Donnerstag, 08. Dezember 2016


  • Pressemitteilung BoxID 133816

Stagnation im Schienennetz Berlin-Brandenburg

Investitionen der Deutschen Bahn AG reichen nicht aus

(lifePR) (Berlin, ) Das Schienennetz in Berlin und Brandenburg hat sich im vergangenen Jahr nicht verbessert. Insgesamt 13 Prozent des Netzes im VBB-Gebiet können aufgrund von Mängeln nicht mit der eigentlichen Streckengeschwindigkeit befahren werden. Die Folge: Bahnreisende im Nahverkehr sind täglich rund 4.000 Stunden länger unterwegs als nötig. Das zeigt die VBB-Qualitätsanalyse "Netzzustand 2009".

In diesem Jahr wurden im gesamten Untersuchungsnetz 685 Geschwindigkeitseinbrüche mit einer Gesamtlänge von 587,1 km festgestellt. Insgesamt sind somit 13,1 Prozent des Netzes nicht mit der eigentlichen Streckengeschwindigkeit befahrbar.

Während im Vorjahr in der Summe aller Strecken noch eine Verbesserung im Jahresvergleich von mehr als 35 Minuten festgestellt wurde, zeigt die diesjährige Verbesserung von lediglich fünf Minuten eine Stagnation des Netzzustands. VBB-Geschäftsführer Hans-Werner Franz: "Es ist sehr bedauerlich, dass der positive Trend des Vorjahres nicht fortgesetzt werden konnte. Auch zeigen sich weiterhin große Unterschiede zwischen Kern- und Regionalnetz. Gerade der Regionalverkehr, der die meisten Fahrgastzuwächse und damit hohe Gewinne für den DB-Konzern erwirtschaftet, darf nicht ins Abseits geraten."

Während auf den Hauptstrecken elf Prozent der Streckenlänge nur mit verminderter Geschwindigkeit befahren werden kann, sind es bei den Regionalstrecken 18 Prozent. Die Situation hat sich in diesem Jahr jedoch etwas zugunsten des Regionalnetzes verbessert. Der positive Trend des Vorjahres auf den Hauptstrecken wurde aber nicht fortgesetzt.

Infrastrukturministerin des Landes Brandenburg Jutta Lieske: "Der Schienenpersonennahverkehr in der Region Berlin/Brandenburg hat sich in den letzten Jahren sehr erfolgreich entwickelt. Der Zustand der Infrastruktur ist dabei entscheidend. Um die Potentiale der umweltfreundlichen Schiene besser ausschöpfen zu können, sind mehr Investitionen in das Schienennetz unabdingbar. Dem Ausbau der Hauptstrecken muss nun auch eine für den Fahrgast spürbare Verbesserung im Regionalnetz folgen. Die Qualitätsanalysen des VBB weisen auf Schwachstellen im Netz aus Sicht der Nutzer hin. Diese Qualitätskontrolle ist wichtig und konstruktiv, um einen attraktiven ÖPNV für die Kunden zu gestalten."

48 Prozent der festgestellten Geschwindigkeitseinbrüche sind auf Mängel (z.B. Oberbau oder Brückensanierung) zurückzuführen. Von den in der Analyse benannten Mängeln bezeichnet die DB übrigens nur drei Prozent als Langsamfahrstellen. Den Rest von 45 Prozent zählt sie nicht mit, da es ältere Mängel sind, die in den Fahrplan bereits eingearbeitet sind. Die übrigen Geschwindigkeitseinbrüche von knapp 50 Prozent beruhen überwiegend auf veralteten Anlagen, die nicht für heutige Geschwindigkeiten ausgelegt sind. Nur gut zwei Prozent sind auf laufende Baustellen zurückzuführen. Hans-Werner Franz: "Das Eisenbahnnetz in Deutschland ist insgesamt in keinem guten Zustand. Der Bahnkonzern muss dringend mehr in das Schienennetz investieren. Die VBB-Analyse zeigt für Berlin und Brandenburg deutlich eine Stagnation bei der Instandhaltung. Angesichts der vielen lang andauernden Mängel und der zahlreichen veralteten Anlagen, ist es nicht nachzuvollziehen, dass gleichzeitig die Gewinne von DB Netz unverhältnismäßig steigen. Seit 2005 kletterten die Gewinne von 17 Millionen Euro auf 670 Millionen Euro im Jahr 2008. Das Schienennetz - mit Steuergeldern gebaut - wirft für den DB-Konzern hohe Gewinne ab. Es ist nicht akzeptabel, dass nicht ausreichend in die Erhaltung und Modernisierung von Anlagen und Strecken reinvestiert werden."

