten Arbeitgeber und Wirtschaftsfaktor in allen Regionen in Mecklenburg-Vorpommern.

An der Umfrage beteiligten sich von 129 angeschriebenen Unternehmen insgesamt 34 Unternehmen (N=100), das entspricht einer Rücklaufquote von gut 26 %. Der Rücklauf unter den AMV-Mitgliedern lag bei 46 %. Damit kann von einem repräsentativen Bild ausgegangen werden. Insgesamt ist die Stimmung verhalten positiv einzuschätzen. Dennoch wird deutlich, dass zwischen den einzelnen Aussagen zur Umfrage eine sehr große Spannweite liegt. An der Befragung nahmen jeweils 21 % Kleinst- und Kleinunternehmen teil. Den größten Teil der Befragten (35 %) machen mittelständische Unternehmen aus. Der Rubrik der Großunternehmen sind 11,5 % der Unternehmen zuzuordnen. Der Rest machte keine Angaben zur Unternehmensgröße. Damit bildet das Barometer in erster Linie die KMUs ab – ihr Anteil beträgt 56 %.

Umsatz
Trotz guter Geschäfte der Hälfte der Unternehmen hat sich die Zahl der Unternehmen verdoppelt, deren Umsatz gegenüber dem Vorjahr gesunken ist. Erfreulicherweise hat sich damit die Prognose von 57 % der in 2014 befragten Unternehmen, die steigende Umsatzzahlen für 2015 erwarteten, bestätigt. Mit einem Jahresumsatz von 4,44 Mrd. Euro (= ca. 36 % des Gesamtumsatzes des verarbeitenden Gewerbes) gehört das Ernährungsgewerbe (Herstellung von Nahrungs- und Futtermitteln) inkl. Getränkeherstellung trotz eines Umsatzrückganges von 3 % zu den Leitbranchen in MV. Deutschlandweit beträgt der Anteil des Ernährungsgewerbes inkl. Getränkeherstellung am verarbeitenden Gewerbe dagegen nur 9,3 % (siehe Statistisches Datenblatt 2015 des Ministeriums für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz Mecklenburg-Vorpommern). In der aktuellen Analyse der NORD/LB, die nur Unternehmen mit einem Umsatz von mehr als 50 Mio. EUR erfasst, befinden sich 13 Unternehmen des Ernährungsgewerbes (sieben davon sind AMVMitglieder) mit einer Umsatzsumme von über 2 Mrd. EUR (siehe MV-Report der NORD/LB vom 14.12.2015).

Ertrag
Die Ertragslage der Lebensmittelhersteller gestaltet sich zunehmend schwieriger. Negativ wirkt sich mittlerweile aus, dass sich die Prozentzahl der Unternehmen, die ihre wirtschaftliche Situation bisher mit einem steigenden Ertrag beurteilten, innerhalb von drei Jahren fast halbiert hat. Der Anteil der Firmen, deren Ertrag auf dem Vorjahresniveau geblieben ist, ist um zwei Prozentpunkte gesunken, während drei Unternehmen keine Angaben gemacht haben. Es wird deutlich, dass sich der Kostendruck auf die Unternehmen zunehmend erhöht.

Investitionsabsichten
Die Anforderungen an Produktentwicklungen, Prozessinnovationen und an die Qualitätssicherung nehmen zu. Nach 2014, als mehr als die Hälfte der Unternehmen angaben, dass ihre Investitionsausgaben gestiegen sind, hat sich dieser Wert in nur einem Jahr wieder relativiert und liegt wieder fast bei dem Wert der Jahre 2012 und 2013. Für 44 % der Unternehmen sind die Investitionsausgaben gegenüber dem Vorjahr gleich geblieben.

Beschäftigte
2014 waren in den 163 Unternehmen des Ernährungsgewerbes in MV mit mehr als 20 Beschäftigten (Herstellung von Nahrungs- und Futtermitteln sowie Getränkeherstellung) 16.327 Menschen tätig, das sind 29,1 % aller Beschäftigten im verarbeitenden Gewerbe (siehe MV im Spiegel der Statistik 2015). Durch ihre Präsenz in allen Regionen des Bundeslandes könnte die Stärkung ihrer Wettbewerbsfähigkeit positive Wirkungen auf alle regionalen Arbeitsmärkte entfalten. Jedoch hatte das strukturprägende Ernährungsgewerbe im Jahr 2014 einen Beschäftigungsrückgang von 4,1 % zu verzeichnen. Im Barometer des AMV gaben sogar 12 % der Befragten einen Beschäftigungsrückgang an. Erfreulich ist aber die Tatsache, dass 59 % der Unternehmen die Arbeitsplätze sichern und 26 % sie sogar ausbauen konnten. Dennoch ist die Zahl derer, die mehr Arbeitskräfte beschäftigen, von 2014 zu 2015 von 40 % auf 26 % gesunken.

