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Pressemitteilung BoxID: 392812 (Ärztekammer Westfalen-Lippe)
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Windhorst warnt: Patientenversorgung am Abgrund

Schrille Alarmglocken: Kammer fordert bessere Rahmenbedingungen für den ärztlichen Nachwuchs

(lifePR) (Münster, ) In die aktuelle Diskussion um die Arbeitsbedingungen für Ärzte in den Kliniken sowie die Zukunft der ärztlichen Aus- und Weiterbildung hat sich nun die Ärztekammer Westfalen-Lippe eingeschaltet. Kammerpräsident Dr. Theodor Windhorst fordert. "Es ist ultimativ Zeit, dass wir uns um verbesserte Rahmenbedingungen für den ärztlichen Nachwuchs in Kliniken und Praxen kümmern. Ansonsten droht der Versorgung insbesondere in den Krankenhäusern der Exitus. Die Patientenversorgung steht am Abgrund."

Bereits jetzt seien mit 12.000 freien Arztstellen die Abteilungen in den Kliniken "gnadenlos unterbesetzt". Daraus folgten unter einer ständigen Leistungsverdichtung sowie durch die Notwendigkeit, ausländische Ärztinnen und Ärzten bei Kommunikationsschwierigkeiten zu unterstützen, zwangsläufig Fehlversorgung und Fehlermöglichkeiten. Die Alarmzeichen werden nach Ansicht von Windhorst durch eine aktuelle Studie des Marburger Bundes aufgedeckt, bei der Arbeitszeiten von 60 Stunden und mehr in der Woche keine Seltenheit sind. Die befragten Mediziner gaben mit 71 Prozent an, dass sie aufgrund der Arbeitszeiten an gesundheitlichen Beeinträchtigungen leiden.

"Diese schrillen Alarmglocken sind ein deutliches Signal: Können kranke Helfer und Heiler den kranken Patienten noch helfen? Wird Überarbeitung bei Ärzten zur Berufskrankheit? Ein Großteil der Krankenhausärzte will schon jetzt die Arbeitszeiten erheblich reduzieren." Wenn Ärzte selbst die Grenzen ihrer Belastbarkeit aufzeigten und damit die qualitativ hochstehende Patientenversorgung infrage stellten, müsse darüber nachgedacht werden, wie der ärztliche Nachwuchs unter diesen Bedingungen in den deutschen Klinikabteilungen überhaupt noch einen Lebensarbeitsplatz finden könnte, so Windhorst.

"Wenn schon in den Krankenhäusern der ärztliche Nachwuchs zu Beginn seiner Berufstätigkeit durch schlechte und belastende Bedingungen vergrault wird, kommen die jungen Ärztinnen und Ärzte später gar nicht mehr in der ambulanten oder stationären Versorgung an. Wir müssen verhindern, dass sie ins Ausland oder in patienten-ferne Tätigkeiten abdriften. Der Ärztemangel hat seinen Grund auch schon in den Kliniken." Windhorst setzt sich deshalb vehement für eine Verbesserung der Arbeitsplatzsituation in den Kliniken ein. "Wir müssen die Attraktivität des Arztberufes in den Häusern nachhaltig sichern." Dazu gehöre auch, die Arbeitsabläufe in den Kliniken zu verbessern. Die Arbeitsplätze der Ärzte sollten von Bürokratie und Dokumentation entlastet werden. "Die Kernkompetenz der Ärzteschaft ist und bleibt die Arbeit mit und an dem Patienten."

Auch die Aus- und Weiterbildung der Nachwuchsmediziner leide unter den schlechten Rahmenbedingungen. Eine strukturierte, qualitativ hochwertige Weiterbildung sei die Grundlage für jede qualitätvolle ärztliche Gesundheitsversorgung der Bevölkerung.

Windhorst: "Mit und in der Weiterbildungszeit entsteht auch Bodenhaftung, die Kolleginnen und Kollegen am Ort halten kann. Das bedeutet medizinische Standortsicherung. Wir müssen für unseren eigenen Bedarf aus- und weiterbilden, nicht für die Gesundheitsversorgung in der weiten Welt." Die Aus- und Weiterbildung müsse sich also dem Bedarf der Patientenversorgung anpassen. Eine künstliche Verknappung etwa durch eine rigide Begrenzung von Studienplätzen für Medizin dürfe es nicht geben. Es müsse möglich sein, eine gute ärztliche Weiterbildung ambulant und stationär überall im Land zu absolvieren.

Die Verantwortlichen im Gesundheitssystem müssen nach Ansicht des Kammerpräsidenten endlich "komplett und konkret" das Problem der Neuordnung der ärztlichen Arbeitsbedingungen in den Kliniken anpacken und wieder Arbeitszufriedenheit herstellen. "Die Politik muss handeln, die Kassen müssen aufhören, die Ärzteschaft zu diffamieren, es muss genügend Geld in das System gegeben werden." Windhorst abschließend: "Die Patienten werden es danken."