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Pressemitteilung BoxID: 293171 (Ärztekammer Westfalen-Lippe)
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Windhorst: Erst der Abbau der Warteliste wird den Erfolg des neuen Gesetzes zeigen

Organspende-Reform: Chance vertan?

(lifePR) (Münster, ) Mit Skepsis beurteilt der Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe, Dr. Theodor Windhorst, die geplante Reform der Organspende. "Ich kann noch nicht erkennen, dass wir durch das neue Gesetz unser Ziel im Kampf gegen sinkende oder stagnierende Organspendezahlen erreichen." Erst ein Abbau der Warteliste werde den Erfolg des neuen Gesetzes zeigen. "Wir müssen dringend die Warteliste des Todes reduzieren." Windhorst lobt die Tatsache, dass sich die fünf Fraktionen im Deutschen Bundestag auf einen gemeinsamen Gesetzesentwurf geeinigt haben. Auch seien Forderungen der Ärzteschaft wie die Hinterlegung der Spendebereitschaft auf der elektronischen Gesundheitskarte trotz deren noch unklarer Perspektive aufgenommen worden. Aber: "Ob das reicht, das Grundrecht auf Leben für die Patienten auf der Warteliste zu gewährleisten, muss die Zukunft zeigen. Die Daseinsfürsorge der politischen Entscheidungsträger muss das garantieren."

Parteiübergreifend haben sich die zuständigen Politiker in Berlin darauf verständigt, die Regeln für die Organspende neu festzulegen. Die bislang geltende erweiterte Zustimmungslösung soll unter Beachtung des Grundsatzes der Freiwilligkeit in eine Entscheidungslösung umgewandelt werden. In Zukunft werden also alle Bürger regelmäßig gefragt, ob sie zur Organspende bereit sind. Die Krankenkassen sollen die Spendebereitschaft schriftlich abfragen. Das erste Schreiben soll 2013 versendet werden, ein weiteres in zwei Jahren. Nach der Aufforderung im Jahr 2017 folgen die Briefe alle fünf Jahre.

Dazu Windhorst: "Bei der Organspende ist stetige Aufklärung notwendig. Es muss ein Klima des Vertrauens und der Transparenz geschaffen werden, da dies ein sehr heikles und emotionales Thema ist. Deshalb ist zu begrüßen, dass das geplante Gesetz auf Zwangsmaßnahmen und Druck verzichtet. Aber die neuen Regularien müssen erst einmal zeigen, dass sie wirksam sind. Ich bin skeptisch, dass das erreicht wird. Wir dürfen uns auf keinen Fall allein auf Abfragen per Brief verlassen. Nicht nur abfragen sondern aufklären!" Alle Beteiligten müssten über die Information den Solidaritätsgedanken des Grundgesetzes einfordern, um eine Erhöhung der Organspendebereitschaft zu erreichen.

Kammerpräsident Windhorst, der sich seit Jahren für die Steigerung der Organspende einsetzt, spricht sich erneut für eine Informations- und Erklärungslösung entsprechend den Beschlüssen der Ständigen Kommission für Organspende der Bundesärztekammer und des letzten Deutschen Ärztetages aus, bei der sich jeder Bürger nach ausführlicher Information für oder gegen eine Organspende entscheidet. Neben einem neuen Gesetz sei es notwendig, dass die Transplantationsbeauftragten in den Krankenhäusern auch entsprechend gute Rahmenbedingungen für die Wahrnehmung ihrer Aufgaben hätten. Dazu gehöre etwa die Entlastung von Routinearbeiten. "Die Transplantationsbeauftragten müssen ebenso besser unterstützt und gestärkt werden wie die Kliniken in der Finanzierungsfrage."

Windhorst: "Derzeit schreitet die Organspende durch ein Jammertal. Die Leidtragenden sind die 12.000 Menschen auf der Warteliste, die inständig auf eine Organspende hoffen, um weiterleben zu können. Jeden Tag sterben drei von diesen Hoffenden und Wartenden. Ob die Organspende-Reform das markant ändern kann, wird die Zeit zeigen. Ich hoffe, es vergeht nicht noch mehr ungenutzte Zeit."