In Sachen Fachkräfte halten sich die Angaben der Unternehmen die Waage: 53 % der befragten Unternehmen (gegenüber 57 % im Jahr 2014) betrachten die Situation als gut bzw. noch nicht beunruhigend. Die Zahl derer (2015: 44 %; 2014: 43 %), die sie als beunruhigend ansehen, ist gegenüber dem Vorjahr in etwa gleich geblieben. 4 % der Befragten machten hierzu keine Angaben. Derzeit beschäftigen lt. AMV-Barometer vier von zehn Unternehmen keine Azubis. Hauptgründe sind in der geringen Verfügbarkeit geeigneter junger Leute in den überwiegend ländlichen Räumen und im Image bestimmter Berufsbilder zu sehen. Jedoch haben auch in der Ernährungsbranche einige Unternehmen den Versuch gestartet, ausländische Lehrlinge auszubilden und zu integrieren. Um geeigneten Nachwuchs zu rekrutieren, macht jedes zweite aller befragten Unternehmen eigenen Angaben zufolge auf Jobbörsen auf sich aufmerksam. 44 % nutzen die Gelegenheit, ihr Unternehmen und ihre Berufsfelder direkt in Schulen vorzustellen, 38 % bieten den jungen Leuten für ihre Berufsfindung Betriebsbesichtigungen an. Gemeinsame Aktivitäten mit der IHK wurden nur in drei Fällen geplant und durchgeführt. Gut jedes fünfte Unternehmen machte zur Nachwuchsförderung keine Angaben.

Aktuelle Herausforderungen
Die größten Sorgen für die Unternehmer der Ernährungsbranche bereiten in diesem Jahr die Absatzprobleme durch die Preisgestaltung im Handel. Der Großteil der Unternehmen muss sich mit einer Zunahme der Zentralisation des Handels, die mit höheren Auftragsvolumina bei immer weniger Kunden verbunden ist, am Markt behaupten. Immerhin spürt ein Drittel der Befragten eine stärkere Fokussierung auf Regionalität. Wie bereits in der letzten Umfrage kristallisieren sich die steigenden Rohstoffkosten und der Fachkräftemangel als weitere wesentliche Probleme heraus. Im BVE-Konjunkturreport Ernährungsindustrie 12-15 (www.bve-online.de) heißt es dazu: „Die Preisentwicklung bei Agrarrohstoffen ist von der Angebots- und Nachfrageentwicklung am Weltmarkt und somit auch von Ernte und Witterung abhängig. So kann es in Teilbranchen immer Knappheit aufgrund extremer Witterung geben. Da viele Agrarrohstoffe in US-Dollar gehandelt werden, wirken zudem auch Wechselkursschwankungen auf die Preise. Insgesamt bleiben die Preise an den Agrarrohstoffmärkten auf hohem Niveau und fordern bei dem starken Ertragsdruck das Kostenmanagement in der Lebensmittelherstellung heraus.“
In diesem Jahr schätzen die Unternehmen die deutliche Zunahme bei den „Auflagen und Restriktionen“ sowie „wirtschaftliche und gesetzliche Rahmenbedingungen“ als bedeutende Herausforderungen ein. Die Themen Mindestlohn und Energiekosten erschweren weiterhin die tägliche Arbeit in den Unternehmen. Dies betrifft in erster Linie Unternehmen mit einem hohen Anteil an Handarbeit und Kleinstproduzenten. Für viele Unternehmen ist nach wie vor nicht absehbar, wie in so kurzer Zeit eine Anpassung erfolgen kann, wenn gleichzeitig die Marktpräsenz aufrechterhalten werden soll. In diesem Zusammenhang sind auch die gesunkenen Investitionen in der Branche zu sehen.

Export
Die Exportquote lag im Jahr 2014 mit 13,5 % bei Nahrungs- und Futtermitteln und 17,3 % in der Getränkeherstellung auf einem nach wie vor relativ niedrigen Niveau. Jedes fünfte Unternehmen (21 %) gab in der Umfrage an, dass seine Exportquote gegenüber dem Vorjahr gestiegen ist, bei mehr als der Hälfte der Unternehmen (54 %) ist sie gleich geblieben, 8 % verzeichneten einen Exportrückgang und 18 % der Unternehmen machten keine Angaben. Auf die Frage, wie sich die Russlandsanktionen auf das Geschäft auswirken, berichteten drei von vier Unternehmen, keine Auswirkungen zu spüren. Von einem Preisverfall sprechen 9 %, 6 % geben einen Exportrückgang und 3 % Absatzprobleme in Deutschland an. 6 % machten dazu keine Angaben.