Auf einigen Streckenabschnitten wurden nennenswerte Unterschiede im Vergleich zum Ergebnis von 2008 festgestellt. Als positiv hervorzuheben sind die deutlichen Ergebnisverbesserungen beim bisherigen "Sorgenkind", der Strecke zwischen Hosena und Falkenberg - auch wenn es hier noch immer zahlreiche Mängelstellen gibt, die saniert werden müssten. Weitere positive Entwicklungen gab es auch auf den Strecken zwischen Eberswalde und Frankfurt (Oder), Bernau und Prenzlau (Instandsetzung von Bauwerken), Schwedt und Angermünde (Beseitigung von Unterbaumängeln) und Eberswalde und Joachimsthal (Beseitigung von Oberbaumängeln).

Als besonders negativ beurteilt der Verbund die Entwicklung auf der Dresdener Bahn und bei der Verbindung Hennigsdorf - Wittstock - Wittenberge (Prignitz-Express). Während die Sanierung der Hauptstrecke Berlin - Dresden in Kürze bevorsteht, wurde die Strecke des Prignitz-Express erst vor einigen Jahren saniert. Die erneute Häufung von Geschwindigkeitseinbrüchen ist auf dieser Strecke daher nicht nachvollziehbar. Unbedingten Handlungsbedarf sieht der VBB auf den Strecken Berlin-Elsterwerda, Berlin-Bernau, Berlin-Erkner und Königs Wusterhausen-Frankfurt/Oder.

Als Teil der Qualitätsanalyse des Verkehrsverbunds Berlin-Brandenburg wurde im Jahr 2006 eine erste Netzzustandsanalyse mit ausgewählten Streckenabschnitten erstellt. Seit 2007 erfolgt eine jährliche Untersuchung des gesamten Streckennetzes, die auch Veränderungen des Netzzustands im Vorjahrsvergleich aufzeigt.

Die Kurzfassung der aktuellen Studie ist unter VBBonline.de/mediaservice im Internet abrufbar.

Diese Pressemitteilungen könnten Sie auch interessieren

Bridgestone auf der DeLuTa 2016

, Mobile & Verkehr, Bridgestone Deutschland GmbH

Bridgestone präsentiert als Fördermitglied im Verband der Lohnunternehmen vom 7. bis 8. Dezember 2016 auf der DeLuTa (Deutsche Lohnunternehmertagun­g)...

ARCD: Kein Alkohol am Steuer auch in der Vorweihnachtszeit

, Mobile & Verkehr, ARCD Auto- und Reiseclub Deutschland e. V.

Glühwein, Feuerzangenbowle, heißer Caipirinha – auf Weihnachtsfeiern und -märkten geht es zum Jahresende mitunter feuchtfröhlich zu. Der ARCD...

Ryanair: Erfolgreiche Charmeoffensive für Nord- und Ostbayern

, Mobile & Verkehr, NewsWork AG

Die irische Günstigfluggesellsch­aft Ryanair macht den Nürnberger „Albrecht Dürer Airport“ zu einer Basis für ihr weiteres Wachstum in Deutschland....

Disclaimer