Produktprogramm
Auf die Frage, inwieweit Änderungen am Produktprogramm im Vergleich zum Vorjahr vorgenommen worden sind, antworteten jeweils 47 % der Unternehmen, dass sie ihr Programm erweitert bzw. keine Veränderungen vorgenommen haben. 6 % der Unternehmen haben ihr Produktprogramm verkleinert. Naturbelassene Produkte spielen eine zunehmend größere Rolle, immerhin gut ein Viertel aller Unternehmen produziert in diesem Segment. Deutlich wird auch, dass einige Unternehmen sich bestimmten Trends stärker zuwenden und Produkte mit gesundheitlichem Zusatznutzen, aber auch vegetarische und vegane Produkte in ihr Portfolio aufgenommen haben. Damit wenden sie sich an die derzeit ca. 10 % Vegetarier und 1 % Veganer in Deutschland.

Der Anteil der Unternehmen, die Bioprodukte anbieten, ist gegenüber dem Vorjahr in etwa gleich geblieben. Im Vergleich zur letzten Umfrage hat sich die Zahl der Anbieter von Halal- und koscheren Produkten verdoppelt. Damit reagieren die Unternehmen auf die deutliche Zunahme an Halalzertifizierten Produkten weltweit. Zwar richtet sich die Mehrzahl dieser Produkte an Verbraucher im Nahen Osten und Asien, jedoch ist eine deutliche Zunahme auf den Märkten auch außerhalb dieser Regionen zu erkennen (43 % für 2014 im Vergleich zu 2010). Das betrifft insbesondere auch den deutschen und den europäischen Markt. Das steigende Handelsvolumen eröffnet den Lebensmittelherstellern neue Chancen, wie Innova Market Insights, 2015, berichtet. Auch beim Angebot von koscheren Produkten (Lebensmittel, die speziell den jüdischen Speisegesetzen entsprechen), ist ein Anstieg zu verzeichnen. So stieg der Anteil von Produktneueinführungen weltweit von 2012 auf 2013 um 38 % und von 2013 auf 2014 nochmals um weitere 21 %. Der größte Anteil entfällt dabei auf die Artikelgruppe Schokolade mit 7,1 %. Produktneueinführungen kamen vor allem aus Nordamerika mit 62 % (ebd).

Resultierend aus den genannten Einschätzungen gaben die Befragten zu den Erwartungen an den Agrarmarketing Mecklenburg-Vorpommern e.V. an, dass der Branchenverein AMV in erster Linie mit Lobbyarbeit, Messen, Branchentagen, Netzwerkarbeit, Schulungsveranstaltungen, Verkaufsförderaktivitäten unterstützen kann. Zur künftigen strategischen Ausrichtung des Vereins wird es im Februar einen Workshop geben.

Das nächste Barometer Ernährungswirtschaft wird im Juni 2016 erstellt.  

 

 

Agrarmarketing Mecklenburg-Vorpommern e.V.

Der AMV ist das größte Netzwerk Mecklenburg-Vorpommerns für die Agrar- und Ernährungswirtschaft - die umsatzstärkste Branche des verarbeitenden Gewerbes in MV. Er vereint unter seinem Dach derzeit 61 Mitgliedsunternehmen, 39 Fördermitglieder sowie 14 Kooperationspartner.
www.mv-ernaehrung.de

Diese Pressemitteilungen könnten Sie auch interessieren

Neue Vielfalt, gleicher voller Geschmack - aber weniger Zucker

, Essen & Trinken, HARIBO GmbH & Co. KG

HARIBO bringt noch mehr Abwechslung ins Süßwarenregal und überrascht alle Naschfans mit drei aufregenden, neuen Produkten: HARIBO Fruitilicious,...

eat! berlin bringt die Hauptstadt zum Kochen

, Essen & Trinken, eat berlin GmbH

Vom 23.02. bis zum 4.3.2018 erlebt die Hauptstadt ein kulinarisches Feuerwerk. An zehn eat! berlin Festivaltagen werden bei rund 50 Veranstaltungen...

„Bayerisches Bier“ aus Brasilien

, Essen & Trinken, NewsWork AG

Die Biere der ältesten Klosterbrauerei der Welt werden in der Nähe des Zuckerhuts nach dem bayerischen Reinheitsgebot und mit bayerischen Rohstoffen...

Disclaimer